Europäisches Navigationssystem Totalausfall bei Galileo

Galileo soll Europa unabhängiger machen vom US-amerikanischen Navigationssystem GPS. Doch nun ist das System nahezu komplett ausgefallen. Das ist nicht die erste Panne.
15.07.2019, 18:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Markus Lücker

Die Meldung aus Prag fiel knapp aus: „Service Degradation“ – Leistungseinbruch – schrieb die in Tschechien ansässige European Global Navigation Satellite Systems Agency (GSA) bereits am Donnerstag auf ihrer Website. Betroffen ist das Navigationssystem Galileo, jenes milliardenteure Prestigeprojekt aus 26 Satelliten, mit denen die Europäische Union eine Alternative zum US-amerikanischen GPS aufbauen will. Einen Tag später wird aus dem Leistungseinbruch dann ein fast kompletter Ausfall. Lediglich der Such- und Rettungsdienst funktioniere noch, mit dem etwa Menschen in Seenot gefunden werden können oder wenn sie sich in den Bergen verirrt haben. Abgesehen davon war das europäische Navigationssystem auch am Montag offline.

Für Galileo ist es der erste Ausfall dieser Art. Allerdings kam es schon häufiger zu technischen Problemen. Als das Projekt im Dezember 2016 seinen Dienst aufnahm, fielen bereits einen Monat später Atomuhren auf den Satelliten aus. Die Informationen der Uhren sind nötig, damit die Satelliten ihre Signale zeitgleich absenden können. Das wiederum ist die Voraussetzung dafür, dass etwa Navigationssysteme in Autos die eigene Position bestimmen können.

Grundlage für autonomes Fahren

Auch diesmal soll die Zeit die Ursache des Problems gewesen sein. Ein „technischer Vorfall“ bei der Infrastruktur auf der Erde habe zu einer zeitweiligen Unterbrechung der „Navigations- und Zeitmessungsdienste“ geführt, erklärte die GSA am Sonntag. Genauere Informationen gibt es nicht. Verantwortlich könnte eine italienische Bodenstation gewesen sein. Das berichtet der Branchendienst Inside GNSS unter Berufung auf interne Quellen bei der GSA. In jener Station wird die Referenzzeit generiert, mit deren Hilfe die Uhren des Galileo-Systems kontrolliert und kalibriert werden. An den Satelliten selbst, die alle bei OHB in Bremen gebaut wurde, soll es nicht liegen.

Momentan befinde sich das Galileo-Projekt noch in einer „Pilotphase“, heißt es bei der GSA. Dabei werden Daten aus anderen Satelliten-Systemen genutzt, um Fehler zu erkennen, bevor das Netzwerk seine Aufgabe vollständig übernimmt.

Milliardenschweres Projekt

Ursprünglich sollte Galileo bereits 2008 den Betrieb aufnehmen. Nach diversen Verzögerungen sollen jetzt 2020 die letzten vier der insgesamt 30 Satelliten mithilfe von Ariane-Raketen ins All starten. Im Budget der EU sind für den Aufbau 7,2 Milliarden Euro vorgesehen, weitere drei für den Betrieb.

Noch ist das System für den Alltag der Menschen in Europa eher unbedeutend. Das zeigt sich auch daran, dass die meisten Autofahrer am Wochenende – trotz Ausfall – an ihr Ziel fanden und nicht von ihren Navigationsgeräten in die Irre geführt wurden. Lediglich einige Dutzend Smartphones können die Galileo-Signale momentan überhaupt empfangen. Zukünftig soll die Technologie allerdings auch für selbstfahrende Autos genutzt werden.

Dass ein Ausfall der Satellitentechnik dann zu Unfällen und Chaos auf den Straßen führen würde, ist eher unwahrscheinlich. Zum einen sind die Systeme auch jetzt schon auf vorübergehende Signalausfälle vorbereitet. Außerdem sollen sich die vier Navigationssysteme, die derzeit einen weltumspannenden Dienst anbieten, künftig ergänzen: die militärisch kontrollierten Projekte GPS aus den USA, Glonass aus Russland und Beidou aus China sowie das zivile System Galileo. Sie sollen sich künftig zumindest teilweise gegenseitig unterstützen. Nutzer wären dann in der Lage, die eigene Position aus allen empfangbaren Daten der verschiedenen Systeme bestimmen zu können, erläutert die Europäische Weltraumorganisation Esa auf ihrer Website. Europa habe großen Wert darauf gelegt, „dass Galileo nicht gegen, sondern mit GPS arbeiten wird“.

Wann die Galileo-Satelliten wieder vollständig funktionieren werden, war an diesem Montag noch nicht abzusehen. Aus den Informationen von Inside GNSS geht hervor, dass die Probleme ursprünglich bereits bis zum Ende des Wochenendes hätten bewältigt sein sollen. Eine Sprecherin der GSA teilte nun am Montag lediglich mit, Experten würden rund um die Uhr an der Behebung des Fehlers arbeiten.

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