Raketen-Oberstufe aus Bremen Erfolgreiche Atlantiküberquerung

Die im Bremer Ariane Group-Werk gefertigte Oberstufe für die Trägerrakete Ariane 6 ist am Weltraumbahnhof Kourou angekommen und wird dort für Tests an der Startrampe montiert.
19.01.2022, 16:20
Lesedauer: 2 Min
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Erfolgreiche Atlantiküberquerung
Von Peter Hanuschke

Das sogenannte Herzstück der neuen Trägerrakete Ariane 6, die Oberstufe, hat den Atlantik per Schiff überquert und ist in Französisch-Guayana an der Nordostküste Südamerikas angekommen. Die unter der industriellen Federführung bei der Ariane Group in Bremen gefertigte Oberstufe wird dort am Weltraumbahnhof Kourou mit der Unterstufe erstmalig zu einer kompletten Ariane 6 auf der neuen Startrampe zusammengebaut. Verschifft wurde die Oberstufe Ende Dezember vom Neustädter Hafen aus. Auftraggeber für die Entwicklung und den Bau der Trägerrakete ist die Europäische Weltraumbehörde Esa.

„Die Ariane 6 am europäischen Weltraumbahnhof zu haben, ist wirklich großartig", sagte Daniel Neuenschwander, Esa-Direktor für Raumtransport. "Dies ist ein wichtiger Meilenstein, der Höhepunkt intensiver Vorbereitungen der Esa und ihrer Partner in Europa und am Europäischen Weltraumbahnhof, und ein weiterer wichtiger Schritt zur Sicherstellung der Flugbereitschaft der Ariane 6.“

Flexible Trägerrakete

Mit der Ariane 6 will die Esa neue Wege gehen und im wachsenden Trägerraketen-Markt mithalten: Die Oberstufe der modular aufgebauten Ariane 6 kann mehrfach gezündet werden und ist daher in der Lage, viele Arten von Missionen in verschiedenen Umlaufbahnen durchzuführen. Durch den Einsatz von zwei oder vier zusätzlichen Feststoff-Boostern, je nach Bedarf der erforderlichen Leistung, will die Esa mit dieser flexibleren Trägerrakete den autonomen Zugang Europas zum Weltraum weiter ausbauen und sichern. 

Für den Satellitentransport ist die jetzige Ariane 6 aber noch nicht vorgesehen: Mit der Montage werden vielmehr alle Schnittstellen und Funktionen zwischen der Trägerrakete und den Bodeneinrichtungen des Weltraumbahnhofs überprüft. Der eigentliche Erstflug für das Nachfolgemodell der seit 1995 im Dienst stehenden Ariane 5 ist für Mitte dieses Jahres vorgesehen. Von der Ankunft der Raketenmodule - die Unterstufe wird im französischen Ariane Group-Werk Les Mureaux gebaut - über die Montage bis zu den Zündungstests auf der Startrampe sollen die Tests so weit wie möglich denen einer wirklichen Ariane-6-Startphase entsprechen.

Horizontale Montage

Laut Esa werden die zentralen Bauteile zunächst horizontal in das Gebäude für die Montage der Trägerrakete transportiert, dann zur Startrampe bewegt und in der mobilen Brücke vertikal angehoben. Dies sei ein wesentlicher Unterschied zur aktuellen Ariane-5-Startphase. An der Unterstufe werden außerdem vier Feststoff-Booster befestigt, die die Rakete in den Weltraum befördern. Diese haben das gleiche Gewicht und die gleichen Abmessungen wie die echten Booster und ermöglichen es, die Verfahren zu simulieren und die Ausrüstung zu testen. Die Ariane 6 ist je nach Konfiguration bis zu 60 Meter hoch und soll Nutzlasten bis zwölf Tonnen ins All transportieren können. 

Die Oberstufe, die derzeit in Kourou montiert wird, ist die zweite, die in Bremen gefertigt wurde. Das erste "Herzstück" befindet sich im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen. Dort geht es unter anderem um Zündungsversuche. Die Tests in einer speziellen Anlage werden die Bedingungen im Weltraum nachahmen. Und bei den sogenannten Heißlauf-Probedurchgängen wird beispielsweise das Vinci-Triebwerk bis zu dreimal gezündet. Diese Tests stellen unterschiedliche Flugszenarien nach: Schub und Dauer der Zündung variieren dabei. An der dritten Oberstufe für das eigentliche Flugmodell wird in den Reinräumen im Bremer Ariane Group-Werk bereits seit Monaten gearbeitet.

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