Der Zauber kehrt zurück

Es gibt Menschen, die sagen, Kinder zu bekommen sei das größte Abenteuer überhaupt. Vielleicht, weil man – zumindest beim ersten Kind – nicht weiß, worauf man sich einlässt.
24.12.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Der Zauber kehrt zurück
Von Kathrin Aldenhoff

Es gibt Menschen, die sagen, Kinder zu bekommen sei das größte Abenteuer überhaupt. Vielleicht, weil man – zumindest beim ersten Kind – nicht weiß, worauf man sich einlässt. Weil man das Risiko eingeht, dass der Traum von der Familie platzt. Vielleicht, weil man als Eltern plötzlich wieder Dinge zum ersten Mal macht: der erste Spaziergang mit dem Neugeborenen, das erste Mal mit dem Baby in den Urlaub fahren, das erste Mal so richtig Verantwortung für einen anderen Menschen übernehmen. Schon als ich schwanger war, freute ich mich auf ein ganz bestimmtes erstes Mal: auf das erste Weihnachtsfest mit meinem Kind.

An das Weihnachten meiner Kindheit erinnere ich mich gut, zumindest glaube ich das. An das Glöckchen, das klingelte, wenn das Christkind wieder davon geflogen war. Und daran, dass mir irgendwann auffiel, dass mein Vater zu diesem Zeitpunkt seltsamerweise immer auf der Toilette war. An den großen Weihnachtsbaum mit den Kerzen und den kleinen Holzfiguren und daran, dass ich in einem Jahr darauf bestand, einen großen Eimer Wasser daneben zu stellen, weil ich das in der Schule so gelernt hatte und meine Eltern mir das nicht ausreden konnten. An die Weihnachtslieder, die wir sangen, mein Vater spielte Gitarre. Daran, dass wir damit aufhörten, als meine Eltern sich trennten, weil man ohne die Gitarre auf einmal hörte, wie schief alle sangen. Seitdem lesen wir eine Geschichte vor, das ist auch schön. Das Weihnachten meiner Kindheit leuchtet orange-gelb, riecht nach Streichhölzern, klingt nach Blockflöte und Gitarre. Nur der Weihnachtsbaum wurde immer kleiner, je größer mein Bruder und ich wurden.

Hannah wird mit ihrem knappen halben Jahr noch nicht viel davon mitbekommen, dass Weihnachten ist. Wahrscheinlich wird sie begeistert die vielen Kerzen und Lichter betrachten, denn sie liebt alles was leuchtet. Wahrscheinlich wird sie ungeduldig werden, wenn die Großen so lange am Esstisch sitzen. Am meisten wird sie sich über das Geschenkpapier freuen, das so herrlich knistert. Wonach das Weihnachten ihrer Kindheit wohl riecht, wenn sie später daran zurückdenkt? Ich danke meinen Eltern dafür, dass sie das Weihnachtsfest für meinen Bruder und mich so randvoll mit Freude und Zauber und Wunder gefüllt haben. Mit Hannah kehrt der Zauber für mich zurück. Vielleicht auch für meine Eltern. Und mit ihr haben wir endlich wieder einen guten Grund, einen richtig großen Weihnachtsbaum zu kaufen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+