Die Augen der anderen

Nur dass das klar ist: Ich mag meinen Babybauch. Was ich nicht mag, sind die Reaktionen manch anderer: glotzen, meinen Bauch anfassen, ohne zu fragen, und den Bauchumfang kommentieren.
18.06.2017, 00:00
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Die Augen der anderen
Von Kathrin Aldenhoff

Nur dass das klar ist: Ich mag meinen Babybauch. Was ich nicht mag, sind die Reaktionen manch anderer: glotzen, meinen Bauch anfassen, ohne zu fragen, und den Bauchumfang kommentieren. Und ja, das passiert ständig.

Mir begegnen immer wieder Menschen, deren Augen auf meinem Bauch hängenzubleiben scheinen. Überlegen sie, ob ich schwanger oder dick bin? So wie in der niederländischen Fernsehshow, die aber nach der Premiere schon wieder abgesetzt wurde. Sonst kann ich mir keinen Grund vorstellen, warum man einer Schwangeren so lange auf den Bauch glotzen müsste. Macht man bei Männern mit Bäuchen ja auch nicht.

Dann gibt es Leute, vor allem Frauen, die einfach zupacken. Sie kennen mich nicht, stehen vielleicht vor mir an der Kasse im Supermarkt. Ich sehe, wie sich ihr Blick auf den Bauch senkt, vielleicht sagen sie noch: „Darf ich mal“ – und zack, bevor ich antworten kann, sind die Hände schon auf meinem Bauch. Ein komisches Gefühl, wenn man bis vor kurzem der Meinung war, dass man wildfremde Menschen nicht einfach so anfasst.

Andere, oft Männer, kommentieren gerne den Bauchumfang. Ich weiß nicht, wie oft ich mir schon anhören musste, dass sich in meinem Bauch doch sicherlich Zwillinge befänden, so groß wie der sei. Bei einer Freundin war es andersrum: Sie hatte in den Augen der anderen einen zu kleinen Bauch. Und ständig sagte ihr das irgendjemand, oft mit dem Zusatz: „Da stimmt doch was nicht.“

An dieser Stelle möchte ich festhalten: Kommentare über ihren Bauchumfang braucht keine Schwangere. Sie wird so lückenlos überwacht, wie man sich das bei manch anderen wünschen würde. Jeder kann sich sicher sein: Wenn wirklich etwas nicht stimmt, dann wissen der betreuende Arzt und die Mutter das.

Wenn mir wieder jemand erzählt, ich würde Zwillinge ausbrüten, antworte ich inzwischen, dass mein Bauch völlig in Ordnung ist, so wie er ist und dass nicht nur Frauen, sondern auch Babybäuche unterschiedlich sind. Und dass der große Bauch zumindest die Fußpflegerinnen in meinem Umfeld glücklich macht. Denn Zehennägel lackieren kann ich nun nicht mehr selbst.

Kathrin Aldenhoff ist Redakteurin der Lokalredaktion des WESER-KURIER. Im Sommer erwartet sie ihr erstes Kind. Jeden Sonntag schreibt sie an dieser Stelle über ihre Erlebnisse als werdende Mutter.

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