TV-Tipp, 12. Februar

ARTE überträgt die Welturaufführung von "Metropolis"

Großer Bahnhof für einen Filmklassiker: ARTE überträgt live von der Berlinale die Welturaufführung der rekonstruierten Originalfassung von Fritz Langs "Metropolis".
08.01.2010, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Johann Ritter
ARTE überträgt die Welturaufführung von "Metropolis"

Futuristisches Szenario: die Zukunftsstadt Metropolis.

ZDF / Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung / Transit Film

Großer Bahnhof für einen Filmklassiker: ARTE überträgt live von der Berlinale die Welturaufführung der rekonstruierten Originalfassung von Fritz Langs "Metropolis".

Auf die Länge kommt es an: 4.189 Meter Zelluloid umfasste die Ursprungsfassung des Science-Fiction-Klassikers "Metropolis". Nach vier erfolglosen Kinomonaten setzte die Ufa das unbarmherzige Schneidemesser an und kürzte Fritz Langs meisterhafte Zukunftsstudie um rund 30 Minuten auf 3.241 Meter Film. Ein unumkehrbarer Akt kultureller Barbarei, wäre da nicht der argentinische Filmverleiher Adolfo Wilson gewesen, der sich kurz nach der Premiere im Januar 1927 eine Kopie sicherte, die nun, mehr als 80 Jahre später, in Buenos Aires entdeckt wurde und nach aufwendiger Restaurierung vorliegt. ARTE überträgt am Freitag, 12. Februar, 20.45 Uhr, die Welturaufführung dieser Filmfassung live aus dem Friedrichspalast von der Berlinale. Das Rundfunk-Sinphonieorchester Berlin interpretiert begleitend die gleichfalls rekonstruierte Originalmusik von Gottfried Huppertz.

Im Jahr 2001 wurde "Metropolis" als erster Film überhaupt ins UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen. Die letzte rekonstruierte, indes nie veröffentlichte DVD-Fassung datiert aus dem Jahr 2005. So nah wie die neue Bearbeitung, die unter Federführung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung an einem stark beschädigten 16-Millimeter-Negativ vorgenommen wurde, kam dem Original bisher keine. Die Dokumentation "Die Reise nach Metropolis" von Artem Demenok, die ARTE im Anschluss, um 23.15 Uhr, in Erstausstrahlung zeigt, legt die Geschichte der Entdeckung und Restauration in Gänze dar.

Fritz Lang selbst sähe diese Verehrung vermutlich mit Verwunderung. Als sein Schlüsselwerk 1927 veröffentlicht wurde, ging die Kritik damit nicht unbedingt zimperlich um. Der Autor H. G. Wells etwa, selbst ein Fantast und Visionär ("Krieg der Welten"), bilanzierte, er habe "den dümmsten Film aller Zeiten gesehen. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, einen noch dümmeren zu machen."

Als "veralteten Unsinn" tat er die vertikale Gliederung der Stadt ab, die die Grundlage der Geschichte ausmacht. In Fritz Langs Film, der in der fernen Zukunft spielt, wird eine unterirdisch wohnende Menschenmasse ausgebeutet. Joh Fredersen (Alfred Abel) kontrolliert sie von oben. Freder (Gustav Fröhlich), sein einziger Sohn, beschließt eines Tages hinabzusteigen und solidarisiert sich mit den Arbeitern und Maria (Brigitte Helm), die Liebe und Klassenlosigkeit predigt. Es ist ein einfaches Bild: Die oben haben das Hirn, die unten die arbeitende Hand. Und mitten drin ist das vermittelnde Herz einer Frau.

Es ist nicht ganz einfach, den Wert des Films, der fünf Millionen Reichsmark verschlang, mit Blick auf die damalige Zeit vorurteilsfrei einzuschätzen. Die Ästhetik von "Metropolis" hat jedoch nichts von ihrer Faszination verloren. Alles fließt, es gibt keine stillen, starren Momente. Das macht den Film zu einem visuellen Erlebnis. Seine Schlussmoral ist zweifelhaft, nimmt er sich damit doch selbst einen Teil seiner Überzeugungskraft. Fritz Lang (er starb 1976 in Los Angeles) nahm früh Abstand. Befragt nach dem Ende von "Metropolis" erklärte er: "Ich habe oft gesagt, dass ich 'Metropolis' nicht liebe, weil ich die Aussage des Films heute nicht mehr akzeptieren kann. Es ist absurd zu sagen, das Herz sei der Mittler zwischen dem Hirn und der Hand."

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