Liebesgrüße zum Muttertag

Noch ist mein Baby nicht auf der Welt, aber einiges hat sich schon verändert. Seit ich schwanger bin und das für andere zu sehen ist, stehe ich unter Beobachtung.
14.05.2017, 00:00
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Liebesgrüße zum Muttertag
Von Kathrin Aldenhoff

Noch ist mein Baby nicht auf der Welt, aber einiges hat sich schon verändert. Seit ich schwanger bin und das für andere zu sehen ist, stehe ich unter Beobachtung. Ja, nicht nur unter Beobachtung, ich werde auch bevormundet. Als Kind kennt man das Gefühl ja, aber als Erwachsener? Spätestens wenn man die Phase der Praktika, die sich scheinbar endlos aneinanderreihen, hinter sich hat, ist es normalerweise vorbei mit der Bevormundung. Dachte ich. Aber: weit gefehlt!

Neuerdings erklärt mir die Verkäuferin in der Wäscheabteilung, welchen BH ich zu tragen habe und welchen nicht, legt mir der freundliche Fahrrad-Reparateur ans Herz, mein altes Fahrrad auszusortieren, das Rennrad ohnehin im Keller zu lassen und ein neues Citybike zu kaufen – weil’s sicherer ist für Mutter und Kind. Als ich vor einigen Wochen zu einer Reportagereise nach Kasachstan startete, sagten mir nicht nur Verwandte, dass das ja ganz schön mutig sei. Und schon jetzt erzählen mir Freunde, Bekannte und beinahe Unbekannte gerne, wie man das so macht mit der Kindererziehung. Dass man doch bitte nicht bei jedem Schrei zum Kind rennen sollte, dass zu viel Vorsicht auch schadet, aber Bio-Essen eben schon das Beste sei. Ob die Menschen, die diese als Ratschläge getarnten Anweisungen geben, selbst Kinder haben, spielt dabei übrigens keine Rolle. Eine Freundin – Mutter eines Siebenjährigen – sagte, Schwangere und junge Eltern seien gesellschaftliches Allgemeingut. Kinder zu erziehen ist sicherlich nicht einfach. Ratschläge von allen Seiten zu bekommen aber auch nicht.

Vor vielen Jahren habe ich meiner Mutter zum Muttertag einen kleinen Brief geschrieben, mehr einen Zettel, auf dem steht, dass ich sie liebe. Diesen Zettel hat meine Mutter eingerahmt, er steht in einem kleinen Regal im Wohnzimmer. Meine Mutter hat, glaube ich, ziemlich viel richtig gemacht. Ich hoffe, mir gelingt das auch. Vielleicht bekomme ich dann ja auch mal einen Zettel, auf dem mein Kind mir schreibt, dass es mich liebt. Falls es mir verziehen hat, dass ich es auf einem quietschenden, klappernden, 30 Jahre alten DDR-Fahrrad durch die Stadt gefahren habe.

Kathrin Aldenhoff ist Redakteurin der Lokalredaktion des WESER-KURIER. Im Sommer erwartet sie ihr erstes Kind. Jeden Sonntag schreibt sie an dieser Stelle über ihre Erlebnisse als werdende Mutter.

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