Fünf Jahre später Wie die Elbphilharmonie zum Hamburger Vorzeigeprojekt geworden ist

Vor fünf Jahren wurde die Elbphilharmonie in Hamburg eröffnet. Mittlerweile ist sie ein Touristenmagnet, Konzertliebhaber reißen sich um Tickets. Eine Bilanz.
05.01.2022, 20:16
Lesedauer: 2 Min
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Von Carola Groß-Wilde Iris Hetscher

Seit fünf Jahren hat Hamburg nicht mehr nur den Michel, sondern ein weiteres neues Wahrzeichen: Die Elbphilharmonie prägt die Gegend um den Hafen. Vom 9. bis zum 17. Januar wird das mit einem neuntägigen Festival und im April mit einem neuen Licht-Kunstwerk namens "Breaking Waves" (Wellen brechen) gefeiert. Wegen der Corona-Pandemie müssen jedoch einige Konzerte verschoben werden, darunter das monumentale Werk "Arche" von Jörg Widmann mit 300 Mitwirkenden. Stattdessen präsentieren Dirigent Kent Nagano und das Philharmonische Staatsorchester ein alternatives Programm. Außerdem auf der Gästeliste: Sir Simon Rattle, Daniel Barenboim, Jordi Savall, Charles Lloyd und John Scofield.

Bis zum Corona-Stillstand im März 2020 haben laut Elbphilharmonie 2,7 Millionen Konzertbesucher knapp 2500 Konzerte in beiden Sälen erlebt. Mit 1,2 Millionen Besuchern pro Jahr in Elbphilharmonie und Laeiszhalle hat sich das Konzertpublikum in Hamburg nahezu verdreifacht. Die Plaza, die Aussichtsplattform in 37 Metern Höhe, erwartet im März ihren 15. Millionsten Besucher.

Möglichst viele Menschen für Klassik begeistern

Intendant Christoph Lieben-Seutter sieht es als Kernaufgabe, möglichst viele und möglichst unterschiedliche Menschen für klassische Musik zu begeistern. Dies sei mittlerweile "absolut erfüllt" worden. Kent Nagano, Chef des Philharmonischen Staatsorchesters, lobt nicht nur den Klang des Hauses. Genauso wichtig sei es, dass das Konzerthaus zum Treffpunkt werde - und das habe die Elbphilharmonie erreicht. "Die Elbphilharmonie hat Hamburg zu einer neuen kulturellen Identität verholfen. Auch international. Auch meine Mutter in Kalifornien sagt: Ich liebe die Elbphilharmonie", so Dirigent Nagano.

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Dabei war der Bau des auffälligen Konzerthauses alles andere als eine Erfolgsgeschichte: Die Bauzeit verlängerte sich von drei auf zehn Jahre, die Kosten stiegen von 77 Millionen auf 789 Millionen Euro. Doch schon kurz nach der Eröffnung entwickelte sich das allseits beklagte Millionengrab zum Wahrzeichen der Stadt. Hamburger und Touristen sind bis heute fasziniert von der "gläsernen Welle" der Architekten Herzog & de Meuron und genießen in 37 Metern Höhe den Blick über den Hamburger Hafen.

Und sie strömen zu den Konzerten im kleinen wie im großen Saal, wo sich Klassikstars aus aller Welt die Klinke in die Hand geben. Auch die beiden Bremer Orchester, die Deutsche Kammerphilharmonie und die Philharmoniker, waren mittlerweile mehrfach zu Gast in dem Saal mit der besonderen Akustik. Die Bühne Cipolla mit Sitz in der Schaulust am Güterbahnhof war im Jahr 2019 sogar das erste Figurentheater überhaupt, das in der Elbphilharmonie auftreten durfte.

Kein Termin für Bob Dylan

"Ich liebe den Saal. Er ist sehr, sehr ehrlich. Man hört alles. Das ist auch eine sehr große Herausforderung, man muss wirklich gut spielen. Der Saal ist wie ein Instrument, das wir spielen", sagt Kent Nagano. Sein US-amerikanischer Kollege Alan Gilbert, Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie-Orchesters, ergänzt: "Die größte Herausforderung für mich ist natürlich ganz konkret, herausragende Konzerte zu geben. Die Akustik der Halle kommt nahezu jeder Art von Musik entgegen, wenn man damit umzugehen weiß."

Alle wichtigen Orchester und Künstler waren seit der Eröffnung mehrfach zu Gast - von den Berliner und Wiener Philharmonikern bis zum Ausnahme-Dirigenten Teodor Currentzis. Im Bereich der Klassik ist Intendant Christoph Lieben-Seutter denn auch wunschlos glücklich.

Aber jenseits der Klassik gibt es noch einiges, was er umsetzen möchte. "Da bekommen wir auch Anfragen der allergrößten Namen und Legenden, die gerne hier auftreten würden. Das Problem ist meistens der Terminkalender, der auf Jahre ausgebucht ist. Zum Beispiel finden wir gerade keinen Termin für Bob Dylan."

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