Illegale Abfallentsorgung

Ärger um wilden Abfall

Kürzlich hat ein Landwirt in Nordwohlde seinen Bauschutt abgeladen. Zufällig filmte eine Wildtierkamera mit, sodass er identifiziert werden konnte. Doch wie akut ist das Problem von illegaler Abfallentsorgung?
04.05.2021, 07:01
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Ärger um wilden Abfall
Von Tobias Denne

Sauer ist er auch noch Tage später. „Er hatte ein klares Ziel“, sagt Markus Kattau. Vor Kurzem hat er auf einer seiner Flächen eine ordentliche Menge an Bauschutt und anderen Abfall gefunden. „Er muss tagsüber gekommen sein, den Haufen haben wir am Nachmittag entdeckt“, erzählt der Nordwohlder. Parallel zur Bundesstraße 51 hatte ein Landwirt aus Stuhr mit seinem Gefährt seinen Abfall einfach so in die Natur gekippt. „Das war keine Kofferraumladung oder eine Affekthandlung“, weiß Kattau. Sein Berufskollege sei bewusst mit dem Abfall Richtung Bassum unterwegs gewesen und ist dann in die Natur abgebogen - und das obwohl die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) nur wenige Kilometer entfernt liegt. „Er hätte nur etwas weiter fahren müssen“, sagt Kattau und schüttelt den Kopf.

Die gute Nachricht: Der Täter wurde schnell gefunden. Dank einer Wildtierkamera war der Verursacher rasch ausgemacht. „Darauf war das Kennzeichen zu erkennen und dass er den Müll auf dem Anhänger hatte“, berichtet Kattau. Der Stuhrer musste seinen Abfall selbst wieder abholen - was er auch getan hat. Thomas Gissing, Pressesprecher der Polizeiinspektion Diepholz, hat einen solchen Fall auch noch nie erlebt. „Das war schon ein Highlight“, findet er. Gleichzeitig sagt er aber: Der oder die Täter werden häufig gefunden - die Aufklärungsquote ist hoch. „Man ist nie unbehelligt, es gibt immer jemanden, der einen beobachtet. Da kann man sich noch so viele Gedanken machen“, betont er. Sollte es indes mal keine Zeugen geben, gehen die Beamten selbst auf Hinweissuche beim Abfall. „Die Kollegen machen auch Fotos und schauen, ob es sich um gefährliche Stoffe handelt. Sie müssen schnell abtransportiert werden, bevor sie in die Erde sickern“, weiß Gissing. Je umweltbelastender der Abfall übrigens ist, desto schwerer das Vergehen. „Bei Öl oder Asbest handelt es sich um eine Straftat, und das ist kein Kavaliersdelikt“, kann es laut Gissing schon ein dickes Bußgeld geben.

Ansonsten richtet sich die Strafe unter anderem danach, wie viel Abfall gefunden wurde. Bei kleineren Dingen kommen schon gern mal 50 Euro zusammen, bei größeren „kann es bis in die Tausende gehen“, versichert Gissing. Insbesondere werde gern Bauschutt - wie im Fall des Stuhrers - abgeladen oder andere Abfallsäcke oder Autoreifen oder, oder, oder. Von kuriosen Fällen können auch Matthias Kühnling und Dominik Albrecht von der AWG berichten. Während Kühling in seiner Zeit von Kühlschränken mitten im Wald und auf einer Wiese verstreute Asbestplatten berichtet, bekam Albrecht im Zuge der Umweltspaziergänge per Instagram einen Fund mitgeteilt: „In einem Waldstück in Eydelstedt stieß sie erst auf Unterwäsche und danach auf eine Hand, die aus dem Boden ragte. Nach dem ersten Schreck und einem zweiten Blick stellte sich dann heraus, dass es sich dabei um eine Gummihand einer Puppe handelte.“

Der AWG selbst wurden im vergangenen Jahr 85 „wilde Ablagerungen im Außenbereich“, wie es Albrecht formuliert, gemeldet. Laut Kühnling wird immer noch vieles illegal entsorgt, was der Bürger eigentlich kostenlos auf den Wertstoffhöfen oder an anderen Stellen abgeben kann - etwa Metallschrott oder Altglas. „Zudem verzeichnen wir eine Gewichtszunahme bei der Verpackungstonne“, lässt er wissen. Das liege unter anderem daran, dass falsch getrennt werde. Für das Jahr 2019 freuen sich die Verantwortlichen bei der AWG darüber, dass die Menschen im Landkreis Diepholz immer mehr trennen. „Die Sammelmenge an Bioabfällen erreichte mit 194 Kilogramm je Einwohner wieder einen Spitzenwert“, heißt es vonseiten der AWG. Insgesamt konnten 528 Kilogramm Abfall je Einwohner im Landkreis stofflich oder energetisch verwertet werden - wie etwa Bioabfall in der Trockenvergärungsanlage, woraus Biogas gewonnen wird.

Allerdings hat die Corona-Pandemie die Abfallzahlen „ordentlich durcheinandergewürfelt“, wie Albrecht angesichts von Lockdown und Homeoffice berichtet. So werde mehr Verpackungsabfall entsorgt. „Die Anteile an Zeitungen und Zeitschriften nehmen ab, dafür steigt der Anteil an Kartonagen. Dies ist auf den boomenden Internethandel zurückzuführen. Auch merkt man an der Zusammensetzung der Abfälle, dass die Produkte heute kurzlebiger designt und von minderwertigerer Qualität sind“, hat er beobachtet.

Für Kattau war es übrigens das erste Mal, dass so eine gewaltige Menge an Abfall auf einer seiner Flächen gelandet war. „Wir finden ansonsten täglich Müll“, erzählt er. Das Gefährliche sei, wenn Plastik in die Rundballen gerate. Wenn das Plastik übersehen werde, könne es so unbemerkt als Futter dienen. Und das kann gefährlich werden, da sich die Tiere daran verschlucken könnten. Er versteht nicht: „Die Kinder in der Grundschule sammeln schon den Müll auf, die können das doch auch. Warum nicht die Erwachsenen?“

Info

Zur Sache

Bilanz der Umweltspaziergänge

Bei den jüngsten Umweltspaziergängen, die quer im Landkreis Diepholz stattfanden, haben erstaunlich viele Menschen teilgenommen. „Zu den Aktionen haben sich 2400 Teilnehmer angemeldet, ihnen haben wir insgesamt 1900 Sammelsäcke, ferner Handschuhe und Greifzangen sowie als Dankeschön jede Menge kleine Präsente zur Verfügung gestellt. Angesichts der aktuell schwierigen Situation ist die Beteiligung ein tolles Ergebnis“, freut sich Dominik Albrecht von der AWG. 14 von 15 Kommunen hätten sich beteiligt.

Auch die Anzahl an Abfall, der gesammelt wurde, kann sich sehen lassen. „Genauere Angaben zu den gesammelten Abfällen können wir nur bei den Städten und Gemeinden machen, die einen Container von uns bestellt haben“, schränkt Albrecht ein. Bassum: 340 Kilogramm; Bruchhausen-Vilsen: 560 Kilogramm; Eydelstedt: 400 Kilogramm; Lemförde: 460 Kilogramm Asbest und 1610 Kilogramm sonstiger Abfall; Syke: 1870 Kilogramm; Twistringen: 720 Kilogramm; Wagenfeld: 530 Kilogramm; Weyhe 1340 Kilogramm. „Hinzu kommen geschätzt 15 bis 20 Tonnen Abfälle, die von den Teilnehmern entweder über den eigenen Restabfallbehälter entsorgt oder bei unseren Wertstoffhöfen abgegeben wurden“, berichtet der Öffentlichkeitsarbeiter.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+