Alte Oberförsterei Die Gemeinschaft zählt

Seit zwölf Jahren kümmert sich eine Gruppe von junggebliebenen Älteren unter anderem um die Pflege der Alten Oberförsterei in Neubruchhausen. Die Gruppe versteht sich untereinander glänzend.
23.06.2021, 17:21
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Die Gemeinschaft zählt
Von Tobias Denne

Bassum-Neubruchhausen. Punkt 10 Uhr hört Werner Albers auf, mit dem Rasentrimmer zu arbeiten. Erholung ist angesagt. "Die erste Hälfte ist geschafft, jetzt machen wir Pause", sagt Henrik Jeppesen. Immerhin scheint die Sonne an diesem Tag über die Alte Oberförsterei in Neubruchhausen. Jeppesen, Albers und ihre Kollegen nehmen auf der Rückseite des historischen Gebäudes bei der Sitzecke Platz und trinken ein bisschen was zum Erfrischen. Es ist das erste Mal, dass sie in dieser Größe wieder zusammenkommen dürfen. Insgesamt sind sie an diesem Tag zu siebt, eigentlich gehören acht zur Gruppe, die sich selbst spontan die jung gebliebenen Älteren nennt. Besser als die alt gebliebenen Jüngeren. Die Männer lachen. Sie verstehen sich gut.

"Wir wollten etwas für das Dorf tun", erzählt Hermann Kleinschmidt über die Anfänge ihrer Gruppe. Seit zwölf Jahren kümmert sie sich nun um die Grünanlagen in Neubruchhausen und um das, was gerade so anfällt. Im Moment steht Gartenarbeit an der Alten Oberförsterei an, ansonsten stellen sie aber auch den Weihnachtsbaum auf, hängen die Lichterkette ans historische Gebäude oder sorgen für gepflegte Blumenkübel, die man sieht, wenn man nach Neubruchhausen kommt. "Es gab damals keinen freiwilligen Arbeitsdienst. Mit einem kleinen Bericht wurden Leute gesucht", erinnert sich Kleinschmidt. Manche Ehrenämtler sind gekommen, manche schon wieder gegangen und "manche sind älter geworden", sagt Albers. Alle lachen. Schnell wird klar: Der Spaß gehört für die Männer zur Arbeit dazu.

Wir wollten
etwas für
das Dorf tun.
Hermann Kleinschmidt

Nicht nur die Arbeit bereitet den Freiwilligen Freude, "man erfährt immer wieder etwas Neues aus dem Dorf", sagt Andreas Gickel. Und Ewald Dannemann ergänzt lachend: "Dann hat man was zu erzählen, wenn man zu Hause gefragt wird." Sie hoffen, dass sie in diesem Jahr wieder ihr jährliches Grillen veranstalten können. Im vergangenen Jahr hat das aus bekannten Gründen nicht geklappt. Hin und wieder bekommen die Männer etwas Geld gespendet, "für die fleißigen Rentner", erzählt Kleinschmidt. Sie freuen sich über die Art der Anerkennung ihrer Arbeit. Das Geld fließt dann etwa in das Grillfleisch. "Wichtig ist das Gemeinschaftsgefühl", betont Albers. Henrik Jeppesen gefällt vor allem, dass untereinander Platt gesprochen wird. So wird die Sprache aus der Region noch lebendig gehalten. Auch, wenn er manche Gespräche nicht immer versteht. "Das ist dann gewollt", gibt Dannemann zu und lacht.

Alle zwei Wochen treffen sie sich (während der Corona-Pandemie häufig nur zu zweit) und tun etwas für den Ort. "Wir können nicht alles machen", gibt Kleinschmidt zu. Aber das, was sie können, das machen sie gern. Wie etwa das Gras um die Bäume mähen, wo der Mähtraktor der Stadt Bassum nicht hinkommt, Papierkörbe neu aufstellen, Beete reinigen, sich um die 18 Bänke in Neubruchhausen kümmern, die Fensterläden an der Alten Oberförsterei streichen. Es kommt bei den Sieben schon einiges zusammen an Arbeit. "Wir wollen, dass das, was so aufwendig restauriert wurde, erhalten bleibt", sagt Kleinschmidt.

In wenigen Tagen findet nach langer Pause wieder eine Hochzeit in dem historischen Gebäude statt, kein Wunder, dass die jung gebliebenen Älteren vorher noch mal klar Schiff machen. Gerade jetzt, wenn die Natur nach den kalten Monaten richtig durchstartet, ist viel zu tun. Die Schubkarre ist noch voll von gemähtem Gras, auf einigen Wegen liegen kleine Haufen. Das wird nach der Pause sauber gemacht. Jetzt genießen die Männer erst einmal ihr Getränk und den Schnack zwischendurch.

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