Verhaltenstrainer aus Bassum gibt Tipps

Wie man seinen Hund auf Silvester vorbereiten kann

In weniger als einem Monat steht Silvester vor der Tür. Dann kann es durch Silvesterknaller sehr laut werden - viele Hunde haben in dieser Zeit Angst. Hunde-Verhaltenstrainer Volker Feser von Bassumdogs gibt Tipps gegen Silvesterstress.
02.12.2019, 17:26
Lesedauer: 4 Min
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Wie man seinen Hund auf Silvester vorbereiten kann
Von Tobias Denne
Wie man seinen Hund auf Silvester vorbereiten kann

Es gibt kein Allheilmittel gegen die Angst, sagt Volker Feser vom Hundezentrum Bassumdogs. (Symbolbild)

Julian Stratenschulte/dpa

Herr Feser, warum ist es wichtig, seinen Hund auf Silvester vorzubereiten?

Volker Feser: Der Hund hat in diesem Moment richtig Stress. Das ist wie beim Menschen, wenn er zum Beispiel Angst vor Spinnen hat. Aber es ist schwierig, einen erwachsenen Hund an Silvester zu gewöhnen. Wenn er schon ein Angstverhalten hat, entweder zu Silvester oder generell, dann ist es meistens fast unmöglich, das abzubauen. Daher sollte man, wenn man sich einen Welpen kauft, diesen mit der Hilfe einer Hundeschule schon sozialisieren.

Damit er mit anderen Hunden spielt?

Nicht nur. Zur Sozialisation gehören auch Umweltreize wie Geräusche, an die muss er sich gewöhnen. Das muss nicht unbedingt das Knallen von Feuerwerkskörpern sein, aber der Hund muss merken, dass es lauter werden kann. Wichtig ist, dass man beim Welpen die ersten 20 Wochen nutzt, damit der Hund in der sozialempfindlichen Phase lernt, neue Situationen und Eindrücke leichter zu ertragen. Während dieser Zeit ist der Hund sehr, sehr aufnahmefähig und ich kann als Halter sehr viel machen und ihm beibringen. Wenn ich das am Anfang mit der Erziehung versemmel, dann mache ich mir hinten heraus alles kaputt.

Wenn der Halter zu inkonsequent war, dann zieht sich das durch?

Genau. In der sozialempfindlichen Phase lege ich den Grundstein wie etwa für die Leinenführung und das Grenzensetzen und eben auch für Geräusche und neue Situationen. Wenn ich mir einen Hund zum Jahresende hole, dann sollte ich vielleicht nicht gerade Gassi gehen, wenn die Knallerei losgeht. Die Gefahr ist einfach zu groß, dass ich mit meinem Hund irgendwo langgehe, durch die Stadt zum Beispiel, und Kinder knallen schon. Wenn das Ding hinter dem Hund landet und es explodiert, dann ist das Thema durch.

Warum?

Der Hund kriegt einen Schreck und verknüpft das direkt mit Angst. Daher sollte man vorausschauender Gassi gehen. Man geht dorthin, wo es ruhiger ist. Als Halter muss ich ein wenig aufpassen. Denn für die Hunde ist Silvester Stress. Sie laufen unruhig durch die Wohnung, fangen an zu speicheln. Sie zeigen ein richtiges Angstverhalten. Ich habe bemerkt, dass das Angstverhalten zu Silvester bei manchen Hunden später aufkommt. Die ersten ein, zwei Jahre ist noch alles in Ordnung, dann verkriechen sie sich und ich als Halter habe die Probleme.

Der Verhaltensberater und Hundeerzieher Volker Feser betreibt in Bramstedt das Hundezentrum Bassumdogs.

Der Verhaltensberater und Hundeerzieher Volker Feser betreibt in Bramstedt das Hundezentrum Bassumdogs.

Foto: fr
Woran liegt das?

Das ist schwer zu sagen. Ich glaube nicht, dass es am Hund liegt. Ich könnte mir vielleicht vorstellen, dass die Leute lockerer mit Silvester und Hund umgehen. In den ersten Jahren passen sie auf und merken, dass nichts passiert, also nimmt man das Thema lockerer und es wird geknallt. Das ist aber auch nur eine Vermutung. Auch wenn ich einen Hund habe, der bislang entspannt war, muss ich immer noch vorsichtig sein und ein bisschen drauf achten.

Gibt es auch nach den 20 Wochen die Möglichkeit, meinen Hund auf Silvester vorzubereiten? An Lautstärke gewöhnen?

Sicherlich. Es ist wichtig, dass der Hund am Leben teilnimmt. Ich muss den Hund fordern als Halter. Einfach den Hund kaufen und dann ist gut, so darf es nicht sein. Ich habe auch Pflichten als Hundehalter. Was ich machen kann: Wenn ich merke, wie etwa bei Hunden aus Rumänien und anderen Ländern, dass sie auch vor Silvester schon mit Angst beispielsweise auf Autos reagieren, dann kann ich Rückzugsorte im Haus schaffen.

Das heißt?

Ich kann dem Hund antrainieren, dass er bei Stress in seine Box geht. Man kann noch eine Decke drüberlegen, weil Hunde gerne in Höhlen leben. Das muss nicht nur bei Silvester sein, auch zum Beispiel bei einem Kindergeburtstag. In seinem Rückzugsort ist er dann safe und keiner geht hin. Diese Orte suchen sich die Hunde auch selbst. Hinter dem Sofa, im Badezimmer, im Keller. Wenn wir in den Rückzugsort eindringen, dann bewegen wir uns im Bereich der unbewussten Bestätigung. Der Hund zeigt Angst, ich gehe hin und streichle ihn. Der Hund denkt dann, dass das, was er macht, gut ist. So verstärkt sich das Verhalten.

Sollte man auch vom Rückzugsort fernbleiben, wenn er bellt?

Bei Angst gibt es ja verschiedene Abstufungen. Einige sind das ganze Jahr unruhig, da hilft dann der Rückzugsort. Ich kann dem Hund aber auch mit nahrungsergänzenden Mitteln helfen oder – wenn es ganz schlimm ist – mit Psychopharmaka. So gibt es Hundehalsbänder, in dem das Pheromon der Mutterhündin künstlich nachgebildet ist. Dieser Geruch ist das erste, was der Hund in seinem Leben riecht. Durch die eigene Körperwärme löst sich der Wirkstoff und geht direkt ins Stammhirn. Der Hund hat dann das Gefühl: „Mutter ist da, alles ist gut.“ Das ist allerdings kein Wundermittel.

Weil man trotzdem trainieren muss?

Genau, ich muss das Halsband immer in Verbindung mit Desensibilisierung anlegen. Ich kann dem Hund, der Angst vorm Trecker hat, nicht einfach das Halsband anlegen und dann sind ihm Trecker plötzlich egal. Ich muss dennoch mit dem Trecker und dem Hund arbeiten. Aber es fällt etwas leichter. Das hilft aber nicht bei jedem Hund. Wenn es schwerer wird, dann gibt es andere Mittel wie Nahrungsergänzungsmittel.

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Was sollte man dagegen nicht tun?

Ganz klar: Dem Hund Schlafmittel geben. Denn dann ist er gefangen im eigenen Körper, weil die Geräusche hört er trotzdem. Er kann aber nicht abhauen oder etwas anderes machen. Das wäre nicht gut, vor allem, weil man als Halter sieht, dass der Hund ruhig schläft. Wenn es ganz schlimm ist, dann kann man sich Hilfe beim Arzt holen. Allerdings muss man vorher wissen, wie stark oder leicht die Angst ausgeprägt ist.

Hängt das mit der Rasse des Hundes?

Nein, an den Vorerfahrungen. Entweder wegen etwas, was der Hund erlebt hat, oder weil auch die Mutterhündin schon ängstlich war – ich sage immer: Angst gibt‘s schon mit der Muttermilch. Je nach Charakter ist so eine Angst auch unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt kein Allheilmittel gegen die Angst. Wichtig ist, dass ich mich mit meinem Hund beschäftige.

Das Gespräch führte Tobias Denne.

Info

Zur Person

Volker Feser

betreibt in Bramstedt das Hundezentrum Bassumdogs. Der Verhaltensberater und Hundeerzieher spricht im Interview über Angstverhalten von den Vierbeinern vor Silvester und was man dagegen tun kann

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