Geschäftsbericht

Videopreisanzeigen in bunt

Intersign in Süstedt hat sich auf Leuchtbuchstaben und Leuchtsysteme spezialisiert. Das Unternehmen bietet auch eine besondere Neuheit: Eine Videopreisanzeige für Tankstellen.
27.01.2020, 17:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Ilias Subjanto
Videopreisanzeigen in bunt

Jürgen Strangmann führt das Unternehmen seit 1978. In seinem Büro hängt zu Präsentationszwecken eine Videopreisanzeige für Tankstellen.

Süstedt. Bei Jürgen Strangmann in Süstedt sind die Benzinpreise noch richtig günstig. Ein Liter Super kostet bei ihm 1,20 Euro, der Liter Diesel 32 Cent. Strangmann ist jedoch kein Tankwart – er ist Inhaber des Werbetechnik-Unternehmens Intersign.

Die erschwinglichen Benzinpreise leuchten in seinem Büro auf einer Videopreisanzeige für Tankstellen auf, die er zu Präsentationszwecken an die Wand gehängt hat. Die Besonderheit dieser LED-Anzeige: Nicht nur Kraftstoffsorten und Preise können dort in Farbe abgebildet werden, sondern auch Bilder jeglicher Art. Die Tankstelle könne so zum Beispiel Werbung für eigene Produkte und Dienstleistungen oder auch für die von ortsansässigen Unternehmen einblenden, erklärt Strangmann. Derartige Videowände sind vor allem aus Fußballstadien bekannt.

„Diese Videopreisanzeige ist bundesweit einzigartig“, betont der Geschäftsmann. Allerdings wartet er mit seinem Produkt noch auf den Durchbruch. Zwar gebe es in Deutschland eine Preisanzeigepflicht für Tankstellen, die Betreiber seien jedoch sehr zurückhaltend, was Neuerungen wie eine LED-Anzeige angeht, sagt er. Dabei gebe es bei seinen LED-Wänden keinen Preisunterschied zu herkömmlichen Preisanzeigen. Diese verkauft Strangmann ebenfalls mit seinem Unternehmen; die Auftragsbücher sind gut gefüllt, daher muss er sich auch keine Sorgen machen. „Leuchtbuchstaben und Leuchtsysteme – damit verdienen wir unser Geld“, sagt der Inhaber. Die Kundschaft stammt aus dem gesamten Bundesgebiet und aus dem EU-Ausland.

Angefangen hat alles im Jahr 1978. Der gelernte Werbetechniker Strangmann hatte in Bremen ein Kunststudium begonnen und wollte ursprünglich Grafikdesigner werden. Nebenbei half er im Baustoffhandel seines Vaters aus. „Das Unternehmen war leider nicht rentabel“, erzählt Strangmann heute. Als die geschäftlichen Probleme sich häuften, übernahm Strangmann den Betrieb kurzerhand von seinem Vater und brach dafür sogar sein Studium ab.

„Ich habe als Erstes den Baustoffhandel zurückgefahren und das Unternehmen zu einer Werbeagentur umgebaut“, sagt Strangmann. Von Baustoffen habe er nämlich keine Ahnung, vom werbetechnischen Bereich dafür umso mehr. Diesen Beruf habe er ja schließlich erlernt. Die ersten Werbeschilder entstanden dann in der Garage – von Hand, mit Pinsel und Malstock.

Strangmann bewies auch kaufmännisches Geschick, seine Werbeagentur entwickelte sich positiv. Ein neues Firmengebäude konnte in den 1980er-Jahren errichtet werden, und die Ställe für Schweine und Kühe des ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebs seiner Großeltern ließ er zu Produktionshallen ausbauen. Strangmann machte seinerzeit auch den Meisterbrief; damit konnte er seinen Betrieb als Unternehmen der Werbetechnik firmieren. „Das ging ohne Meistertitel nicht, weil es in diesem Gewerk damals noch die Meisterpflicht gab“, erläutert Strangmann.

Intersign sei stets mit der Zeit gegangen, hebt der Geschäftsführer hervor. Ende der 1980er habe man sich einen Plotter angeschafft, ein Ausgabegerät, das technische Zeichnungen und andere Vektorgrafiken auf verschiedenen Materialien darstellt. Der erste Computer kam Anfang der 1990er, ein Rechnernetzwerk zur Jahrtausendwende.

Heute zeichnet sich Intersign laut Strangmann durch eine große Bandbreite in der Fertigung aus: „Der Digitaldruck für den Außen- oder Inneneinsatz gehört ebenso zu unserem Gebiet wie die Aluminium- und Kunststoffbearbeitung in Zuschnitt und Verformung oder CNC-Fräsung“, so der Inhaber. Und als Nächstes wolle man sich einen 3D-Drucker zulegen.

Im kleineren Rahmen bietet das Unternehmen auch Dienstleistungen und Produkte im Digitalprint-Bereich an, beispielsweise hochwertige Visitenkarten. Dabei steht Intersign laut Strangmann im harten Wettbewerb mit den großen Anbietern im Internet. „Das ist ein reiner Verdrängungsmarkt, dem viele Arbeitsplätze zum Opfer fallen“, äußert sich der Geschäftsführer nachdenklich.

Acht Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, das Strangmann gemeinsam mit seinem Bruder Reinhold führt. „Alleine ist das alles nicht zu stemmen“, sagt der Inhaber. Zeitweise hat der Betrieb auch ausgebildet: Mediengestalter Digital und Print. Ein Ausbildungsberuf, der bei der Industrie- und Handelskammer geprüft werde, wie Strangmann unterstreicht. Das sei zwar auch bei der Handwerkskammer möglich, mit der habe er aber keine guten Erfahrungen gemacht.

Es werde immer schwieriger, geeignete Auszubildende, aber auch ausgelernte Fachkräfte zu finden, beklagt der Geschäftsmann. Einen qualifizierten Schilder- und Lichtreklamehersteller, wie der Beruf des Werbetechnikers heute heißt, würde er sofort einstellen.

Das 60. Lebensjahr hat der Inhaber bereits überschritten, an einen Ruhestand denkt er bislang jedoch noch nicht. „Die häufigste Todesursache ist ja die Pensionierung“, sagt er und lacht.

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