Netzwerk Churchpool nimmt Beginn in Stuhr Kirche auf neuen Kommunikationswegen

In der Kirchengemeinde Stuhr hat die App Churchpool ihren Anfang genommen, inzwischen sind seit Ende 2020 mehr als 60 Kirchengemeinden in dem in Bremen entwickelten sozialen Netzwerk registriert.
07.04.2021, 17:27
Lesedauer: 3 Min
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Kirche auf neuen Kommunikationswegen
Von Alexandra Penth

Stuhr/Delmenhorst. Soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram und Kurznachrichtendienste wie Whatsapp sind für viele Nutzer inzwischen selbstverständliche Kommunikationsmittel. Mit Churchpool steht nun auch dem kirchlichen Leben seit Dezember 2020 ein eigenes Netzwerk zur Verfügung. Entwickelt haben die App Nils Bischoff und Bela Janauschek. „Kirche muss sich nicht neu erfinden, sondern neu kommunizieren“, sagt Bischoff (26), der seit Langem der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Stuhr um Pastor Robert Vetter verbunden ist. Dort sei die App auch gestartet.

Kennengelernt haben sich die Gründer während ihres Wirtschaftswissenschaftsstudiums an der Bremer Jacobs-Universität. Bela Janauschek (25) ist zudem Mitglied einer katholischen Kirchengemeinde in Bremen, weshalb die App Churchpool von Beginn an ökumenisch konzipiert sein sollte. Mehr als 60 Kirchengemeinden sind bereits registriert. Neben der Stuhrer und Varreler Kirchengemeinde sind auf der Plattform beispielsweise auch die Delmenhorster Stadtkirche und die Kirchengemeinde St. Stephanus aus dem gemeinsamen kirchlichen Entwicklungsraum vertreten.

Erhältlich ist Churchpool kostenlos im App-Store und bei Google Play. Zuerst wird ein Nutzerprofil erstellt, dann eines für die eigene Kirchengemeinde. „Wir verifizieren dann, ob diese auch existiert“, erklärt Janauschek. Neuigkeiten einer Kirchengemeinde können per Push-Nachricht an die Nutzer versandt werden. Über die Plattform können auch Livestreams verfolgt und Veranstaltungen angekündigt werden. Außerdem können sich innerhalb eines Kirchen-Profils einzelne Gruppen zusammenschließen, ähnlich wie bei Whatsapp. Die Teilnahme wird per Zulassung durch einen Administrator geregelt. Über die Suchfunktion der App können auch Gruppen aus anderen Kirchengemeinden gefunden werden. Auf diesem Weg ist beispielsweise ein Kirchenmitglied aus Dötlingen zur Pilgergruppe dazugestoßen, die eigentlich zur Kirchengemeinde Varrel gehört. „Der hätte uns ohne die App womöglich nicht gefunden“, sagt die Varreler Pastorin Eike Fröhlich.

Mithilfe der App, für die es auch noch eine Webversion geben soll, können Kirchengemeinden auch den Jugendlichen einen Kommunikationsraum zur Verfügung stellen. „Für die Konfi-Gruppen ist das echt ein Gewinn“, sagt etwa Nele Schomakers, Pastorin in St. Stephanus. Ausgehend von der eigenen Kirchengemeinde könne sich der einzelne auch bei anderen Kirchengemeinden umsehen. Je größer das Netzwerk, desto mehr profitieren davon, sagen die Gründer des Programms. Die Idee war vor etwa zwei Jahren entstanden, die Umsetzung hat weniger als ein Jahr gedauert. Das technische Wissen, sagen Bischoff und Janauschek, haben sie in ihrem fächerübergreifenden Studium erlernt. Drei Entwickler und eine Werkstudentin stehen derzeit gemeinsam mit ihnen hinter dem Projekt. Bisher sind Kirchengemeinden aus neun Bistümern und Landeskirchen Teil der App, die es auch in englischer Sprache gibt, registriert.

Noch ist Churchpool kostenlos, auf längere Sicht sollen Kirchengemeinden aber ein Abonnement abschließen aufgrund der Entwicklungskosten. „Man kann jetzt starten und sich dann immer noch überlegen, ob man dafür bezahlen möchte. Jetzt kann man beim Aufbau mithelfen“, sagt Robert Vetter. Die Vorzüge der Kommunikation über Churchpool hebt auch Thomas Meyer, Pastor in der Delmenhorster Stadtkirche, hervor. In seiner Kirchengemeinde kommunizieren Eltern von Kita-Kindern teilweise über die App und stehen dort mit den Erziehern in Kontakt. „Wir konnten sie so in einen Kommunikationsprozess mit der Kirche bringen“, hebt Meyer hervor, der die App beschreibt als: „Wir gucken über den eigenen Kirchturm“.

Werbung soll es auf der Plattform grundsätzlich nicht geben. Persönliche Daten der Nutzer zu Geld zu machen, widerspreche dem kirchlichen Gedanken, sagen Bischoff und Janauschek. Die Daten bleiben auf deutschen Servern. Die Moderation in den Gruppen übernehmen die jeweiligen Administratoren, die unangemessene Nachrichten auch löschen können. Die gängigen modernen Kommunikationskanäle sind von Datenschützern der Bistümer und Landeskirchen bislang abgelehnt worden, so die Churchpool-Gründer. Nun aber haben sie einen eigenen Weg gefunden. Ihr erklärtes Ziel: „Wir wollen die Transparenz erhöhen und die Gemeinschaft anregen.“

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