Romantik-Konzert in Bassum Einfach lauschen

Eine Woche hat das Alsfelder Vokalensemble in der Bassumer Freudenburg geprobt. Zum krönenden Abschluss sang der Chor in der Stiftskirche sein Programm „Romantik pur“.
05.11.2017, 17:59
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Von Dorit Schlemermeyer

Bassum. „Eigentlich wollte ich das Konzert moderieren, aber vielleicht lauschen Sie einfach nur.“ Mit diesen Worten begrüßte der künstlerische Leiter Jan Hübner am Freitagabend die Gäste in der Bassumer Stiftskirche. Die konnten in den nächsten anderthalb Stunden ein Konzert erleben, das der Romantik gewidmet war. „Wie lieblich sind deine Wohnungen“, eine Komposition von Friedrich Kiel, machte den Anfang. In der Kirche wurde es still, als das zwanzigköpfige Alsfelder Vokalensemble die ersten Töne hören ließ, die in den Himmel hinauf zu steigen schienen. Die Sänger ließen die Zuhörer teilhaben an einem ergreifenden Klangerlebnis. Die Stimmen verliehen den Liedern emotionale Ausdruckskraft, eine Kraft – die alle Zuhörer in ihren Bann zog und die Stille in der Kirche anhalten ließ.

Ebenso bei den Liedern von Johannes Brahms, die die Zuhörer mitnahmen in eine Waldesnacht. „Waldesnacht, die wunderkühle, die ich tausend Mal grüß“, lautet der romantische Text von Paul Heyse. „Nun stehen die Rosen in Blüte, all meine Herzgedanken“, waren weitere Zeilen, die dem romantischen Gedanken huldigten. Ausdrucksstark und individuell mit ganz eigener unverwechselbarer Klangfarbe präsentierte sich das Alsfelder Vokalensemble.

1971 unter Leitung von Professor Wolfgang Helbich gegründet, erschuf das Ensemble von Anfang an einen eigenen „Alsfelder Chorklang“, der sich "durch hohe Transparenz, Intonationsreinheit und Homogenität auszeichnet", heißt es auf der Internetseite. Als Nachfolger von Helbich agierte Jan Hübner am Freitagabend mit engagierten Einsatz. Er gab an der Truhenorgel den richtigen Ton an und ließ den Chor sozusagen das „Beste“ singen, das die Komponisten und Dichter der Romantik der Chormusik hinterlassen hatten. Nach weiteren Werken von Kiel – „Die mit Tränen säen“ sowie „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal" – folgten sechs Lieder „Im Freien zu singen“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die vom ersten Takt zeigten, wie intensiv sich der Komponist mit den Naturphänomenen auseinandergesetzt hat.

Klar, filigran, dramaturgisch spannend und fein nuanciert erklangen die Lieder dank des Chors, der nach einer kurzen Pause noch einen weiteren Komponisten zu bieten hatte: Joseph Gabriel Rheinberger. Auch er schuf Kompositionen, die besondere Atmosphären in der Natur wiedergaben, wie die des Abendfriedens oder des Waldmorgens. Sehr berührend auch das Lied „Verlust“ über eine Nachtigall. Das Konzert endete, wie es begonnen hatte: mit Friedrich Kiel und seinem: „Wie lieblich sind deine Wohnungen“. Und endlich durften die Zuhörer ihre Anerkennung zollen und taten das mit lang andauerndem Beifall, der den Chor zu zwei Zugaben veranlasste

„Ein wunderschönes Konzert“, wurde Jan Hübner im Anschluss von vielen Gästen bescheinigt. „Das Konzert haben wir in dieser Woche erarbeitet“, meinte der künstlerische Leiter und fügte lächelnd hinzu: „Ich habe einfach das Schönste aus unserem Repertoire ausgesucht.“ Vor zwei Jahren sei der Chor schon mal für eine Probenwoche in der Freudenburg gewesen. „Die Atmosphäre und liebevolle Bewirtung haben uns so gut gefallen, dass wir wiederkommen wollten“, schildert Hübner seine Motivation für den erneuten Besuch Bassums. Außerdem habe die Kirche die absolut beste Akustik zwischen Ems und Elbe.

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