Kreismuseum Syke

Lebendiges Museum mit Goldglanz

Die Eröffnung des neuen Anbaus für den Gesseler Goldhort musste aufgrund von Corona auf den 2. Oktober verschoben werden. Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler verschaffte sich schon mal einen Einblick.
05.06.2020, 17:17
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Von Sarah Essing
Lebendiges Museum mit Goldglanz

Björn Thümler (zweiter von links) ließ sich von Museumsleiter Ralf Vogeding das Konzept des Anbaus erklären.

Michael Braunschädel

Die Eröffnung des neuen Anbaus für den Gesseler Goldschatz im Kreismuseum Syke musste wegen Corona auf den 2. Oktober verlegt werden. Björn Thümler schaute dennoch schon mal vorbei. Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur wollte sich einen Eindruck vom Stand der Arbeiten verschaffen. Nach der Begrüßung durch Landrat Cord Bockhop und CDU-Landtagsabgeordneten Volker Meyer führte Museumsleiter Ralf Vogeding den Gast aus Hannover durch die Dauerausstellung mitten hinein ins Herz des neuen „Schmuckkästchens“.

So richtig schmuck wirkt es auf den ersten Blick allerdings noch nicht. Kahle Wände und Böden begrüßen den Kulturminister. Werkzeug und Kisten voller Schrauben liegen auf dem Boden, Kabel ragen aus den Wänden, den Vitrinen in den Wänden und den Regalen fehlen noch Scheiben. Von den Fundstücken, die hier den Besuchern präsentiert werden sollen, ist noch keine Spur zu entdecken. Stattdessen liegen dort Baupläne und Skizzen, die verraten, dass hier noch fleißig gearbeitet wird. Doch unwillkürlich führt der Blick gen Decke, die sich meterhoch erstreckt, bis zu einem mittig eingelassenen Fenster. „Genau unter das Oberlicht kommt die Vitrine mit dem Goldhort“, verrät Archäologin Nele Miethig, wissenschaftliche Volontärin im Kreismuseum, die gemeinsam mit Vogeding an der Konzeption gearbeitet hat. „Dieser kathedralenartige Charakter des Gebäudes zeigt die Wertschätzung, die der Landkreis dem Goldhort entgegenbringt“, fügt Bockhop hinzu.

Doch es ist nicht allein das Gold, das den Besuchern hier einen Einblick in die Vergangenheit geben soll. Auch die Ausgrabungsgeschichte wird mit 3D-Modellen, Zeichnungen und Bildern dokumentiert. Denn auch diese „Pipelinearchäologie“ sei „etwas ganz Besonderes“, wirft Ralf Vogeding einen Blick auf die besondere Entdeckungsgeschichte des Goldhortes, der 2011 bei Grabungen zur Nordeuropäischen Erdgasleitung in Gessel entdeckt worden war. Mit seinen 117 Fundstücken und einem Gesamtgewicht von 1,8 Kilogramm gehört der Schatz laut Experten zu den größten prähistorischen Goldhortfunden in Mitteleuropa. In weiteren Vitrinen werden weitere Fundstücke aus der Bronzezeit den Goldhort zudem in einen größeren Zusammenhang stellen. „Es geht um mehr als das Anschauen eines Goldstücks“, erläutert Vogeding. „Hier kann man den Raum und die Zusammenhänge erleben.“ Das Kreismuseum habe sich stets als lebendiges Museum verstanden. Das soll auch weiterhin so bleiben. „Das ist kein Endpunkt, sondern ein Beginn“, unterstreicht Vogeding.

Wie das genau gemeint ist, versteht man am besten eine Etage tiefer. Während in den Ausstellungsräumen sparsam mit dem für die Fundstücke schädlichen Tageslicht umgegangen wird, sorgen dort zahlreiche Fenster für Ein- und Ausblicke ins umgebende Grün. Der Anbau ist eingebettet in die Umgebung. Jene Umgebung, durch die vor 3300 Jahren diejenigen streiften, die den Schatz vergruben. Mehr über sie, den Goldhort, aber auch die Arbeit der Archäologen können die Besucher dort künftig erfahren. Neben einem kleinen Café und einem Raum, der auch für Veranstaltungen gemietet werden kann, erwartet sie dort ein „Mitmachlabor“. „Aus den Fächern der Regale können sich Besucher Kartons rausnehmen und Funde dann selbst untersuchen“, verrät Nele Miethig. Auch für Schulklassen ist Platz. „Ich freue mich schon darauf, wenn hier die ersten Wissenschaftler im Werden sind“, zeigt sich Sykes stellvertretende Bürgermeisterin Edith Heckmann begeistert von diesem Konzept.

Auch Björn Thümler ist angetan von diesen Mitmachaktivitäten. Bisher habe er den Anbau und das dafür entwickelte Konzept nur auf dem Papier gesehen, aber „vor Ort überzeugt das noch mehr“, sagt er. Es habe auch sein Gutes, wenn manches etwas länger dauert, wenn dann dabei etwas so gut durchdachtes herauskommt. Der Kulturminister versicherte zudem, dass Teile des Hortes immer in Syke zu sehen sein werden. Beginnend mit der Eröffnung, die nun für den 2. Oktober geplant ist, wird er zunächst einmal für sechs Monate sogar vollständig in der Hachestadt zu sehen sein. Und damit die Vitrinen nicht leer bleiben, wenn die Fundstücke zur wissenschaftlichen Untersuchung in Hannover sind, werden Repliken gefertigt.

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