Sozialausschuss Gemeinsam eine Heimat schaffen

Das Image der Berliner Straße ist schlimmer als die Realität. Tatsächlich tut sich was, und zwar gemeinsam mit den Bewohnern, wie der Sozialausschuss der Stadt Syke jetzt zu hören bekam.
18.02.2022, 17:00
Lesedauer: 3 Min
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Gemeinsam eine Heimat schaffen
Von Sarah Essing

Syke. Zur neuen Ratsperiode wurde der Ausschuss für Soziales und Integration ins Leben gerufen. Zur ersten Sitzung des neuen Syker Gremiums konnte Ausschussvorsitzende Isabell Jagst (SPD) die Mitglieder am Donnerstagabend jedoch zunächst nur online begrüßen – coronabedingt. Dann ging es jedoch gleich in medias res und die Mitglieder wurden über ein Projekt informiert, das seit zwei Jahren läuft, wenn auch – ebenfalls coronabedingt – etwas eingeschränkter als ursprünglich geplant: das Projekt "Beteiligung und gesellschaftliche Integration in Syke". Was sich dahinter verbirgt und zum aktuellen Stand berichteten Heike Wilhelm, kommissarische Leiterin des Fachbereichs II – Soziales der Stadt Syke, sowie die weiteren Beteiligten vom Diakonischen Werk des Kirchenkreises Syke-Hoya und vom Verein zur Förderung von Bildung (VFB) Salzwedel.

Vor zweieinhalb Jahren haben die Stadt Syke und die Diakonie in Sachen Quartiersarbeit im Bereich Berliner Straße 1 bis 35 beschlossen, im Rahmen eines Projekts die Themen gesellschaftliche Integration und Beteiligung in Syke aufzuarbeiten und dazu auch Fachwissen einzuholen. Die Wahl für letzteres sei auf das Kompetenzzentrum VFB Salzwedel gefallen, das bereits viele Kommunen zu den verschiedensten Themen beraten hatte, führte Heike Wilhelm in das Thema ein. Im vergangenen Jahr sei mit dem sozialpsychiatrischen Dienst der AWO, Trialog, zudem noch ein weiterer Akteur hinzugekommen. Ziel des Projektes sei es, gemeinsam mit allen Bewohnern und Aktiven in diesem Bereich "das Zusammenleben zu gestalten", führte sie aus.

Dazu führte der VFB Salzwedel in den vergangenen zwei Jahren zunächst eine systemische Situations- und Konfliktanalyse durch. "Wir haben viele Gespräche geführt, um ein Bild zur Gesamtlage zu erhalten", berichtete Anne Dirnstorf vom VFB. Das sei schon sehr weit vorangeschritten, sei aber auch noch nicht abgeschlossen, sondern ein laufender Prozess. Dabei habe sich ein durchaus positives Bild von Syke ergeben. So konnten Dirnstorf und ihr Kollege Johannes Hoppe keine eskalierten Konflikte feststellen, Syke werde als eine Stadt mit hoher Lebensqualität wahrgenommen und es gebe eine große Offenheit, "was das Bearbeiten schwieriger Themen angeht." Als Knackpunkte werden hingegen die unterschiedlichen Erwartungen der verschiedenen Beteiligten aufgezeigt. "Erwartungen können nicht immer erfüllt werden", machte Hoppe in seinem Resümee deutlich. Das kann auf allen Seiten zu Frustration führen. Des Weiteren sei das Bild, das mancherorts über die Berliner Straße existiere, schlichtweg nicht vereinbar mit der Realität. Das negative Image zeige jedoch Wirkung, auch bei den Menschen, die dort wohnen. Um eine Besserung zu erreichen, brauche es jedoch die Zusammenarbeit aller Akteure.

Dabei spiele immer wieder eine konstruktive Kommunikation eine große Rolle, attestierte auch Marlis Winkler, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks. "Diese zu strukturieren, wird als eine Aufgabe angesehen", teilte sie daher mit. Dazu zähle auch, dass die Diakonie stets das Ziel verfolge, die Menschen zu befähigen, für sich und ihre Interessen einzustehen. Das sei nicht so einfach, wie sich das vielleicht anhöre, konnte auch Kirchensozialarbeiterin Katrin Moser bestätigen. "Viele, mit denen wir gesprochen haben, kennen das gar nicht, dass sie nach ihrer Meinung gefragt werden", sagte sie. Dabei gehe es bei diesem Projekt auch um "Beheimatung", darum sich im Quartier wohlzufühlen und sich dafür einzusetzen.

Das Projekt wird fortgeführt. Gefördert wird es bis zum 31. Dezember 2024 durch das Programm "Gute Nachbarschaft" des Landes Niedersachsen. Man sei inzwischen in der dritten Phase, in der Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden, konnte Anne Dirnstorf bekannt geben. Dazu gehören die weitere Kontaktpflege durch die Kirchsozialarbeiterinnen Katrin Moser und Ann-Christin Leymann. Sie haben bisher zum Beispiel mit Bewohnern aus dem Quartier einen Ausflug unternommen, eine Frauengruppe traf sich regelmäßig und zu Nikolaus wurden kleine Überraschungen für den Nachwuchs verteilt. "Das wurde gut aufgenommen", freut sich Ann-Christin Leymann. Sie musste allerdings auch einräumen, dass durch die Corona-Pandemie nicht alles, was angedacht war, stattfinden konnte. Das soll in diesem Jahr anders werden. Darum wurden als weitere Ziele unter anderem die Schaffung eines Bewohnerforums, eine Begehung der Aufenthaltsflächen und die gemeinsame Gestaltung eines Treffpunkts im Quartier gesetzt. "Wir möchten alle Menschen dort ansprechen", unterstrich Ann-Christin Leymann. Derzeit sei deshalb auch ein Nachbarschaftsfest in Planung, das im Sommer stattfinden soll. Weitere Ideen werden in Treffen einer geschaffenen Arbeitsgruppe konkretisiert, stellten die Beteiligten in Aussicht. Dazu gab es als Anregung seitens des Ausschusses noch den Hinweis, dass auch der Behinderten-, der Integrations- und der Seniorenbeirat ruhig dabei sein sollten.

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