Männerchor Eintracht Weyhe Das nächste Ziel ist Leipzig

Der Männerchor Eintracht Weyhe plant eigentlich nicht so gerne weit in die Zukunft, eine große Veranstaltung steht für 2020 aber dennoch bereits fest: Die Gruppe tritt beim Deutschen Chorfest auf.
10.05.2019, 16:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Stephen Kraut

Weyhe-Kirchweyhe. Chöre gibt es viele in der Region, und fast alle haben das Problem, neue Mitglieder zu finden. Beim Männerchor Eintracht Weyhe ist das nicht anders. Und aufgrund der Tatsache, dass Frauen dort nicht mitsingen, ist es in der Theorie sogar noch ausgeprägter als bei anderen Gesangsformationen. Trotzdem blicken die Verantwortlichen optimistisch in die Zukunft und planen, entgegen ihrer normalen Vorgehensweise, sogar bereits weiter als sonst. Denn der Männerchor will beim Deutschen Chorfest, das vom 30. April bis zum 3. Mai 2020 in Leipzig stattfindet, mitsingen.

Das Reisen gehört bereits seit langem zu der Formation. Dreimal waren die Sänger schon in Lettland, in Aachen sind sie aufgetreten, auch in der Dresdner Frauenkirche war der Chor bereits zu Gast, wie dessen Vorsitzender Fred Menzler berichtet. „Es war ziemlich voll dort“, erinnert er sich, fügt aber schmunzelnd hinzu: „Im Anschluss gab es einen Gottesdienst, es lag wohl daran.“ Dennoch sei es eine schöne Erfahrung gewesen.

Nun soll Leipzig hinzukommen. Die vom Deutschen Chorverband organisierte Veranstaltung findet im Vier-Jahres-Rhythmus statt und steht Chören und Vokalensembles aller Genres und Besetzungen offen. Ein Teil des Ganzen zu sein, sei dennoch „eine große Sache“, erklärt Menzler. Wobei er einräumt: „Wir werden wohl nicht auf einer der großen Bühnen auftreten.“ Vielmehr kann sich der Vorsitzende ein Konzert in einem der Seniorenwohnheime vorstellen, die ebenfalls als Spielorte bereitstehen. Die Organisation obliegt aber dem Deutschen Chorverband.

Die Vorfreude der Chormitglieder scheint das nicht zu trüben: „Es haben sich so viele angemeldet, dass wir drei auf die Warteliste setzen mussten“, berichtet Menzler von dem Interesse aus den eigenen Reihen. Mit 46 Personen – inklusive einigen Ehefrauen zur Unterstützung – geht es somit nach Sachsen. Diese Reise stellt auch auf andere Art und Weise etwas Besonderes für den Männerchor dar. „Normalerweise planen wir nicht so weit für die Zukunft, aber bei so einer großen Veranstaltung ist das anders nicht möglich“, erklärt der Vorsitzende. Aufgrund des Alters vieler Sänger sei das zwar immer mit einem gewissen Risiko behaftet, „aber absagen kann man schließlich auch noch“, fügt der 74-Jährige hinzu. Ganz ohne Sorgen ist aber auch der Männerchor nicht, wie die Leiterin und Dirigentin Anita Balode-Butt erklärt. Denn auch dort sind neue Mitglieder gern gesehen. „Viele sagen, wenn sie bei uns mitmachen: ‚Wäre ich bloß eher hergekommen‘“, erzählt sie. Menzler ergänzt: „Die meisten schließen sich nach dem Eintritt in die Rente an.“ Rund 30 Sänger gehören derzeit zum Chor, „wir waren schon 45“, weiß Menzler zu berichten. Die Zahl sei allerdings auch schon auf unter 30 gesunken, gibt Balode-Butt zu bedenken.

Aber auch abseits der Mitgliederzahlen hat der Chor schon einiges erlebt. Einer der beiden Vorgängervereine des Männerchores Eintracht Weyhe ist laut Menzler bereits im Jahre 1876 gegründet worden: der Männergesangsverein Eintracht Sudweyhe. Dieser schloss sich am 1. Januar 1971 mit dem Männerchor Kirchweyhe zusammen. Viel Tradition also, doch Menzler sieht die Gruppe trotzdem breit aufgestellt. „Wir sind sogar im Internet vertreten“, nennt er einen Aspekt. Ansonsten achte man auch beim Repertoire darauf, den Geschmack der Musiker wie der Zuhörer zu treffen. „Dazu gehören auch Stücke aus den 1970er- und 1980er-Jahren“, sagt der Vorsitzende. Wichtig sei vor allem aber auch die Gemeinschaft. „Wir absolvieren immer wieder Ausflüge, im Mai geht es zum Beispiel zu einer Besichtigung nach Bremerhaven“, berichtet er.

Das Wichtigste ist aber natürlich die Musik. „Etwa einmal im Monat haben wir einen Auftritt“, sagt Balode-Butt. Dazu würden verschiedene Veranstaltungen gehören, öffentliche Feste ebenso wie Geburtstage und Beerdigungen. Auch Konzerte mit anderen Chören, etwa dem der Landfrauen Syke, bei dem Balode-Butt ebenfalls als Dirigentin wirkt, finden immer wieder statt. Aus dem Männerchor eine gemischte Gruppe zu machen, ist für die Verantwortlichen bei der Eintracht aber derzeit kein Thema.

Und obwohl sie eigentlich nicht so weit vorausplanen, betont Menzler mit Blick auf die Zukunft des Männerchores: „Für die nächsten fünf Jahre bin ich optimistisch.“ Damit verbunden ist dann auch sein einziger Wunsch für die Gruppe: „Jedes Jahr zwei neue Sänger wären schön“, formuliert es der 74-Jährige. Vielleicht sogar bereits ab einem Alter von 50 Jahren. Weitere große Pläne nach Leipzig gibt es aber noch nicht, so Menzler. „Vielleicht fahren wir noch einmal nach Aachen, aber das muss man sehen“, sagt er. Nun steht aber erst einmal das Chorfest an. Und damit verbunden weitere besondere Erfahrungen für den traditionsreichen Chor.

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