Fußball Jens Ruscher vom TSV Melchiorshausen ist der Derby-Experte

Der Torhüter hat sieben der acht Derbys zwischen Melchiorshausen und Weyhe mitgemacht. Das 4:1 war sein höchster und zugleich sein süßester Sieg.
19.10.2020, 16:29
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Von Thorin Mentrup

Sein siebtes Pflichtspielderby gegen den SC Weyhe war definitiv eines der schönsten. Daraus macht Jens Ruscher keinen Hehl. Der Keeper des Fußball-Landesligisten TSV Melchiorshausen hat mit seinen Mitspielern und den Verantwortlichen des Klubs den 4:1-Sieg über den Nachbarn aus der Gemeinde in vollen Zügen genossen. „Im Rahmen dessen, was erlaubt war, haben wir das Maximum herausgeholt“, beschreibt er die Stunden nach dem Erfolg lachend. Vor der Kabine lief lange Musik, danach zogen die Blau-Weißen weiter in die Vereinskneipe und selbst auf dem Weg nach Hause hallte durch den Abend noch das eine oder andere „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!“

Ein erfahrener Recke wie Ruscher weiß: „Solche Siege musst du genießen.“ Das taten die Melchiorshauser voller Euphorie. Selbst der Sonntagnachmittagsplausch auf dem Sofa beim Fußballgucken mit seinem Mitspieler und guten Freund Jan Schmötzer drehte sich ums Derby. „Dass es so klar wird, hätte ich nicht gedacht“, blickt der 36-Jährige noch einmal auf das Duell zurück. Er hatte im Tor relativ ruhige 90 Minuten. Als er in der Anfangsphase doch einige Male im Mittelpunkt stand, war er zur Stelle, parierte unter anderem ganz stark gegen Dennis Rohmeyer und verhinderte so die Führung der Gäste. „Für einen Torwart ist es immer schön, wenn man mit der ersten Aktion direkt im Spiel ist. Das ist auch für den Kopf ganz wichtig“, sagt Ruscher.

Das gilt insbesondere für das Derby. „Wir hatten schon vorher ein gutes Gefühl“, hatten er und seine Mitspieler bereits in der Trainingswoche gespürt, dass im Nachbarschaftsduell etwas gehen würde. Das 0:8 beim VfL 07 Bremen steckten die Melchiorshauser sehr gut weg. Vielleicht war das sogar ein Kick Extramotivation.

Wie viel das Nachbarschaftsduell nicht nur Ruscher, der als Spieler und Trainer selbst eine Weyher Vergangenheit hat, sondern auch seinen Mitspielern bedeutet, weiß der Torhüter nur zu gut. „Da geht es für alle um ein bisschen mehr.“ Diese Motivation habe er die ganze Woche über gespürt. So bissen selbst die angeschlagenen Lucas Heinemann, der gleich zwei Tore erzielte, und Jan Schmötzer auf die Zähne. Dieser absolute Wille habe sich auf den Platz übertragen, findet Ruscher: „Wir wollten den Sieg einfach einen Tick mehr als Weyhe.“

Vor dem wichtigen Duell hatte sich der Derby-Experte – in beiden Lagern hat kein Akteur in den Duellen seit der Jahrtausendwende häufiger auf dem Platz gestanden als er – der jungen Spieler im Aufgebot angenommen. Aus gutem Grund: „Man muss verstehen, dass es auch für so ein Spiel nur drei Punkte gibt. Das Derby ist wichtig, aber man darf auch nicht überdrehen. Wenn man zu viel will, kann das ganz schnell zu Fehlern führen“, erklärt er. Das brachte er unter anderem den Nienstermann-Zwillingen Kevin und Marvin nah, die in Weyhe Jugendtrainer sind und deren Bruder Enrico beim SC spielt, aber auch Nils Kaiser vor dessen Ansprache vor der Partie. „Er sollte schon Gas geben, aber nicht zu viel. Das hat er dann super gemacht und die richtigen Worte gefunden“, lobt der ruhende Pol Ruscher den Kapitän. Ohnehin habe er sich am meisten für die jungen Spieler gefreut. „Für ganz viele im Kader war es das erste Derby. Das ist dann noch etwas spezieller als für die Erfahreneren“, weiß er.

Es passte einfach im Melchiorshauser Lager – auch dank Ruscher, der eine entspannte zweite Hälfte erlebte. Wenn ihm das Spiel der Seinen zu sehr dahinplätscherte, wurde er etwas lauter. Diese Phasen gab es allerdings kaum. Dafür trat der TSV zu konzentriert auf. „Jetzt haben wir bis zum Rückspiel Ruhe im Dorf, auch wenn Weyhe noch vor uns steht“, flachst der Schlussmann. Sein TSV hat den Gästen die Grenzen aufgezeigt und die Kräfteverhältnisse in der Gemeinde bis zum Wiedersehen deutlich gemacht.

Ob der Derbysieg ein Erfolg mit Langzeitwirkung ist, „das wird man am Sonntag in Surheide sehen“, blickt Ruscher voraus auf das Duell beim Landesliga-Spitzenreiter. Auch dort will er seinen Mitspielern mit Leistung helfen. „Ich habe noch ein bisschen was im Tank“, ist er noch nicht fußballmüde. Aus Erfahrung weiß er, dass jetzt bereits das nächste Spiel wieder das wichtigste ist. „Aber beim Training am Dienstag dürfen wir uns schon noch ein bisschen über den Sieg freuen“, sagt Ruscher. Nach einem Erfolg im Derby ist eben doch alles ein bisschen anders.

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