Lebenswege Begleiten Erfolgreiches Teamwork

Es gibt viele Gründe, weshalb junge Menschen ihre Ausbildung abbrechen. Oft sind es Probleme schulischer oder betrieblicher Natur. Um Abhilfe zu schaffen, bietet der Verein Lebenswege begleiten Lerntandems an.
12.08.2022, 16:55
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Erfolgreiches Teamwork
Von Ivonne Wolfgramm

Bruchhausen-Vilsen. Schulausfall, private Probleme oder Schwierigkeiten mit den Lehrern sowie dem Ausbildungsbetrieb: Die Gründe, weshalb junge Menschen ihre Berufsausbildung abbrechen, sind vielfältig. Das ist auch dem Team von Lebenswege begleiten bekannt, die sich nun dieser Thematik angenommen haben. Mit Lerntandems wollen sie Auszubildende aller Branchen, die Schwierigkeiten haben, mit Ehrenamtlichen zusammenführen, die schon einige Berufsjahre hinter sich haben und ihr Wissen teilen.

"Vor zwei Jahren startete das erste Tandem", berichtet Antje Alberts. Die Begleitung der Azubis ist eine Fortführung der Schülerhilfe, die der Verein schon seit längerer Zeit anbietet. So soll nicht nur der Schulabschluss gesichert werden, sondern eben auch die Ausbildung. Damit die Lehrlinge genau die Hilfe bekommen, die sie benötigen, achtet Alberts bei der Koordination der Tandems, dass Schüler und Mentor genau zueinander passen. So konnten in den vergangen zwei Jahren bereits rund 15 Lerntandems erfolgreich abgeschlossen werden, drei davon hat der Verein nun vorgestellt:

Samuel Dunekacke und Heiner Behrens

Samuel war bereits zu Schulzeiten schon regelmäßig bei der Schülerhilfe von Lebenswege begleiten, wie er sagt: "In meiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann habe ich aber festgestellt, dass mir Buchhaltung und Bilanzen Probleme bereiten." Der mehr oder weniger stattfindende Online-Unterricht und die mangelnde Unterstützung der Lehrer kamen außerdem hinzu. In seiner Not wandte sich der junge Mann an Lebenswege begleiten. In der Schülerhilfe konnte man ihm zwar nicht helfen, aber mit Bilanzbuchhalter und Ehrenamtler Heiner Behrens fand sich ein perfekter Mentor. "Es hat sofort gepasst", sagt Behrens über seinen Mentee. "Im Herbst 2021 haben wir uns das erste Mal getroffen und jede Woche für eine bis anderthalb Stunden gelernt." Das Material und den Prüfungsstoff hat Samuel Dunekacke aus der Schule mitgebracht. "Am Ende konnte ich den Stoff dann sogar meinen Mitschülern erklären. Und die Ausbildung habe ich auch bestanden", berichtet der junge Mann. Heiner Behrens ist voll des Lobes für seinen Schützling: "Er hat sich echt engagiert und jeden Termin wahrgenommen. Wenn er jemand gewesen wäre, der keine Lust darauf hat, wäre es nicht so gut gelaufen."

Mamadou Alphasow und Ingo Rahn

Ein Jahr Sprachklasse und diverse Praktika konnte Mamadou Alphasow vorweisen, als er 2019 in Asendorf seine Ausbildung zum Maurer begann. Zweieinhalb Jahre davon begleitete ihn Ingo Rahn, der ebenfalls gelernter Maurer ist, als Mentor. Initiiert wurde das Lerntandem von Mamadous Chef, der nach Unterstützung für seinen Lehrling suchte. Auf der einen Seite sei die Sprache ein Problem gewesen, sagt Alphasow. "Mit dem Fachunterricht und Mathematik ging es auch nicht so gut." Und so nahm das rund zweieinhalbjährige Lerntandem seinen Lauf. "Mamadou hat sehr hart gearbeitet", erinnert sich Ingo Rahn. "Wir haben auch viel über das Leben auf der Baustelle gesprochen und nicht nur über den Unterrichtsstoff." Um seinen Schützling umfänglich unterstützen zu können, stand Rahn nach eigener Aussage auch mit den Lehrern der Berufsschule in Kontakt, mit denen er sich über die Fortschritte und Defizite des jungen Mannes austausche. Zusätzliche Unterstützung gab es durch den Ausbildungsbetrieb: "Der Chef hat Mamadou nachmittags freigestellt, damit wir lernen können", sagt Rahn weiter. Auch mit ihm stand der Mentor in regelmäßigem Kontakt. Seine Ausbildung hat Alphasow im vergangenen Monat beendet: "Mir gefällt der Beruf einfach."

Marlon Behrmann und Axel Hillmann

Eine vergleichsweise kurze Zeit als Lerntandem verbrachten Marlon Behrmann und Axel Hillmann. Behrmann hatte während seiner Ausbildung zum Tischlergesellen einige Hindernisse zu überwinden: "Zwei Jahre waren wir in der Berufsschule auf uns allein gestellt, die Lehrer hatten kein Interesse am Online-Unterricht", sagt der junge Handwerker über seine Schulzeit. "Den Betrieb hat es nicht interessiert, was ich mache. Ich wollte abbrechen, hab zwischendurch auch den Betrieb gewechselt." Kurz vor der Gesellenprüfung bekam Behrmann dann Axel Hillmann als Tandempartner. "Wir haben drei Stunden ohne Pause durchgezogen", erinnert sich Hillmann an die Treffen. "Fachbegriffe, die ich nicht kannte, hat Marlon mir erklärt und ich habe ihm dann die Aufgaben erklärt." Das Konzept ging auf: Bereits vor einem Jahr konnte Behrmann seinen Gesellenbrief in die Hand nehmen. "Ich hatte im Leben nie besseren Matheunterricht als zu der Zeit. Es hat Spaß gemacht und ich habe es endlich verstanden."

"Jeder Azubi der Probleme hat, kann zu uns kommen, egal aus welcher Branche sie kommen", erklärt Alberts. Bei den Lerntandems gehe es zudem nicht nur um den rein fachlichen Aspekt: "Natürlich sind Probleme in Mathematik oder der Fachkunde die häufigste Schwierigkeit", führt Alberts weiter aus. "Ein wesentlicher Bestandteil des Tandems ist auch das menschliche Begleiten."

Info

Wer Interesse an einem Lerntandem hat – ob als Azubi oder ehrenamtlicher Mentor – kann Kontakt zu Antje Alberts aufnehmen, die dann entsprechend weiter vermittelt. Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 0 42 52/9 09 83 23 oder per E-Mail antje-alberts@lebenswege-begleiten.de.

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