Tischtennis Tobias Steinbrenners Triumph in der Karibik

Tobias Steinbrenner, ehemaliger Spieler des TV Hude, hat vor zwei Jahren einen Pokal der besonderen Art gewonnen. Die Trophäe hat bei ihm einen Ehrenplatz bekommen.
08.04.2021, 12:23
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Andreas Lehmkuhl

Von 2011 bis 2016 hat Tobias Steinbrenner beim TV Hude Tischtennis gespielt, im vergangenen Jahr hat er den Schläger an den Nagel gehängt. Klassenerhalt in der Oberliga, Vizemeisterschaft in der Landesliga, Meisterschaft in der Verbandsliga – mit der ersten und zweiten Mannschaft des TVH feierte Steinbrenner einige Erfolge. Der wohl spektakulärste gelang ihm aber nach seiner Huder Zeit: Im Jahr 2019 wurde er Mannschaftsmeister von Französisch-Westindien mit dem „Club Franciscain“ von der Karibik-Insel Martinique.

Den Siegerpokal durfte der gebürtige Oldenburger sogar mit nach Hause nehmen. Die Trophäe habe nach der Rückkehr nach Deutschland einen Ehrenplatz bekommen, erklärt der 27-Jährige und ergänzt: „Der Pokal wird mich immer an ein tolles Erlebnis erinnern.“ Immerhin war der Deutsche sogar extra von seinem Club „eingeflogen“ worden und hatte als Leistungsträger einen großen Anteil am Titelgewinn.

Nach seinem Abschied vom TVH und einer einjährigen Rückkehr zum alten Verein, dem Oldenburger TB, hatte Steinbrenner in Freiburg ein Studium der Volkswirtschaftslehre begonnen. Tischtennis spielte er beim dortigen FTV 1844 mit der zweiten Mannschaft in der Badenliga sowie ab und an als Ersatzmann im Regionalliga-Team. Nach der Saison 2017/18 stand dann ein Auslandssemester auf dem Programm – und dafür hatte Steinbrenner sich einen ganz besonderen Ort ausgesucht. „In der Liste der Partner-Unis ist mir sofort die auf Martinique aufgefallen“, erklärt er. Die Insel liegt mitten in der Karibik, gehört aber zu Frankreich, sodass das Auslandssemester sogar durch das europäische Erasmus-Programm gefördert wurde. Der mit guten Französisch-Kenntnissen ausgestattete Steinbrenner bewarb sich und wurde angenommen.

Sofortiger Leistungsträger

Auf der Karibik-Insel Tischtennis zu spielen, hatte er ursprünglich gar nicht unbedingt geplant. Um neben dem Studium mehr Kontakt auch zu Einheimischen knüpfen zu können, packte Steinbrenner den vorsorglich mitgenommenen Schläger aber doch aus und machte sich auf die Suche nach einem passenden Verein. Auf der tropischen Insel gibt es allerdings nur ein knappes Dutzend. Führend ist der „Club Franciscain“, bei dem der ehemalige Oberliga-Spieler dann auch vorsprach und -spielte. Zwar waren in der ersten Mannschaft schon alle Plätze besetzt, doch für die zweite – ebenso in der höheren der zwei lokalen Ligen beheimatet – hatte der Club noch Bedarf. Und so avancierte Steinbrenner dort sofort zum Leistungsträger, gewann alle Spiele in der Liga und verhalf dem Team zum Klassenerhalt. Dazu gab es auch noch drei Titel bei Einzelturnieren.

Im Frühjahr 2019 endete das Auslandssemester. Vorher gab es noch lockere Anfragen von Spielern aus der ersten Mannschaft, ob der Deutsche sich vorstellen könnte, im Sommer noch einmal für den Club Franciscain zu spielen, wenn dieser bei den Meisterschaften von Französisch-Westindien anträte. „Auf Martinique ist alles aber etwas lockerer und lässiger, sodass ich das gar nicht so ernst genommen hatte“, erinnert sich Steinbrenner. Als dann aber, zurück in Deutschland, im April eine weitere Anfrage kam, wurde das Ganze konkreter. Der Flug nach Martinique sollte vom Club übernommen werden, eine Unterkunft wollten ihm die Mitspieler stellen. „Die Leute noch einmal wiedertreffen, dazu praktisch noch ein Gratis-Urlaub, die Entscheidung fiel nicht schwer“, sagt Steinbrenner schmunzelnd.

Es war eine Win-win-Situation, denn bei den Meisterschaften im damaligen Sommer avancierte der Ex-Huder wieder zum absoluten Leistungsträger. Je drei Mannschaften von Martinique, Guadeloupe und Französisch-Guyana traten an, lokale Radio- und TV-Stationen berichteten. Die eigentliche Nummer eins des Club Franciscain konnte nicht mitspielen, Steinbrenner ersetzte den Top-Akteur und agierte hinter dem Franzosen Nicolas Poiret an Position zwei. Die Bedingungen waren schwierig. „Alles war sofort nass, es war wahnsinnig heiß und feucht in der Halle“, erinnert sich Steinbrenner. Er und Poiret waren aber die stärksten Spieler des Turniers und holten zusammen 18 von insgesamt 24 Punkten des Teams. Der Deutsche verlor nur eine einzige Partie im Halbfinale, die aber schon nicht mehr zählte. Das Viertel- und Halbfinale gewann der Club Franciscain ebenso mit 8:3 wie das Endspiel. Auf dem Weg zum dritten Titel in Folge räumte die Mannschaft alle drei Vertreter von Guadeloupe aus dem Weg.

Kontakt nach Hude besteht weiter

Eine besondere Überraschung wartete auf Steinbrenner nach der Siegerehrung: Seine Mitspieler waren sich einig, dass ihm der große Siegerpokal gebühre. Nach der einen oder anderen Schwierigkeit, mit dem „Pott“ einzuchecken, durfte dieser dann doch im Handgepäck mitfliegen und sorgte für einige Aufmerksamkeit bei den anderen Passagieren.

Mittlerweile musste der Pokal zusammen mit seinem Besitzer noch einmal umziehen. Tobias Steinbrenner begann später parallel zum VWL-Studium ein Fernstudium der Psychologie und setzt dieses nach dem VWL-Abschluss in Freiburg nun seit dem jüngsten Winter in Gießen fort. Den Tischtennis-Schläger hat er an den Nagel gehängt. „Unabhängig von Corona, ich hatte einfach nicht mehr so viel Lust und habe zwischenzeitlich mehr Tennis gespielt“, erklärt Steinbrenner. Mittlerweile jucke es aber doch manchmal in den Fingern, wieder zum kleineren Schläger zu greifen.

Kontakt nach Hude gibt es immer noch. „Leider fiel das traditionelle, gesellige Turnier für Aktuelle und Ehemalige an Ostern dieses Jahr wieder aus“, bedauert Steinbrenner, hofft aber auf das nächste Jahr. Dann soll es auch dort um große Pokale gehen. Einen möchte Tobias Steinbrenner allerdings nicht so gerne neben die auf Martinique gewonnene Trophäe stellen: die „Graupe“ für die schlechteste Doppelpaarung.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+