Wildeshauser Kita „Pusteblume“

„Individuelles statt Katalogware“

Mit dem neu gestalteten Außengelände für Krippenkinder setzt die Wildeshauser Kita „Pusteblume“ weiterhin ihr naturnahes Konzept um. An dem 22 000 Euro teuren Projekt war auch der Verein „Brücke“ beteiligt.
27.05.2020, 17:47
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Von Jacqueline Schultz
„Individuelles statt Katalogware“

Das Krippenteam Claudia Marischen, Merle Leberecht und Katharina Egorov (von links) vor der neuen Wetterhütte. Die Erzieherinnen freuen sich, dass sie mit dem neu gestalteten Außengelände ihr naturnahes Konzept auch weiterhin umsetzen können.

INGO MÖLLERS

Hochbeete, ein „Matschtisch“, eine erneuerte Wetterhütte und jede Menge neue Spielecken – mit einem generalüberholten Außengelände will die Kindertagesstätte Pusteblume in Wildeshausen ihren Krippenkindern neue Entfaltungsräume im Freien bieten. Hierzu wurde das rund 100 Quadratmeter große Areal neu konzipiert. 22 000 Euro hat der Umbau gekostet, der neben städtischen Mitteln auch mit Hilfe von Sponsoren und durch die Kooperation mit dem Verein „Brücke“ realisiert werden konnte.

„Wir wollten etwas individuell Gestaltetes statt Katalogware“, erklärte Krippenteamleiterin Merle Leberecht bei der offiziellen Vorstellung am Dienstag. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatten die Erdarbeiten begonnen. So wurden etwa Teile der Fläche neu ausgebaggert, der Spielsand ausgetauscht, der Terrassenbereich neu angelegt und Spielgeräte anders platziert. Im Frühjahr errichtete der Verein „Brücke“ schließlich die Hochbeete und die neue Wetterhütte, allesamt Unikate aus der Holzwerkstatt der Einrichtung. Ein alter maroder Unterstand war bereits vor zwei Jahren abgerissen worden.

Die Neugestaltung orientiert sich an dem naturnahen Konzept der Kindertagesstätte, über welches die Kinder mit allen Sinnen ihren Lebensraum erfahren sollen. „Damit können wir schon in frühen Jahren in der Wahrnehmung ganz große Grundsteine legen“, betont Leberecht. Für die Eltern, die sich für die „Pusteblume“ entscheiden, sei dies ein großer Pluspunkt: „Die schicken ihre Kinder ganz bewusst zu uns, weil sie wissen, wie wir arbeiten. Hier geht kein Kind mittags picobello sauber nach Hause“, erzählt die Krippenteamleiterin.

Wettergeschützte Hütte

„Ansonsten fragen die Eltern: Wart ihr heute gar nicht draußen?“, berichtet Leberecht. Generell sieht das Konzept vor, dass jedes Kind mindestens eine halbe Stunde, wenn nicht den ganzen Vormittag, draußen verbringt – „und zwar zu jeder Jahreszeit“, betont Leberecht. „Daher war für uns auch die wettergeschützte Hütte so ein großes Anliegen. In den vergangenen zwei Wintern ohne Unterstand mussten wir uns notgedrungen wieder mehr im Innenbereich aufhalten.“ Die Holzhütte ist bewusst offen gehalten, damit die Kinder den Wind und den Regen noch bewusst wahrnehmen können, aber dennoch durch das Dach geschützt sind.

Alle Sinne ansprechen sollen auch die runderneuerten Hochbeete. „In verschieden Projekten pflanzen die Kinder hier Sonnenblumen, aber auch Erbsen und Kürbisse, denen sie beim Wachsen zusehen und die sie später ernten können. Zusammen mit den Kleinen ziehen wir die Pflanzen im Innenbereich vor, pflanzen sie dann nach draußen und beobachten, was passiert.“ Auf diese Weise würden die Kinder schon in frühen Jahren einen Eindruck erhalten, wie Lebensmittel entstehen.

Auf dem Areal findet sich auch ein kleiner, abgegrenzter Bereich mit Muttererde. „Hier können die Ein- bis Dreijährigen den Unterschied zum pudrigen Spielsand erfahren. Wie fühlt sich das an? Was wächst da? Und wie verhalten sich die unterschiedlichen Erdkarten bei Regen?“, erklärt Leberecht.

Matschtisch stärkt Entdeckergeist

So ganz katalogfrei ging die Umgestaltung dann aber doch nicht vonstatten: „Der Matschtisch ist keine Individualanfertigung, sondern bestellt“, räumt Leberecht ein, was dem Entdeckergeist aber keinen Abbruch tut. Auf verschiedenen Flächen können die Kinder hier nach Herzenslust experimentieren. „Matsch hat ja gerade für Kleinkinder eine große Bedeutung“, weiß auch Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski.

Den Kontakt zur „Brücke“ hatte Marleen Meinel vom Bauamt der Stadt Wildeshausen hergestellt, die das Projekt von Stadtseite federführend koordinierte. Der Verein, der sowohl in der Stadt Delmenhorst als auch im Landkreis Oldenburg tätig ist, bietet ambulante Maßnahmen für straffällige Jugendliche an. „Dazu zählt auch, dass die Heranwachsenden gemeinnützige Arbeiten leisten“, erklärte Geschäftsführerin Sandra Schier. Unter der Aufsicht der Praxisanleiter Torsten von Speulda und Gerold Zimmermann erledigten sie nach und nach die Holzvorarbeiten in der Einrichtung. „Da brauchten wir etwas Vorlauf, da wir mit den Jugendlichen nur zweimal in der Woche arbeiten“, berichtete Sandra Schier. Angesichts der Corona-Krise erfolgte die Montage vor Ort dann allerdings ausschließlich durch die beiden Praxisanleiter.

Die 2009 erbaute Kindertagesstätte „Pusteblume“ umfasst neben der Krippengruppe für ein bis dreijährige Kinder vier weitere Kindergartengruppen. „Im Normalbetrieb sind 115 Kinder hier, derzeit werden in der Notbetreuung bis maximal zehn Kinder pro Gruppe betreut“, sagt Leberecht.

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