Signale aus dem Wald Heiße Alternative aus dem Kalten Krieg

Frank Kensy will seinen Sendemast im Garlstedter Forst für den neuen Mobilfunk-Standard zur Verfügung stellen. Die Fachfirma aber hält den Standort für ungeeignet.
15.04.2020, 05:10
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Valek

Heilshorn. Ein neuer Funkmast für Heilshorn ist unnötig. Davon ist der Sendemast-Besitzer Frank Kensy überzeugt. Nach unserer Berichterstattung zum geplanten neuen Mobilfunk-Standort an der ehemaligen B 6 hat der Osterholz-Scharmbecker seinen Stahlgitterturm im Garlstedter Forst ins Spiel gebracht. In den 1960er-Jahren errichtet, sei er bestens für eine Aufrüstung geeignet, wirbt der Osterholz-Scharmbecker im Gespräch mit der Redaktion.

Mit einer Höhe von insgesamt 55 Metern überragt der Turm die Kiefernwipfel im Wald. Damit bestehe sogar „Sichtkontakt“ zu anderen Masten im entfernten Umland. Schon dadurch sei der alte Standort gut für Mobilfunk geeignet, führt Kensy an. Das Bauwerk aus der Zeit des Kalten Krieges sei solide gebaut und stehe aufgrund der wuchtigen Unterkonstruktion sehr stabil – auch bei Sturm.

Ebenso habe der Schattenstandort inmitten von Tannen und Kiefern deutliche Vorteile für die Signalqualität, merkt er an. Anderswo könne sich das Stahlgerüst in der Mittagshitze verziehen. Die minimale Verformung des Turms führe dann bei Richtfunk zu Signalproblemen. Unter dichten Baumkronen aber sei das ausgeschlossen, weil die Sonnenstrahlen gar nicht den Boden erreichten. Und Platz für weitere Schüsseln auf einer knapp 40 Quadratmeter hohen Gitterplattform sei auch noch vorhanden, stellt er klar.

Die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) will im Auftrag der Telekom auf einem Feld an der Bremer Heerstraße einen 40 Meter hohen Mast errichten (wir berichteten). Das Bauwerk soll im Bereich der Kreuzung Heidhofweg/L 135/Vor der Elm aufgestellt werden. „Die Stadt Osterholz-Scharmbeck klärt derzeit in Abstimmung mit dem Landkreis Osterholz mit dem Bauherrn den konkreten Standort für den Antennenträger“, teilt Landkreis-Sprecherin Jana Lindemann zum Stand des Genehmigungsverfahrens mit.

Die Mitglieder des Planungsausschuss hatten sich Anfang März mit dem Bauantrag beschäftigt und den Standort abgelehnt, da der Turm nur gut 50 Meter von Wohnhäusern entfernt stehen soll. Auch Anwohner einer Bürgerinitiative sind gegen die Standortwahl, wie sie im März anlässlich der Bürgersprechstunde den Ausschussmitgliedern klar machten.

Bei einer ersten Anfrage der DFMG im April 2019 nannte die Funkturm-Gesellschaft einen anderen bevorzugten Standort, der zwischen 220 und 250 Meter von Häusern entfernt und hinter einem kleinen Waldstück liegt. Umso mehr sei man im Rathaus erstaunt gewesen, als am 7. Februar der eigentliche Bauantrag vorgelegen habe, erinnerte sich Bauamtsleiter Frank Wiesner, wie er anlässlich der vergangenen Sitzung betonte. Darin war nämlich der neue Wunsch-Standort an der alten B 6 genannt worden.

Das Tauziehen um den Wunsch-Standort schürt bei Frank Kensy neue Hoffnung. Sein ehemaliger Turm der Deutschen Bundespost biete durch seine Lage erstklassige Voraussetzungen für die weitere Nutzung, preist er an. Zudem störe sich niemand am Anblick des Turms, da der Mast im Wald stehe, so der Besitzer der Liegenschaft. Genau deshalb habe er seinen Mast auch bei der Telekom erneut ins Spiel gebracht, wie Kensy betont. „Eigentlich brauchen wir an der L 135 keinen neuen Mast. Das kann alles von hier aus gehen.“ Wenn der bestehende Turm besser genutzt würde, sei am Ende allen geholfen, ist er überzeugt.

DFMG-Pressesprecher Benedikt Albers ist von der Idee nur mäßig begeistert. Auch eine Anfrage der Stadtverwaltung zur Nutzung des alten Mastes von der Telekom war negativ beschieden worden, wie die Redaktion erfahren hat. Welche Gründe im Detail dafür verantwortlich waren, entziehe sich seiner Kenntnis, sagt Benedikt Albers. Vermutlich sei der bestehende Mast bei der Vorauswahl der Standorte bereits herausgefallen und liege damit „out of scope“, also außerhalb des Anwendungsbereichs, ist Albers überzeugt.

Auf Nachfrage des OSTERHOLZER KREISBLATT stellt er klar, dass es in Bezug auf einen geeigneten Standort immer wieder Wahlmöglichkeiten gebe. „Natürlich muss ein Mast nicht unbedingt an einer Straße liegen.“ Der Radius für Alternativpunkte reiche 200 bis 300 Meter um einen Wunschstandort herum. 1500 Meter Distanz zum anvisierten Knotenpunkt aber, wie beim Mast von Frank Kensy, seien deutlich zu weit.

Zum anderen gehe es im Mobilfunk-Bereich nicht um Höhe. „Mobilfunk funktioniert anders“, stellt Albers klar. Während zum Empfang von Fernsehsignalen und für den Richtfunk hohe Antennen von Vorteil seien, liege die Sache beim Mobilfunk anders. Dort würden hohe Bauwerke eher ungeeignet sein, da sich aufgrund der überragenden Lage zu viele Geräte an einem Standort einloggen würden. Das wiederum führe aufgrund der begrenzten Kapazität zu einer langsamen Verbindung. „Vor allem bei 5G ist ein engmaschiges Netz wichtig“, erläutert Albers. Das konkrete Angebot von Frank Kensy könne für zukünftige Entscheidungen möglicherweise berücksichtigt werden. „Wir bekommen oft Grundstücks- und Turmangebote und nehmen sie auf.“ Diese würden herangezogen, um spätere Versorgungslücken zu schließen.

In erster Linie seien funktechnische Eigenschaften für die Platzwahl in Heilshorn ausschlaggebend gewesen. Funknetz-Planer würden dazu unter anderem auf ein mathematisches Verfahren setzen. Natürlich sei ein Ausbau des Funknetzes auch das erklärte Ziel der Bundespolitik. Sobald es aber in die Kommunalpolitik gehe, würden sich die Geister über den Ausbau scheiden, so der Pressesprecher.

Er macht klar, dass es für den bevorzugten Standort in Heilshorn wenig Alternativen gebe. „Die Summe der Kriterien hat über den Standort entschieden.“ Zudem möchte er mit dem Vorurteil aufräumen, dass die Strahlung direkt unter einem Turm besonders hoch sei. „Das ist nicht so.“ Stattdessen sei es eher umgekehrt. „Je weiter ein Mobilfunkmast vom Telefon entfernt ist, desto höher ist auch die Sendeleistung.“

Habe man zwei gleichwertige Standorte zur Auswahl, entscheide auch der Bürgerwille mit, deutet er an. Wie schnell ein Funkmast errichtet wird, hängt demnach von der politischen Stimmung vor Ort ab. Einige Baugenehmigungen würden im besten Fall schon nach drei Monaten erteilt. Manchmal aber dauere es bis zu drei Jahren, bis mit dem Bau eines Mastes begonnen werden kann. „Wir jedenfalls halten am geplanten Bau in Heilshorn fest“, sagte Benedikt Albers am Dienstag dem OSTERHOLZER KREISBLATT.

Ortsvorsteher Holger Heier ist von der Idee angetan, den ehemaligen Post-Sendemast zu nutzen. „Das wäre eine super Sache“, sagt Heuer. „So oder so muss ein anderer Standort her“, betont er. „50 Meter zur Wohnbebauung ist einfach zu nah daran. Das kann ich keinem der Anwohner zumuten.“

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