Boule-Treffen im Schwanewede Möglichst dicht am Schweinchen

Wenn sich die Boule- und Schachfreunde Hagen und der 1. Schwaneweder Bouleverein einmal jährlich zum sommerlichen Wettstreit treffen, dann geht es vor allem und Spaß. Wir waren dabei.
26.08.2019, 16:13
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Von Alexander Bösch

Schwanewede. „Oh nein, wo gehst du denn wieder hin?“ Oder: „Jetzt guckt mal zu, hier könnt ihr noch was lernen!“ Wenn sich die Boule- und Schachfreunde Hagen und der 1. Schwaneweder Bouleverein einmal jährlich zum sommerlichen Wettstreit treffen, erklingen Sätze wie diese zuhauf. Im zweijährigen Turnus findet das „freundschaftliche Vergleichsturnier“ mal in Hagen, mal auf dem öffentlich zugänglichen Gelände hinter der Dreienkampschule statt.

„Mittlerweile haben wir in Schwanewede vier Boulegruppen. Wir waren die ersten, dann kam eine Montagsgruppe, die Schwaneweder Initiative hat ein Team und seit Neuestem gibt es auch noch eine Dienstagsgruppe“ , sagt Organisator Hans-Joachim Preuß.

Insgesamt 16 Spiele zwischen den Mannschaften der beiden Teams stehen an diesem sonnigen Tag auf dem Plan, bevor die Spieler das Turnier beim gemeinsamen Grillen ausklingen lassen. Jedes Team tritt mit vier Mannschaften zu je drei Personen an. Gespielt wird maximal eine halbe Stunde pro Begegnung. Es sei denn, eine Mannschaft erreicht vorzeitig die maximale Punktzahl 13.

„Die Hagener haben ordentlich mitgeholfen, weil sie immer viel zu weit geworfen haben“, feixt Hans-Jürgen Obermeyer von den Gastgebern, als genau diese Situation bei einer Begegnung nach nur wenigen Minuten eintritt. Innerhalb einer Begegnung werden die Seiten gewechselt, sobald alle Kugeln geworfen wurden. Jeder Spieler einer Mannschaft hat zwei Würfe pro Durchgang. Um sicherzugehen, dass jeder Akteur seine Kugeln von derselben Stelle wirft, müssen sich die Spieler in einen Startkreis begeben. Ziel ist es, mit den 700 Gramm schweren Eisenkugeln einem „Schweinchen“ genannten Holzball möglichst nahe zu kommen beziehungsweise einen gegnerischen Ball vom Schweinchen weg zu kicken.

„Wir spielen nach den internationalen Pétanque-Regeln“, erklärt Hans-Joachim Preuß. Wobei es immer mal Vereinfachungen geben könne, wenn einzelne Regeln zu kompliziert erscheinen. Wenn ein Spieler mit seiner Kugel derart auf das Schweinchen trifft, dass es hochspringt und aus der Bahn geschleudert wird, wird die Partie annulliert. Zu diesem Sonderfall kommt es an diesem Tag allerdings nicht. Immer mal wieder kommt dafür das Maßband zum Einsatz, wenn am Schluss einer Partie nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, ob die eigene oder die Kugel der gegnerischen Mannschaft am Ende näher am „Schweinchen“ liegt.

„Auf Bahn 2 spielen Helmuth, Eddi und Hans-Jürgen gegen Achim, Gaby und Bertold“, verkündet der Schwaneweder Teamleiter Hans-Joachim Preuß. Als alle vier Mannschaften eingetroffen sind, betätigt Preuß seine kleine Hupe und startet den Wecker. „Ich habe Detlef Haese von den Hagenern vor einiger Zeit kennengelernt, dort unterstützt der Seniorenbeirat die Boulegruppe“, erklärt Preuß.

Vor vier Jahren fand in der Samtgemeinde Hagen das erste Turnier statt. Im Jahr davor hatte die Gemeinde Schwanewede auf dem Areal hinter der Dreienkampschule zunächst eine Boulebahn eingerichtet, eine zweite folgte. „Wir spielen dreimal pro Woche hier, da hat man schon einen kleine Heimvorteil“, findet Preuß. Die zuerst gebaute Bahn, findet Haese, habe eine größere Festigkeit. „Bei der zweiten Bahn ist mehr Schlacke verwendet worden, die ist langsamer und es entstehen kleine Krater, wenn der Ball aufkommt“, findet der Hagener Spielleiter. Sein Team ist mit einem Bus angereist. „Im Bus ist immer gute Laune, egal, ob wir verloren oder gewonnen haben“, beteuert der Fahrer.

Die Entwässerungsdrainagen hinter den Bahnen seien leider verstopft. „Da staut sich der Regen. Wenn es im Winter friert, kann das gefährlich werden“, formuliert Preuß den Wunsch an die Gemeinde Schwanewede, hier vorsorglich tätig zu werden.

Zwischendurch ist Zeit für ein wenig Spiel-Philosophie. „Bei einem Dreierteam braucht man einen guten Leger, der das Schweinchen legt und mit dem ersten Ball gut ans Schweinchen herankommt. Dann noch einen guten Leger und dann einen guten Schießer, der den Ball der gegnerischen Mannschaft wegschießt, falls der zu nah dran ist am Schweinchen“, erläutert Detlef Haese. Ganz so konzentriert und leise wie üblich geht es beim hiesigen Turnier nicht zu. „Es soll ja vor allem Spaß machen, das steht an erster Stelle“, findet Hans-Jürgen Preuß.

Sieglinde Marondel-Kaiser sieht es ebenso. „Es bringt einfach Spaß, in der Gruppe zu spielen und sich an der frischen Luft zu bewegen“, sagt die Schwanewederin, die erst vor sechs Wochen der Gruppe beigetreten ist. Mitunter könne man sich den einen oder anderen Trick abschauen. „Man soll nicht das Schweinchen anvisieren, sondern den Punkt, an dem man gern den Ball hätte“, gibt sie ein Beispiel.

Jede Mannschaft bringt im Übrigen ihre eigenen Kugeln mit, wie Preuß erzählt: „Die müssen bestimmte Standards und Kriterien erfüllen“. So setzt das Hagener Team auf glänzende Kugeln, das Schwaneweder auf eine Variante matter Kugeln. „Wobei die glänzenden Kugeln nicht unbedingt für ein glänzendes Ergebnis stehen müssen“, wie ein Spieler ironisch bemerkt.

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