Verkehrsprobleme auf der Landesstraße 134 Problemfall Damm

Der Damm ist eine vielbefahrene Straße in Schwanewede. Autos haben hier viel Platz, für Radfahrer und Fußgänger ist es eng. Das führt zu Problemen. Ein Umbau der Straße ist in der Diskussion.
10.07.2019, 17:59
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller

Schwanewede. „Das Problem ist seit 1997 bekannt“, sagt Martin Grasekamp. An diesem Morgen liegt es buchstäblich zu Füßen des Schwaneweder Ortsbürgermeisters. Ortstermin am Damm. 1,4 Kilometer zieht sich die Landesstraße 134 zwischen dem Molkereiweg bis zum Kreisel am Koppelsberg. Eine Hauptverkehrsader der Ortschaft, die immer mehr zum Problemfall wird. Warum, das wollen Martin Grasekamp und Ordnungsamtsleiter Dieter von Bistram vor Ort erläutern. Und auch, wie Politik und Verwaltung nach 22 Jahren endlich zu einer Lösung kommen wollen.

Grasekamp und von Bistram stehen zwischen Rathaus und Küsterhaus am Straßenrand. 8,50 Meter, so breit ist nach Angaben des Ortsbürgermeisters die Fahrbahn der Landesstraße. Die Wege rechts und links daneben dürfen Fußgänger und Radfahrer gemeinsam benutzten, darauf weisen Schilder hin. „Als kombinierte Geh- und Radwege sind sie aber viel zu schmal, erfüllen nicht die von der Straßenverkehrsordnung vorgesehenen Breiten“, erklärt Dieter von Bistram. Der Ordnungsamtsleiter nimmt mit den Schritten Maß: zwei Meter. Mindestens 2,20 Meter schreibt die Straßenverkehrsordnung vor. „Wenn sich hier Fußgänger und Radfahrer begegnen, wird es eng.“ Im weiteren Straßenverlauf hinter dem Küsterhaus werden die Wege laut von Bistram noch schmaler. Er spricht von einem bis 1,50 Meter, die sich Fußgänger und Radfahrer dort teilen müssen.

„Autos haben auf dem Damm zu viel Platz, Radfahrer und Fußgänger zu wenig“, bringt Martin Grasekamp das Problem auf den Punkt. Eine Erkenntnis, die allerdings nicht neu ist. „Schon im 1997 für die Gemeinde aufgestellten Gesamtverkehrsplan wurde festgestellt, dass die Landesstraße 134 überbreit ist, und eine neue Funktionsteilung vorgeschlagen“, sagt der Ortsbürgermeister. Als langfristige Lösung wurde damals angeregt, die Fahrbahnbreite auf 6,25 Meter zu verkleinern und einseitig einen 2,25 Meter breiten Streifen mit Parkplätzen und Bepflanzungen anzulegen. Kurzfristig, so die Idee, könnte ein Radfahrstreifen oder Schutzstreifen für Radfahrer ausgewiesen werden.

Nichts davon ist umgesetzt worden. Der Damm ist breit wie eh und je, die Verkehrsprobleme an der Landesstraße haben sich laut Grasekamp und von Bistram noch verschärft. Warum es schlimmer geworden ist, sagen sie auch: Neue Gewerbegebiete bringen mehr Schwerlastverkehr, das Neubaugebiet Schwanewede-Nord mit 1000 zusätzlichen Bewohnern sorgt für mehr Verkehr, mehr Kinder nutzen den Damm als Schulweg, in die ehemalige Dammschule sind ein Kindergarten und eine Krippe eingezogen.

„Zwischen Rathaus und Küsterhaus ist ein Nadelöhr entstanden“, sagt von Bistram. Hier kommt nach seinen Worten alles zusammen: der Verkehr auf der Straße, Radfahrer, am Straßenrand parkende Autos von Friedhofsbesuchern, Kita-Mitarbeitern und Eltern, die ihren Nachwuchs in Kindergarten und Krippe bringen. Schüler auf dem Weg zur Berufsschule wechseln zwischen Schulbushaltestellen die Straßenseite. „Beim Überqueren der Straße ist es immer wieder zu brenzligen Situationen gekommen.“

Ortsrat und Verwaltung haben beim Land, das für die L 134 zuständig ist, eine Geschwindigkeitsbeschränkung durchgesetzt. In Höhe Rathaus steht seit Frühjahr 2018 ein Tempo-30-Schild, ein weiteres gegenüber vom Küsterhaus. Zwei kleinere Schilder darunter verweisen auf den Kindergarten und die Zeiten, in denen das Tempolimit gilt. „Statt der drei kleinen Schilder hätten wir lieber eine große Tafel mit signalgelbem Hintergrund, versetzt in Richtung Kindergarten. So würde Autofahrern das Tempolimit mehr auffallen“, sagt Dieter von Bistram. Drei Vorstöße habe die Gemeinde gemacht. Jedes Mal habe das Land mit der Begründung abgelehnt, die Straßenverkehrsordnung sehe das nicht vor.

Für das Parkproblem vor Kindergarten und Krippe hat die Verwaltung inzwischen selbst eine Lösung erarbeitet. Von Bistram zeigt auf eine Rasenfläche neben der ehemaligen Schul-Hausmeisterwohnung. „Hier soll ein Parkplatz entstehen.“ 31 Stellplätze sind geplant. „Das Konzept liegt vor, die politischen Beschlüsse sind gefasst, jetzt werden wir Förderanträge stellen.“ Die Schulbushaltestelle vor dem Kita-Gelände werde gleich mitverlegt, soll künftig zwischen Ein- und Ausfahrt des neuen Parkplatzes liegen. Geprüft wird laut Bistram auch eine Verlegung der Haltestelle auf der Friedhofseite.

Ende November 2018 gab es einen offiziellen Ortstermin am Damm. Mit dabei: Vertreter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. „Das Land möchte, dass die Gemeinde eine weitergreifende Fachplanung vorlegt, die nicht nur die Straße im Bereich der Kita betrachtet, sondern den Abschnitt zwischen Molkereiweg und Eggestedter Straße oder auch den gesamten Damm“, gibt von Bistram das Ergebnis wieder. Ob und was davon am Ende umgesetzt wird, wolle aber das Land entscheiden. „Wir finden das als Verwaltung schon sonderbar. Wir erwarten vom Land vorher zumindest ein Signal, dass es gewillt ist, überhaupt eine Maßnahme umzusetzen. Dieses Signal gibt es bisher noch nicht.“

Der Ortsrat hingegen will nicht länger warten. „Am Damm gibt es dringenden Handlungsbedarf. Einzelmaßnahmen sind uns nicht genug, wir wollen ein Gesamtkonzept für die Straße“, sagt Martin Grasekamp. Jüngst hat der Ortsrat deshalb beschlossen, dass im neuen Doppelhaushalt Geld für die Planung durch ein Fachbüro bereitgestellt werden soll. „Ich bezweifle, dass das Land eine Umgestaltung der Straße ablehnt, wenn Fachleute die Notwendigkeit begründen.“ Umgebaut werden soll in zwei Abschnitten: als Erstes zwischen Molkereiweg und Küsterhaus, dann weiter bis zum Kreisel.

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