Naturerlebnishaus in Hepstedt

Schwere Zeiten fürs Schullandheim

Trotz der Stornierungswelle bleibt der Betreiberverein des Naturerlebnishauses in Hepstedt zuversichtlich.
07.05.2020, 18:54
Lesedauer: 3 Min
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Von Irene Niehaus
Schwere Zeiten fürs Schullandheim

Dem Naturerlebnishaus am Buchenholz fehlen die Gäste. Alle Klassenfahrten ins Bremer Schullandheim wurden wegen der Corona-Krise vorerst abgesagt.

CARMEN JASPERSEN

Hepstedt/Bremen. Keine spielenden Kinder, kein Gelächter, kein Geplapper am Frühstückstisch: Das Naturerlebnishaus am Buchenholz liegt im Dornröschenschlaf. Seit Wochen hat das Bremer Schullandheim nahe Hepstedt keine Gäste mehr gesehen. Sämtliche Klassenfahrten sind wegen der Corona-Krise vorerst abgesagt. Das traf das Haus knallhart. Fürchten die Betreiber nun um die Existenz? „Nein“, betont Jan Howe vom Wilhelm-Berger Schullandheimverein Bremen, dem Trägerverein. „Wir sind gut aufgestellt, es kostet zwar viel Mühe und Geld, aber wir kriegen das hin.“

Die letzten Gäste reisten am 15. März ab, es waren Mitglieder des Kirchenkreises Osterholz, weiß Jan Howe nach einem Blick in den Buchungskalender. Und ein paar Tage zuvor erkundeten noch Kinder der Grundschule Am Borgfelder Saatland das weitläufige Gelände, das an saftig-grüne Weiden grenzt und über ein Feuchtbiotop verfügt. Mitte März sollte für das gemeinnützige Schullandheim, das direkt am Wald Ummel liegt, die Saison eigentlich gerade losgehen. Doch stattdessen ist Schicht im Schacht. Neben den Klassenfahrten fallen auch Tagungen und andere Veranstaltungen weg, Wochenendnutzer wie Chöre, Sportvereine oder Familien kommen nicht.

Dabei hätte es ein so schönes Jahr werden können. Die Buchungszahlen für das Haus waren für 2020 so gut wie lange nicht mehr. Jan Howe hatte mit 8216 Übernachtungen gerechnet – „eine super Zahl“. Sonst seien es etwa 7500 Übernachtungen gewesen. Dann kam die Stornierungswelle.

Keine Übernachtungen, also keine Einnahmen. Um das leere Haus kümmert sich bis auf Weiteres Heimleiterin Carolin Walter, sie wohnt in Kirchtimke und schaut ein paar Mal in der Woche nach dem Rechten, kümmert sich um die Post, hört das Telefon ab, verschafft sich einen Überblick über die Buchungen. Sie ist in Kurzarbeit. Ihre Kollegen, die auf 450-Euro-Basis arbeiten, haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Die Verwaltungsarbeit, wie Rechnungswesen und Terminvergabe, werde ehrenamtlich von Vereinsmitgliedern erledigt, sagt Howe.

Existenziell sei die Situation für das Naturerlebnishaus aber nicht, sagt Howe. Die Bildungsbehörde übernehme die Stornokosten für die abgesagten Klassenreisen. Bei der Bremer Aufbaubank habe er zudem die Corona-Soforthilfe für Vereine beantragt. Außerdem seien einige Vorhaben zurückgestellt worden. Auf Eis gelegt wurden unter anderem die Pläne für ein Bewegungsblockhaus.

Wann wieder Kinder und andere Gäste das Schullandheim in Hepstedt beleben werden, weiß niemand. „Ich hoffe, dass wir bald wieder öffnen können“, sagt der 72-jährige Jan Howe. Er vermutet, dass es im Juli wieder losgehen könnte, „aber unter welchen Voraussetzungen, das ist schwer zu sagen.“

Für die Zeit von Anfang Juli bis Mitte November liegen dem Trägerverein Anmeldungen für knapp 4000 Übernachtungen vor, das Haus ist ausgebucht. Ob tatsächlich alle der 1167 angekündigten Gäste kommen können, bezweifelt Howe angesichts der erwarteten Sicherheitsauflagen „Wir können ja schlecht allen Gästen ein Einzelzimmer anbieten.“ Die Tagungsräume seien allerdings groß genug, um den Sicherheitsabstand zu wahren.

Möglicherweise laufe es dann auf die Hälfte der gebuchten Übernachtungen hinaus, möglicherweise könnten statt drei Klassen dann nur jeweils zwei Klassen gleichzeitig vor Ort sein, damit es nicht zu eng wird, erzählt Howe. „Theoretisch bräuchten sie sich nicht mal zu treffen“, so Howe. Jetzt gehe es auch darum, zügig zu klären, welche Desinfektionsmittel und andere Schutzmaßnahmen das Haus benötige.

Sollten in diesem Jahr gar keine Gäste mehr anreisen, kämen harte Zeiten auf das Naturerlebnishaus am Buchenholz zu, prophezeit Howe. „Es wäre schlimm, aber wir würden auch diese Zeit überstehen“, zeigt er sich optimistisch und stellt klar, wie wichtig Schullandheime in seinen Augen für Kinder sind: Die Häuser seien Orte der Begegnung und sozialen Kontakte, in denen die Gäste Gemeinschaft erleben können. Das Hepstedter Schullandheim lege seinen Schwerpunkt zudem auf Naturerlebnisse.

Info

Zur Sache

Schullandheime unter Druck

Die Bremer Schullandheime seien 100 Jahre nach ihrer Gründung durch die Corona-Pandemie in ihrer Existenz bedroht, sagt die Arbeitsgemeinschaft Bremer Schullandheime auf ihrer Homepage. Der Einnahmeausfall durch abgesagte Klassenfahrten und die Stornierungen anderer Gruppen könnten von ihr nicht aufgefangen werden und drohten die Häuser in die Insolvenz zu treiben. Die Arbeitsgemeinschaft hofft nun auf Spenden. Die Trägervereine unterhalten und verwalten ihre Häuser in Hepstedt, Baden­stedt, Bokel, Wulsbüttel, Dötlingen, Kirchseelte, Ristedt, Cluvenhagen und Verden in ehrenamtlicher Arbeit.

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