Bundesliga in Bistros und Restaurants Neustart ist an Regeln geknüpft

Die Fußball-Bundesliga startet wieder, in Corona-Zeiten geht das aber nicht mit Zuschauern vor Ort. Doch wo können Fans im Landkreis Verden die Geisterspiele gemeinsam gucken?
18.05.2020, 11:28
Lesedauer: 4 Min
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Neustart ist an Regeln geknüpft
Von Patrick Hilmes

Fußball-Bundesliga – das bedeutet in der Regel tolle Stimmung in ausverkauften Stadien, gebannte Zuschauer daheim vor dem Fernseher oder gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten in Bars, Kneipen, Restaurants oder Biergärten die Spiele verfolgen. Wenn sich die Vereine der deutschen Elite-Liga auf den Rasen begeben und sich um die Meisterschaft, die internationalen Plätze oder im Kampf gegen Abstieg duellieren, dann zieht das Millionen Zuschauer in den Bann. Doch in Corona-Zeiten sieht das alles anders aus.

Die Bundesliga startete am Sonnabend, an diesem Montagabend steht die Partie des SV Werder Bremen gegen Bayer 04 Leverkusen an. Anstatt volle Stadien gibt es aber Geisterspiele, anstatt dicht gedrängt in Bars bei ein paar Bierchen fachsimpeln und sich zum Jubeln um den Hals fallen, heißt es: schön Abstand halten. Doch ein bisschen alte Normalität ist möglich.

50 Prozent Auslastung

Teilen der Gastronomie ist es im Zuge der neuesten Corona-Lockerungen wieder erlaubt, den Betrieb aufzunehmen. Restaurants und Bistros durften somit ebenso wieder starten, wie es auch die Fußball-Bundesliga nun darf. Eine weitere Gemeinsamkeit: Der Neustart ist an viele Regeln geknüpft. Die Gastronomen haben strenge Auflagen zu erfüllen. So muss jeder Gast einige seiner Daten im Restaurant seiner Wahl hinterlassen, damit mögliche Infektionsketten nachvollzogen werden können. Zudem muss zwischen den Tischen der Mindestabstand eingehalten werden. Das bedeutet: deutlich weniger Platz. Erlaubt sind lediglich 50 Prozent Auslastung im Innen- und Außenbereich. Des Weiteren herrscht für das Servicepersonal Maskenpflicht. Aber immerhin, es durfte wieder geöffnet und es darf nun auch die Bundesliga gezeigt werden.

Doch wo ist es im Landkreis Verden nun möglich, wieder Bundesliga gemeinsam zu schauen? Eine Möglichkeit ist Abo's Bistro in Achim und Inhaber Abetin Tuncel ist froh, dass auch die Bundesliga den Neuanfang wagt. „Die Leute wollen wieder ein bisschen die alte Normalität zurück. Daher übertragen wir auch wieder die Bundesliga, die Samstagsspiele ganz normal, Sonntagsspiele nach Anmeldung. Auch das Werder-Spiel am Montag kann man bei uns gucken.“

Tuncel erhofft sich dadurch natürlich erhöhten Umsatz, denn die Corona-Krise hat entsprechend auch bei Abo's Bistro Spuren hinterlassen. „Wir hatten vom 14. März bis zum 1. Mai komplett geschlossen, danach haben wir mit dem Außer-Haus-Service angefangen. Aber das lohnt sich kaum, da kann ich für viele sprechen“, erzählte Tuncel. Bei ihm kommt hinzu, dass er auch von dem Lokalsport lebt. Wenn etwa der Handball-Oberligist SG Achim/Baden am Wochenende in der Gymnasiumhalle spielt und die Zuschauer einkehren, verdient auch Abo's Bistro mit.

Strikte Vorschriften

Ebenso bilden die Schwimmer und die Schüler im Normalfall eine Einnahmequelle für das Bistro. „Doch das alles fällt ja derzeit weg.“ Nun kehrt mit der Übertragung der Fußball-Bundesliga eine Möglichkeit zurück. „Da bin ich auch froh drum, aber wir werden nichts aufs Spiel setzen. Wir werden uns strickt an die Vorschriften halten.“ Tuncel weiß, tut er das nicht, kann es richtig teurer werden. Der niedersächsische Strafenkatalog bei Verstößen von Restaurants gegen die Auflagen besagt, dass die Inhaber mit 4000 bis 10 000 Euro zur Kasse gebeten werden können.

Das will natürlich auch das Atrium in Achim verhindern. Bis Freitagmittag wurde dort diskutiert, ob die Bundesligaspiele gezeigt werden sollen. Das Ergebnis: „Wir sind uns da noch unschlüssig“, betonte Inhaber Michael Richter. Der Grund: Das Atrium zeigt nur die Werder-Spiele mit Ton, alle anderen Partien laufen im Hintergrund. Hauptgeschäft bleibt das Essen. „Wir haben das mal durchgerechnet und mit den Auflagen haben wir nur 25 Plätze zur Verfügung. Leute, die zum Fußball gucken kommen, trinken auch nur mal ein Bierchen oder ein Wasser. Irgendwo muss sich der Aufwand auch rechnen.“

Allerdings fischte das Atrium die vergangenen Tage im Trüben. Denn: Bis Sonntagnachmittag war nicht klar, welcher Anbieter das Spiel der Grün-Weißen live überträgt. Da mittlerweile feststeht, dass es der Streamingdienst DAZN ist, hat das Atrium, das nur Spiele auf Sky zeigt, noch eine Woche mehr Zeit, um zu entscheiden, wie es mit den Fußball-Fans umgehen möchte. „Wir überlegen noch, ob wir einen Mindestumsatz festlegen oder vielleicht Eintritt nehmen werden.“

Ein paar Kilometer entfernt in Verden ist es unter anderem das Bodega, wo Fußball-Fans einkehren und die Partien verfolgen können. Das gilt für alle Spiele, egal ob Freitag, Sonnabend, Sonntag oder Montag, egal ob die Spiele auf Sky oder DAZN gezeigt werden. Auch beim Mexikaner freut man sich natürlich in geschäftlicher Hinsicht auf die Bundesliga, aber auch persönlich herrschte Vorfreude. „Es ist einfach ein bisschen Abwechslung, ein bisschen mehr Alltag. Die freie Zeit war zwar eine Erholung, aber es war auch langweilig. Nun ist der Start aus geschäftlicher Sicht zurückhaltend verlaufen. Aber es nimmt langsam wieder Fahrt auf“, heißt es vom Bodega.

Bars und Kneipen im Wartestand

Fahrt aufnehmen, das würden auch gerne die Kneipen und Bars wieder. Doch ihnen ist der Neustart bisher noch versagt. Auf der Homepage des Landes Niedersachsen in dem Artikel „Antworten auf häufig gestellte Fragen“ heißt es: „Da es nach wie vor darum geht, die Kurve von Neuinfektionen flach zu halten, können zwangsläufig nicht alle Bereiche in der Gastronomie zugleich hochgefahren werden.“ Es musste demnach eine sachliche Abwägung getroffen werden. In Kneipen, Bars und Diskotheken kämen Menschen sich oft näher, als es zum Beispiel in Restaurants der Fall ist. Dieser Effekt werde gegebenenfalls durch Alkohol noch verstärkt.

Auch sei es schwieriger, Reservierungen vorzunehmen. Darüber hinaus geben die Kontaktbeschränkungen vor, dass derzeit noch keine Partys gefeiert werden können. „All dies sind Argumente, die dazu geführt haben, dass Kneipen, Bars und ähnliche Betriebe zunächst bei den Entscheidungen zu den Lockerungen noch nicht berücksichtigt werden konnten“, stellt die Landesregierung fest.

Somit heißt es abwarten für diesen Teil der Gastronomie. Davon betroffen sind unter anderem das Les Ami in Achim oder etwa das Gleis 6 in Verden. Insbesondere die Verdener sitzen bereits auf heißen Kohlen: „Unser Hygienekonzept steht. Sobald wir wieder dürfen, dann geht es wieder los. Wir warten nur auf das Go von der Landesregierung“, betonte ein Mitarbeiter.

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