Schule in Baden präsentiert sich Achimer Politikern – und hofft, dass die Institutionen nicht getrennt werden

Ein vorbildliches Modell in Gefahr

Achim. Eine Menge „Uhs„ und „Ahs“ sind zu hören, als die Achimer Politik sich durch die Räume der Badener Schule arbeitet. Es ist eine Schule mit Vorbildcharakter, werden die Fraktionen hinterher unisono schwärmen.
29.03.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Tina Hayessen
Ein vorbildliches Modell in Gefahr

Badener Schule ist ein Sammelbegriff: Hier stecken verschiedene Einrichtungen unter einem Dach und machen gemeinsame Sache.

Björn Hake

Achim. Eine Menge „Uhs„ und „Ahs“ sind zu hören, als die Achimer Politik sich durch die Räume der Badener Schule arbeitet. Es ist eine Schule mit Vorbildcharakter, werden die Fraktionen hinterher unisono schwärmen. Dabei ist es so viel mehr als eine einzige Schule. Genau das Verständnis, zusammen zu gehören, ist aber das Geheimnis des Erfolgs. Und es ist in Gefahr – aus Kostengründen.

Unter einem Dach findet man zurzeit die städtische Grundschule Baden ebenso wie die Einrichtungen der Lebenshilfe: die Kita Paletti, die Likedeeler Schule und der Hort. Mit der Außenstelle der Janusz-Korczak-Schule in Trägerschaft der Bodelschwingschen Stiftung (Bethel-Nord) gibt es eine weitere Schule. Dazu kommt noch die Ortsteilbücherei Baden. Schon 1994, „als Inklusion noch gar kein Thema war“, habe man sie in Baden schon gelebt, betonte Sylvia Barthel, Leiterin der Likedeeler Schule. Über die Jahre sei die Kooperation gewachsen und immer weiter mit Leben gefüllt worden, erklärten sie und ihre Kolleginnen Ingrid Thieke (Grundschule Baden), Gabriele Feder (Janusz-Korczak-Schule) und Daniela Weiß (Kita Paletti) im Schulausschuss. Denn dorthin waren sie auf Antrag von CDU-Ratsfrau Petra Gölz eingeladen worden. Zuvor besichtigte der gesamte Ausschuss die Kita – und war ganz angetan von der Arbeit, die hier geleistet wird.

Die gemeinsame Aula, in der zusammen musiziert wird, die Bibliothek, die laut der Pädagoginnen stets gut besucht ist und die Klassen- und Gruppenräume überzeugten – noch mehr allerdings die Erklärungen der vier verantwortlichen Frauen. Sie betonten, wie gut der Übergang zwischen Kita und Schule gelinge, wenn so viel räumliche und inhaltliche Nähe besteht. Das gleiche sei der Fall beim Thema Inklusion: Kinder mit und ohne speziellen Bedarf seien hier dicht beieinander, Berührungsängste entstünden gar nicht erst. Im Ausschuss selbst wurde viel gelobt, keiner mochte so richtig die bittere Wahrheit aussprechen: Die Institutionen sollen, das schwebt zumindest in der Luft, getrennt werden.

Denn es gibt seit Jahren immer mehr Bedarf an Schul- und Kitaplätzen in Baden. Es wird eng. Und weil die Stadt lediglich für die Grundschule verantwortlich, die Lebenshilfe und die Janusz-Korczak-Schule nur Mieter sind, liegt es für die Verwaltung nahe, diesen Mietern wegen Eigenbedarf zu kündigen. Das Problem hängt mal wieder mit dem dünnen Portemonnaie der Stadt zusammen. Selbst wenn man also ein wenig Platz fände, etwa auf Nachbargrundstücken, man müsste dennoch erst einmal einen Anbau finanzieren.

So richtig fanden weder Politiker noch Verwaltung einen Dreh. Erster Stadtrat Bernd Kettenburg schlug vor, dass die anwesenden Pädagoginnen zunächst einmal bei ihren Trägern nachfragen, in wie weit sie Geld für einen Ausbau dazusteuern könnten. Ein Konzept, das so gut funktioniert, einfach aufzugeben, müsse die letzte Möglichkeit sein, betonte in der Bürgerfragestunde ein Vater, dessen Tochter die Schule in Baden besucht: „Die Schule ist ein Juwel. Nicht nur für die Eltern, sondern für die ganze Stadt.“

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