Jugendherberge Verden

Ungewöhnliche Ruhe am Saumurplatz

130 Betten sind zurzeit nicht belegt: Die Verdener Jugendherberge kämpft aufgrund der Corona-Krise mit einem Umsatzverlust.
19.04.2020, 15:52
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Von Andrea Kreutzer
Ungewöhnliche Ruhe am Saumurplatz

Während die Jugendherberge in Verden sonst gut besucht ist, hat sie durch die Corona-Krise mit großem Umsatzverlust zu kämpfen.

FOCKE STRANGMANN

Stille dort, wo sonst eine Vielzahl an Stimmen zu hören ist. Von den coronabedingten Schließungen sind seit dem Erlass der Bundesländer Niedersachsen und Bremen vom 18. März zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Coronavirus auch die 27 Jugendherbergen im Nordwesten betroffen. Nun ist es ungewöhnlich ruhig am Saumurplatz, wo sich die Verdener Jugendherberge und der angeschlossene Kletterpark befinden. Anders als so manches Hotel oder Gästehaus ist es Jugendherbergen jedoch von Rechts wegen nicht gestattet, größere Rücklagen zu bilden: „Unsere Jugendherberge gehört dem Jugendherbergsverband Unterweser-Ems e.V. an. Vereine sind gemeinnützig und, um zu verhindern, dass sich jemand auf Vereinskosten bereichert, dürfen keine großen Gewinne erwirtschaftet werden“, erläutert Jan-Walter Feldmann, Leiter der Jugendherbergen in Verden und Worpswede.

130 Betten stehen den Gästen in der Verdener Herberge zur Verfügung, außerdem zwei große Speiseräume für je 60 Personen sowie diverse Waschräume. Betrachtet man die Zeit zwischen Mitte März und Ende Mai, entfallen insgesamt um die 5800 Übernachtungen. „Das entspricht einem Umsatzverlust von circa 205 000 Euro“, so Feldmann. Grundsätzlich sei die Jugendherberge im Frühjahr ebenso gut ausgelastet wie während der restlichen Saison. Diese beginnt jeweils Anfang März und endet etwa Mitte November. „In erster Linie sind es Schulklassen, die zu uns kommen." Aber auch Sportvereine, kirchliche Gruppen, beispielsweise Konfirmandenfreizeiten, oder Chöre, die in Verden Station machen, sind sonst zu Gast. „Viele der Reise- und Gruppenleiter kennt man seit Jahren und steht auch jetzt in engem Kontakt.“

Auch wenn derzeit keine Übernachtungen möglich sind, steht die Jugendherberge Gästen für Fragen zur Verfügung, immer vormittags in der Zeit von 9 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 0 42 31 / 6 11 63 sowie per E-Mail an verden@jugendherberge.de. Die Anfragen betreffen in erster Linie etwaige Stornogebühren. „Da die Schließung aber von offizieller Seite angeordnet worden ist, bekommen die Gäste bereits geleistete Zahlungen selbstverständlich in vollem Umfang erstattet“, so Feldmann. Oftmals handele es sich um Stammgäste, deren Besuch in diesem Jahr entfallen werde. „Da ist die Enttäuschung dann immer sehr deutlich zu spüren.“

Um die laufenden Kosten etwas zu minimieren – Versicherungsbeiträge, Steuerzahlungen, normale Unterhaltskosten, all das fällt weiterhin an – befinden sich die insgesamt zehn Mitarbeiter, darunter Voll- und Teilzeitkräfte, sowie die geringfügig Beschäftigten aktuell in Kurzarbeit. Eine Maßnahme, die man nicht gerne ergriffen habe, die aber in Anbetracht der Tatsache, dass niemand so genau wisse, wie es weitergehe, notwendig sei, „um so lange wie möglich durchhalten zu können“. Ob es staatliche Hilfen geben wird und ob sie als Jugendherberge unter einen Rettungsschirm fallen werden, das ist zur Zeit noch nicht absehbar.

Ebenfalls nicht absehbar ist, inwieweit das Haus wieder ausgelastet sein wird, wenn Schule und Vereinsleben wieder wie gewohnt stattfinden dürfen. Zudem kann niemand ahnen, inwieweit Reisen überhaupt wieder erlaubt sein werden, merkt Feldmann an. Außerdem sei unklar, ob später angesetzte Klassenfahrten auch noch abgesagt werden, um die verlorene Lernzeit aufholen zu können. „Eventuell droht uns dann eine weitere Stornowelle“, zeigt sich Jan-Walter Feldmann besorgt.

Aufgrund all dieser Unklarheiten könne man die gästefreie Zeit leider nicht dazu nutzen, gewisse Arbeiten am und im Haus oder auch im angrenzenden Kletterpark, einer Tochtergesellschaft der Jugendherberge, zu erledigen. „Eigentlich wäre das nun ideal, da man mit Instandsetzungs- und Renovierungsarbeiten niemanden stören würde, aber unser Fokus muss zur Zeit nur darauf liegen, dass wir möglichst lange liquide bleiben.“ Wichtig sei aktuell nur, dass es weitergehe, gerade für die Mitarbeiter.

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