Fußball NFV-Webinar: Viele Fragen, einige Antworten

Der NFV veranstaltet bezüglich des Umgangs mit der Saison 2019/2020 erste Webinare mit Vereinen. Dabei konnten Vereine viele Fragen stellen und bekamen einige Antworten darauf.
16.05.2020, 16:02
Lesedauer: 5 Min
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NFV-Webinar: Viele Fragen, einige Antworten
Von Patrick Hilmes

Wie geht es mit dem Amateurfußball in Niedersachsen weiter? Diese Frage konnte und sollte auch nicht in vollem Umfang bei den ersten Webinaren der Geschichte des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV), die am Sonnabendmittag stattfanden, beantwortet werden. Doch hinter einigen offenen Detailfragen zu der Szenerie um die Saison 2019/2020 konnte das Fragezeichen gestrichen werden. Ziel der Webinare – zunächst eines für die Vereine aus den NFV-Bezirken Braunschweig/Hannover, anschließend eines für die aus Lüneburg/Weser-Ems – war es, die Vereine nochmals im Detail über die vier Varianten zum Umgang mit der Saison 2019/2020 zu informieren, ein Meinungsbild der Vereine einzuholen und offene Fragen zu beantworten.

Zur Erinnerung, auf diese folgenden vier Varianten hatte sich der NFV bereits am Montag, 11. Mai, geeinigt:

Variante 1: Saisonabbruch mit Auf- und Absteigern nach Quotientenregelung.

Variante 2: Saisonabbruch ohne Absteiger und mit Aufsteigern nach Quotientenregelung.

Variante 3: Annullierung der Saison.

Variante 4: Fortsetzung der Saison.

Die Fragen

Insgesamt wurden beim rund einstündigen Webinar für die Bezirke Lüneburg und Weser-Ems 168 Fragen von den Vereinsmitgliedern gestellt. Je zwei Vertreter eines Klubs durften teilnehmen. Viele der Fragen hatten den gleichen Tenor, weshalb auf insgesamt zwölf Fragen von Seiten des NFV eingegangen wurde. Im Folgenden die Antworten zu den wesentlichsten Fragen (gekürzt) im Webinar:

Weshalb wird Variante 4 weiter in Betracht gezogen, obwohl zwei Drittel der Vereine bereits für einen Saisonabbruch votierten?

Gleich in seinem Eröffnungsstatement ging NFV-Präsident Günter Distelrath auf dieses Thema ein, zu dem auch im Laufe des Webinars die häufigsten Fragen gestellt wurden. „Das Medienbild der vergangenen Tage ist irrtümlich. Der NFV will nicht zwanghaft die Saison fortsetzen. 70 Prozent der Vereine plädieren für einen Abbruch, daher vertiefen wir diese Variante in dem Webinar auch nicht. Aber 30 Prozent sind für eine Fortsetzung, daher führen wir diese Variante mit auf. Wir sind alleine schon aus Haftungsgründen dazu verpflichtet, bestmöglich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren“, betonte Distelraht. Zudem sei davon auszugehen, da jeder Verein einen Antrag für den Verbandstag stellen kann, dass mindestens einer die Variante vier beantragen wird. Entsprechend müsse sich der Verband auch mit diesem Szenario weiter auseinandersetzen.

Wie wird die Abstimmung beim außerordentlichen Verbandstag gewertet? Beispiel: 20 Prozent für Variante 1, 24 Prozent für Variante 2, 26 Prozent für Variante 3, 30 Prozent für Variante 4. Die meisten Stimmen hätte Variante 4, obwohl 70 Prozent der Vereine dagegen gestimmt haben.

Dieses Szenario wird aber nicht Realität. In dem Webinar wurde erklärt, dass nacheinander über die Varianten abgestimmt wird. Begonnen wird mit der „härtesten“ Variante, die mit den größten Auswirkungen. In diesem Fall ist das Variante 3, die Annullierung der Saison. Erhält dieses Szenario 50,1 Prozent oder mehr Zustimmung, wird es umgesetzt. Erhält es keine mehrheitliche Zustimmung, wird über die nächste Variante abgestimmt. Die „weichste“ Variante wäre die Nummer 4. Somit müssten erst alle drei vorherigen Varianten keine Mehrheit erreichen, damit es überhaupt über die Abstimmung zur Fortsetzung der Saison kommen könnte.

Was passiert, wenn keine der vier Varianten auf dem geplanten Verbandstag eine Mehrheit erhält?

Diese Frage hatte der am Webinar teilnehmende Sportredakteur dieser Zeitung gestellt. Sie blieb jedoch im Webinar und auch per E-Mail bis Samstagnachmittag unbeantwortet.

Wie würde bei Variante 2 mit Relegationsrunden umgegangen werden? Würden die Regeln nach Ausschreibung umgesetzt?

Die Antwort auf diese Frage sei noch nicht gänzlich geklärt, hieß es in dem Webinar. Auch im Bereich der Relegationen gibt es generell vier Varianten. Möglich wäre ein Verbleib aller Relegationsteilnehmer in ihren Spielklassen. Ein Szenario ist, dass die Relegationsteilnehmer die Klassen tauschen – aus der höheren Klasse steigt der Teilnehmer ab, aus der niedrigeren steigt er auf. Ebenfalls möglich sei, dass die Mannschaften aus der höheren Klasse nicht absteigen und die Mannschaften aus der tieferen Liga aufsteigen. Ebenso sei die umgekehrte Variante möglich. Bisher hätten sich daraus zwei favorisierte Szenarien ergeben. Den meisten Zuspruch erhalten bisher, dass die Relegationsteilnehmer nicht ab- und auch nicht aufsteigen oder die Relegationsteilnehmer auf-, aber nicht absteigen.

Warum konnte in anderen Regionen die Saison bereits abgebrochen werden, aber in Niedersachsen nicht?

Zum einen hinke der Vergleich mit anderen Landesverbänden, da teils andere rechtliche Grundlagen herrschen würden. Zudem sei der Weg der anderen Landesverbände lediglich ein Umweg. Die Entscheidungen der jeweiligen Verbandsvorstände müssen noch auf den jeweiligen Verbandstagen bestätigt werden. „Doch wer sagt, dass sich bis zum Verbandstag nicht wieder alles ändert? In den letzten Wochen ändert sich ständig vieles. Vielleicht kann sogar ab Juli wieder gespielt werden. Dann würde die Entscheidung des Verbandsvorstandes auf dem Verbandstag vielleicht nicht bestätigt werden“, betonte ein NFV-Mitarbeiter in dem Webinar.

In dem Webinar wurde nochmals deutlich, welche Varianten die bisher bevorzugten sind. Seitens der Vereine stehen besonders die Varianten 1 und 2 hoch im Kurs. Das scheint ebenso für den NFV zu gelten, der zudem betonte, dass Variante 3, die Annullierung der Saison, aufgrund der weitreichenden Folgen „nicht ratsam“ (Distelrath) sei.

Mögliche Folgen für Saison 20/21

Ist dann mal entschieden, wie mit der Saison 2019/2020 umgegangen wird, rückt die Saison 2020/2021 in den Fokus. Und je nach Variante für die Vorsaison könnte das weitreichende Konsequenzen auf die anschließende Spielzeit haben. Bei Variante 2, ohne Absteiger, aber mit Aufsteigern, würden die Ligen entsprechend stark anwachsen. Das bedeutet: mehr Belastung für Mannschaften, Schiedsrichter, Spielstätten. In manchen Ligen würde der Spielplan dann ganze 40 Spieltage umfassen.

Als Beispiel für diese Variante hatte der NFV im Webinar die Konsequenzen für die Landesliga Lüneburg und die dazugehörigen Bezirksligen skizziert. Die Landesliga würde demnach mit 19 Teams die nächste Saison bestreiten. Das bedeutet im Fall der Sollgröße der Liga (16 Teams) für den Sommer 2021, dass es acht Absteiger geben müsste. Ebenso würden alle Bezirksligen Lüneburgs mit mindestens 18 Teams an den Start gehen.

Zudem ist alles abhängig von dem Beginn der neuen Saison. Denkbar ist seitens des NFV dann auch eine verkürzte Spielzeit und eine Liga in zwei Staffeln aufzuteilen. Beispiel: statt einmal 16 zweimal acht Mannschaften.

Wie geht es weiter?

Nun will der NFV am 20. Mai in einer weiteren Sitzung die Ergebnisse aus dem Webinar weiter konkretisieren. Am 22. Mai soll dann der außerordentliche Verbandstag einberufen werden. Die Einberufungsfrist von zehn Wochen dafür soll entsprechend verkürzt werden, sodass der Verbandstag spätestens am 27. Juni stattfinden kann. Dann soll endlich auch die alles umfassende Frage beantwortet werden: Wie geht es mit dem Amateurfußball in Niedersachsen weiter?

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