Ehemalige Grundschule Lemwerder-West Kunst in alten Klassenzimmern

Das Bremer Künstlerpaar Miriam Warwas und Anton Eglsoer baut die ehemalige Grundschule Lemwerder West zu einem Wohnhaus mit Atelier, Galerie und Seminarraum um.
15.05.2020, 07:32
Lesedauer: 3 Min
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Kunst in alten Klassenzimmern
Von Barbara Wenke

Lemwerder. Die Bremer Grafikdesignerin Miriam Warwas erweckt die ehemalige Grundschule West aus ihrem Dornröschenschlaf. In den kommenden Monaten wird aus dem Schulgebäude, in dem Generationen von Lemwerderanern Rechnen, Schreiben und Lesen gelernt haben, ein Wohnhaus mit Atelier sowie Ausstellungs- und Seminarraum.

„Im Moment ist das hier alles noch eine Baustelle“, sagt die Künstlerin während eines Rundgangs. Im ehemaligen Lehrerzimmer gleich neben der zweiflügeligen Eingangstür stapeln sich Paletten, Steine und Heizkörper. Noch gehört einiges an Fantasie dazu, sich hier eine Galerie mit Ausstellungsstücken vorstellen zu können. Dem Künstlerpaar Miriam Warwas und Anton Eglsoer gelingt genau das allerdings problemlos.

„Hier kommt noch ein Durchbruch hin“, sagt Anton Eglsoer im nächsten Raum. Mit den Händen malt er einen Durchgang an die Wand des ersten Klassenraums, der zur Kindergartenzeit der Immobilie die grüne Gruppe beherbergt hat. Der geplante Durchbruch weist in Richtung Lehrerzimmer. „Das wird ein Gang ohne Fenster, nur mit Kunstlicht, so dass man die Bilder gut beleuchten und in Szene setzen kann“, schwärmt der Tischler.

Die Ausstellungen sollen einen regionalen Bezug aufweisen, blickt die neue Eigentümerin in die Zukunft. „Ich wünsche mir Künstler aus der näheren Umgebung. Außerdem kann ich mir themenbezogene Ausstellungen oder am Wochenende auch mal einen Motto-Flohmarkt, eine Lesung oder einen Vortragsabend vorstellen.“ Ideen hat sie en masse. Miriam Warwas betont aber, dass sie nicht mit der Begu in Konkurrenz treten, sondern eine Ergänzung des Raumangebots in Lemwerder darstellen möchte. „Ich wünsche mir eine konstruktive Zusammenarbeit.“

Im zweiten Klassenraum der ehemaligen Grundschule, die nach dem verheerenden Feuer im kommunalen Kindergarten vor fast genau sechs Jahren für zweieinhalb Jahre als Kindergarten genutzt wurde, werden Miriam Warwas und Anton Eglsoer einen Seminarraum einrichten. „Der Raum kann gemietet werden“, sagt die Eigentümerin. Möglich seien Abend-, Tages-, Wochenend- oder auch mehrtägige Seminare. Allerdings werde der Raum, den zu Kindergartenzeiten die blaue Gruppe beansprucht hat, nicht als Partyraum vermietet. „Ich sehe hier keine laute Musik am Abend.“ Vielmehr setzt die Grafikdesignerin auf Erwachsenenbildung oder Seminare in Richtung Naturschutz.

Durch den dritten Raum zieht sich eine Rille im Fußboden. Elektriker haben dorthin Leitungen verlegt. Jetzt ist es Miriam Warwas, die mit ihren Händen Bilder in die Luft malt. „Hier kommt ein großer Tisch hin“, erzählt sie mitten im Raum stehend. Von den Kabeln im Boden wird ihr Arbeitstisch mit Energie gespeist. Noch hallt der Raum, weil bis auf den eingebauten Wandschrank kein Mobiliar vorhanden ist. Auch der Fußboden ist noch blank. Am Computer ihres Arbeitszimmers werden aber schon bald Logos für Unternehmen, Ideen für Wandflächen gastronomischer Betriebe sowie Buchillustrationen entstehen.

Nach den ersten drei Klassenräumen wird es privat. „Wir stehen jetzt im Schlafzimmer“, sagt Miriam Warwas im ehemaligen roten Gruppenraum. Schon jetzt freut sie sich auf den fantastischen Ausblick, der sich ihr von ihrem Bett aus bieten wird. „Von hier aus kann man schön auf die Kühe gucken.“ Im hinteren Teil des Gebäudes haben die Bremer bereits viel verändert. Aus der ehemaligen Kinderküche mit anschließendem Bewegungsraum ist mittlerweile ein riesengroßes Wohnzimmer mit offenem Küchenbereich geworden. Im Obergeschoss wird das Paar noch eine kleine Einliegerwohnung einrichten für Besuche seiner Tochter oder von Freunden. Obwohl die einzelnen Räume groß sind, stellt Miriam Warwas fest: „Wir haben manchmal das Gefühl, dass es hier viel zu klein ist.“

Die Corona-Pandemie hat die Planungen des Künstlerpaares ein wenig durcheinandergebracht. Statt im Juli werden die beiden Bremer nun wohl erst zum Ende des Sommers einziehen. Bis dahin schaffen sie sich ihre Traumimmobilie. „Wir haben hier ungefähr dieselben Räume wie in Bremen, nur ebenerdig und im Grünen“, stellt Miriam Warwas fest. „Das ist etwas fürs Alter.“

Grundstück und Haus sind aber auch etwas für die drei Hunde des Paares. „Wegen der Hunde waren wir seit Jahren auf der Suche nach etwas auf dem Land“, berichtet Anton Eglsoer. Dass sie in Lemwerder fündig geworden sind, liegt zu einem großen Teil an den Vierbeinern selbst, denn Miriam Warwas gehört seit Jahren der Rettungshundestaffel der Lemwerderaner Feuerwehr an.

Hinter dem Gebäude haben Warwas und Eglsoer den Terrassenbereich neu gestaltet. An der Front, das haben sie vertraglich zugesichert, werden sie hingegen alles so lassen, wie es ist. „Nichts liegt mir ferner, als die Ästhetik des Gebäudes zu zerstören“, betont die Eigentümerin, die nach knapp zweijährigen Verhandlungen kurz vor Weihnachten den Kaufvertrag unterzeichnet hat. Den Wert hatte ein Gutachterausschuss ermittelt, teilt Bürgermeisterin Regina Neuke auf Nachfrage mit. Den exakten Preis nennt sie nicht.

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