Wattenmeer-Zentrum Bunker im Glashaus

Der Entwurf ist spektakulär: Ein Glaskubus, der einen 80 Jahre alten Bunker umschließt. In Wilhelmshaven soll damit ein neues Zentrum für das Weltkulturerbe Wattenmeer entstehen. Noch hängt es aber am Geld.
18.08.2022, 05:00
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Bunker im Glashaus
Von Jürgen Hinrichs

 „Der Bunker ist wie ein Berg“, sagt Dorte Mandrup. Ein Berg am Jadebusen. Schroffer Stein, abweisend und kriegserfahren. Mandrup packt das 80 Jahre alte Relikt in Glas ein, die Hülle bekommt eine Hülle und wird dadurch nicht verborgen, sondern herausgehoben. Das ist das Projekt.

Die Architektin aus Kopenhagen hat damit vor vier Jahren in Wilhelmshaven einen internationalen Wettbewerb gewonnen. Die Jury war begeistert, doch dann fingen die Probleme an: zu teuer, die Kosten explodierten förmlich. Mittlerweile wurden sie wieder eingefangen. Wilhelmshaven hält an dem Projekt fest.

Entstehen soll ein Zentrum für das Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer. „Wir gehen nach aktuellem Stand davon aus, dass im Frühjahr 2023 die ersten Aufträge für den Bau erfolgen können“, erklärt auf Anfrage Julia Muth, Pressesprecherin der Stadt. Voraussetzung sei allerdings, dass neben den bereits zugesagten Förderungen weitere hinzukämen.

Der erste Antrag für einen Zuschuss stammt aus dem Jahr 2016, so lange wird schon für das „Trilaterale Weltnaturerbe-Wattenmeer-Partnerschaftszentrum (TWWP)“ geplant. Damals war nach Darstellung von Muth mit Kosten in Höhe von 7,6 Millionen Euro gerechnet worden. „Das war noch vor dem Architektenwettbewerb“, so die Sprecherin. In der Spitze wurden danach knapp 27 Millionen Euro erreicht. Deutlich zu viel für das klamme Wilhelmshaven, obwohl bereits einiges an Geld ergattert werden konnte: 5,15 Millionen Euro kommt von der Städtebauförderung, vier Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“.

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Aufstecken wollte die Stadt aber nicht. Der Rat beschloss, die Gesamtbaukosten bei 19,7 Millionen Euro zu deckeln – mit der Folge, dass die Architektin noch einmal richtig ins Geschirr gehen musste. Wo bisher mit Stahl geplant wurde, im Foyer zum Beispiel und an den Fassaden, ist es nun Aluminium, was verbaut werden soll. Geld spart auch, dass die Decken nun niedriger und die Büroflächen kleiner werden sollen. Am Ende der Rechnerei waren es rund sieben Millionen Euro weniger. Eine Punktlandung, denn genau dort liegt die festgelegte Obergrenze.

Doch so fest dieser Deckel auch sitzt, er wird immer wieder gesprengt – zuletzt im März, als wegen der immensen Preissteigerungen beim Baumaterial zusätzliche 270.000 Euro zu Buche schlugen. Wieder musste der Stadtrat von Wilhelmshaven überlegen, und wieder entschied er sich, weiterzumachen, unter der Bedingung, dass der Eigenanteil an den Kosten durch weitere Förderungen stabil bleibt.

Das TWWP wird das Gemeinsame Wattenmeer-Sekretariat der drei Länder Dänemark, Deutschland und Niederlande aufnehmen, weitere Büros bezieht die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Es gibt in dem Haus aber auch öffentliche Bereiche. Das Foyer im Erdgeschoss ist um den Bunker herum als Eingangsbereich gestaltet. Auf der Bunkerdecke lädt ein nach oben offener Innenhof ein. Die Dachterrasse erlaubt den Blick auf das nahe Wattenmeer. So wie sich im Nationalpark Ebbe und Flut abwechseln, werden auch in dem Neubau schon allein wegen der filigranen Glasfassade um den massigen ehemaligen Luftschutzbunker starke Kontraste wirken. Die Hülle spiegelt tagsüber ihre Umgebung wider und strahlt wie ein Leuchtturm, wenn es dunkel ist.

Zur Sache

Im geplanten Trilateralen Weltnaturerbe-Wattenmeer-Partnerschaftszentrum laufen die Informationen der Wattenmeerforscher zusammen, dort soll sich auch die Verwaltung ballen. Anders verhält es sich mit dem bereits bestehenden Wattenmeer-Besucherzentrum am Südstrand von Wilhelmshaven. Es ist im Mai nach zwei Jahren Umbauzeit wiedereröffnet worden. Die neue Dauerausstellung auf rund 2000 Quadratmetern soll stark auf die Sinne der Besucher wirken, sie können anfassen, zuhören und mitmachen. Die Lebensräume im Wattenmeer, Sandbänke etwa oder Salzwiesen, werden so dargestellt, dass sie begehbar sind.

Der Umbau hat acht Millionen Euro gekostet - eine Investition nicht nur für die Dauerausstellung, sondern auch zur Vergrößerung des Vortragssaals, von dessen Terrasse aus der Blick weit über das Wattenmeer im Jadebusen geworfen werden kann. In dem Projekt enthalten war auch die Erneuerung der gesamten Technik und aller Räume.

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