Bremer Ausstellung thematisiert Freiheitskampf der Saharauis in der Westsahara Afrikas letzte Kolonie

Bremen. Es bleibt dabei. Vor einem Jahr schon plädierte die Bremische Bürgerschaft dafür, das UN-Referendum in der Westsahara endlich durchzuführen.
28.02.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von LIANE JANZ

Bremen. Es bleibt dabei. Vor einem Jahr schon plädierte die Bremische Bürgerschaft dafür, das UN-Referendum in der Westsahara endlich durchzuführen. Geändert hat sich in der Wüstenregion nichts. Das Schicksal der Menschen dort ist erneut Thema in Bremen. „Von der Tradition zur Emanzipation“ heißt eine Ausstellung in der Volkshochschule Faulenstraße, die Bürgerschaftspräsident Christian Weber am Montag eröffnete, organisiert vom Bremer Verein „Freiheit für die Westsahara“. Nadjat Hamdi, Vertreterin der Frente Polisario in Deutschland, sprach über die politische Lage und die Situation der Frauen in der Region.

1974 zog sich Spanien als Kolonialmacht aus dem Gebiet im Nordwesten Afrikas zurück, dafür marschierte Marokko ein. Die Saharauis wehrten sich gegen die neuen Besetzer. Die Männer leisteten bewaffneten Widerstand, die Frauen flohen mit den Kindern ins benachbarte Algerien. Dort gestrandet, mussten sie in der Wüste von vorn anfangen. „Es gab nichts außer Steinen“, erzählt Nadjat Hamdi, die selbst als Kind mit ihrer Familie aus der Westsahara nach Algerien floh. Kein Wasser, keine Lebensmittel, kein Unterschlupf – die Frauen begannen, Lebensmittel zu organisieren, Häuser zu bauen und ein Bildungssystem zu etablieren. „Das sind Frauen, die aus der Not einfach funktionieren mussten“, erklärt Nadjat Hamdi. Die Kombination aus einem gesunden Selbstbewusstsein und der Notsituation, in der sie sich wiederfanden, gepaart mit zunehmender Bildung habe aus den Flüchtlingen präsente, starke Frauen in der saharauischen Gesellschaft gemacht, erzählt Nadjat Hamdi, die jetzt in Berlin lebt.

Am 27. Februar 1976 rief die „Volksfront zur Befreiung von Saguía el Hamra und Río de Oro“, kurz Frente Polisario, die Demokratische Arabische Republik Sahara aus. Bis 1990 bekriegten sich Besatzer und Besetzte. Etwa ein Drittel des Gebietes konnten die Saharauis zurückerobern; der Landstrich ist durch einen 2700 Kilometer langen Wall vom Rest getrennt. Seit 1991 herrscht ein Waffenstillstand, der im Süden des Landes zu brechen droht. Dort stehen sich derzeit die saharauische und die marokkanische Armee gegenüber, schildert Nadjat Hamdi. Mit dem Waffenstillstand wurde auch vereinbart, unter Aufsicht der UN eine Abstimmung über die Zukunft der Westsahara durchzuführen. Gekommen ist es dazu bis heute nicht; die Frente Polisario macht Marokko dafür verantwortlich.

Das Volk der Saharauis ist auseinandergerissen: Viele leben im besetzten Gebiet, rund 160 000 in Flüchtlingslagern in Algerien. Im befreiten Gebiet gebe es nur Soldaten, sagt Nadjat Hamdi. Das liege daran, dass dort noch immer viele Landminen vergraben sind. Einen Lageplan habe man nicht, und der wandernde Sahara-Sand mache die Bergung schwierig. Zudem befänden sich die natürlichen Ressourcen der Westsahara im besetzten Teil.

Das sei auch der Punkt, an dem es anzusetzen gelte. „Früher habe ich mir gewünscht, dass Deutschland sich engagiert, um eine friedliche Lösung des Konflikts zu erreichen“, sagt Nadjat Hamdi. Ihre Wünsche sind kleiner geworden. „Heute wünsche ich mir, dass Deutschland sich nicht an der Ausbeutung der Westsahara beteiligt.“ So urteilte 2016 der Europäische Gerichtshof erneut, dass sich das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Marokko nicht auf in der Westsahara produzierte Güter beziehen darf. „Wenn Deutschland das respektiert, dann werde ich mehr als zufrieden sein“, betont Nadjat Hamdi.

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