Kommentar zur Vereidigung des US-Präsidenten Viele Baustellen warten auf Joe Biden

Der künftige US-Präsident Joe Biden und seine Stellvertreterin Kamala Harris werden es nicht einfach haben, die Probleme der USA zu lösen. Das meint unser Gastkommentator Neil van Siclen.
17.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Neil van Siclen

Amerika hat gewählt, und ein neuer Präsident wird am Mittwoch seinen Amtseid ablegen. Joe Biden und Kamala Harris werden es nicht leicht haben, die Probleme der USA zu lösen. Derzeit praktiziert der ausscheidende Amtsinhaber eine Politik der verbrannten Erde und produziert bewusst möglichst viele innen- wie außenpolitische Baustellen, um die sich der künftige Präsident und seine Vizepräsidentin kümmern müssen.

Die wichtigste Aufgabe für die neue Regierung wird die Bekämpfung des Coronavirus sein. Mit lediglich 4,25 Prozent der Weltbevölkerung haben die USA etwa 25 Prozent der weltweit gemeldeten Covid-19-Fälle. Bidens künftiger Amtsvorgänger hat sich erst nach langer Verleugnung sehr spät um den Einhalt der Ausbreitung des Virus gekümmert, noch dazu nur halbherzig. Die neue Regierung wird dieses Missmanagement korrigieren und die Bekämpfung besser koordinieren wollen.

Als zweite große Herausforderung kommt die Spaltung in der amerikanischen Gesellschaft hinzu, die es zu überwinden gilt. Der derzeitige Amtsinhaber, seine Regierung, seine Helfer und Helfershelfer haben über vier Jahre lang mit Falschheiten, Fehlinformationen, Hetze und Lügen absichtlich einen großen Keil tief in eine bereits gespaltene Gesellschaft getrieben. Dieses Zerwürfnis gipfelte im Angriff auf das Kapitol und die US-Demokratie am 6. Januar. Der Riss in der amerikanischen Bevölkerung wird eine Biden/Harris-Regierung in einer Amtszeit nicht kitten können. Zu lange wurden die gesellschaftlichen Probleme des Landes ignoriert.

Als dritte innenpolitische Aufgabe müssen sich die Neugewählten um die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt kümmern. Durch die erheblichen Steuersenkungen des bisherigen Amtsinhabers und die damit verbundenen Aktienrückkäufe ist eine Blase an der Wall Street entstanden, die zu platzen droht. Coronabedingt ist die Arbeitslosigkeit in Dezember auf 6,7 Prozent geklettert. Die Erwerbslosigkeit ist somit fast doppelt so hoch wie im Vor-Corona-Monat Februar (3,5 Prozent).

Außenpolitisch ist die Liste der Baustellen lang: die Beziehungen zur Nato, die Atomproblematik mit Iran und Nordkorea, Putins weltweiter digitaler Krieg, die wirtschaftliche, politische und territoriale Expansion Chinas, der Klimawandel, die Kämpfe in Syrien, die Gefechte in Jemen – um nur ein paar der Brandherde zu nennen.

Vor vier Jahren schrieb ich an dieser Stelle, dass auch eine Ära Trump vorbeigehe. Nun heißt es, die Scherben aufheben und Kaputtes ersetzen.

Info

Zur Person

Unser Gastautor

ist Präsident des Carl Schurz Deutsch-Amerikanischen Clubs in Bremen und ­leitet ein Übersetzungsbüro. Er ist in Boston aufgewachsen und US-Staatsbürger.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+