Kommentar über Chinas Investitionen

Peking macht Afrika wieder interessant

Chinas Investitionen haben das Interesse der europäischen Regierungschefs am südlichen Nachbarkontinent geweckt, bemerkt Felix Lee.
04.09.2018, 19:31
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Peking macht Afrika wieder interessant
Von Felix Lee
Peking macht Afrika wieder interessant
Lee

Peking ruft. Und 53 Länder folgen. Die Staats- und Regierungschefs so gut wie aller afrikanischen Ländern sind zu Chinas großem Afrika-Forum in der chinesischen Hauptstadt erschienen. Gastgeber Xi Jinping hat sich nicht lumpen lassen. Investitionen in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar sagte der chinesische Staats- und Parteichef zum Auftakt für die Entwicklung Afrikas zu, darunter 15 Milliarden Dollar als „Hilfen und zinslose Kredite“. Zusätzlich sollen einige Länder von ausstehenden Schulden befreit werden. Damit will der chinesische Staatschef Vorwürfe entgegentreten, sein Land wolle über eine großzügige Kreditvergabe andere Länder untertan machen. All das könnte nur ein erster Vorgeschmack sein. Laut Nachrichtenagentur Xinhua hat er ein „gewaltiges Infrastrukturprojekt für Afrika“ angekündigt, das den Kontinent mit China verbinden soll. In chinesischen Medien ist sogar von Investitionen in Höhe von über eine Billion Dollar die Rede, die China im Rahmen seiner Neuen Seidenstraße in den nächsten Jahren in Afrika investieren wolle.

Das ist allerdings genau das, was der Westen an Chinas Afrika-Politik kritisiert. Mit dem Mega-Projekt sucht sich die Chinesen nicht nur Rohstoffquellen, indem sie Mienen, Agrarflächen und Häfen kaufen und sie in eigener Regie ausbeuten, sondern auch neue Absatzmärkte. Und die wirtschaftlich besonders abgehängten Staaten bieten sich als Opfer an, mit chinesischer Billigware überflutet zu werden. Von einem neuen Kolonialismus ist die Rede. Welchem Despoten sie dabei Gelder in den Rachen schieben, scheint China egal zu sein. Hauptsache, die Geschäfte laufen.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der Handel zwischen China und Afrika boomt. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 170 Milliarden Dollar haben die Chinesen sowohl die USA als auch die EU überholt. In nur 17 Jahren hat sich Chinas Handelsvolumen mit Afrika damit mehr als verzwanzigfacht. Zugleich haben auch Chinas Direktinvestitionen massiv zugenommen. Fast täglich macht das Reich der Mitte mit einer neuen Großinvestition von sich reden: Chinesische Unternehmen bauen quer durch den Kontinent Straßen, Schienen und Stromleitungen. Flughäfen, Kraftwerke, Fußballstadien, Regierungsgebäude, ja ganze Städte werden mit chinesischen Geldern errichtet. Mehr als 10 000 chinesischen Unternehmen sollen es laut der Unternehmensberatung McKinsey sein, die in Afrika investiert haben. Das hat bereits Hunderttausende an Arbeitsplätze geschaffen und bescheidenen Wohlstand.

Zwar gibt es immer wieder Kritik am Gebaren der chinesischen Unternehmer. Sie würden fundamentale Arbeitsrechte nicht einhalten. Zudem mehren sich die Stimmen, die davor warnen, Chinas Freigiebigkeit könnte Länder in eine Schuldenfalle treiben und sie damit von Peking abhängig machen. In Dschibuti etwa am strategisch wichtigen Horn von Afrika, machen chinesische Kredite fast 80 Prozent der Schuldenlast aus. Sambia, Angola und Kongo sind in ähnlichem Ausmaß bei China verschuldet. Dennoch scheint eine Mehrheit der Afrikaner Chinas Engagement zu begrüßen. Einer Umfrage von Afrobarometer zufolge beurteilen zwei Drittel der Menschen in 36 afrikanischen Ländern das Verhalten der Chinesen als „gut“.

Es waren Europa und die USA, die den Kontinent noch in den neunziger Jahren als hoffnungslosen Fall abgetan haben. Auch heute verbinden viele Europäer Afrika vor allem mit Hunger, Elend und Flüchtlinge. Inzwischen haben Chinas Investitionen jedoch das Interesse der europäischen Regierungschefs am südlichen Nachbarkontinent geweckt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Großbritanniens Regierungschefin Theresa May bereisten vergangene Woche fast zeitgleich jeweils drei afrikanische Länder.

Deutschlands Engagement nach Afrika hat zwar schon erheblich zugenommen. Die deutschen Investitionen stiegen 2016 um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und betrugen 10,5 Milliarden Euro. Sie machen dennoch nicht einmal ein Prozent der deutschen Auslandsinvestitionen aus. Viele Deutsche schauen mit Argwohn auf diese boomende Handelsachse Afrika-Fernost. Nichtregierungsorganisationen werfen den Chinesen vor, sie seien nur an den Bodenschätzen interessiert, aber weder an Umweltschutz noch an Menschenrechte. Der angolanische Ökonom José Cerqueira hält dem entgegen: „Für die westliche Entwicklungshilfe sollen wir Ohren haben, aber keinen Mund“, so Cerqueira. Mit den chinesischen Geschäftsleuten hingegen werde knallhart verhandelt – das jedoch auf Augenhöhe.

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