Sogenanntes Open-Device-Lab stellt Bremer Softwareentwicklern Handys und Tablets kostenfrei zur Verfügung Student gründet ersten Mobil-Gerätepark

In Hamburg gibt es zwei, in Berlin drei und in Köln sogar vier Open-Device-Labs – Läden, in denen sich Programmierer kostenfrei mobile Endgeräte ausleihen können, um darauf ihre Ideen auszuprobieren und umzusetzen. Seit Kurzem können auch Bremer Programmierer auf einen solchen Gerätepark zurückgreifen: Der Student Steve Liedtke hat das erste Open-Device-Lab in der Hansestadt gegründet.
28.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Student gründet ersten Mobil-Gerätepark
Von Maren Beneke

In Hamburg gibt es zwei, in Berlin drei und in Köln sogar vier Open-Device-Labs – Läden, in denen sich Programmierer kostenfrei mobile Endgeräte ausleihen können, um darauf ihre Ideen auszuprobieren und umzusetzen. Seit Kurzem können auch Bremer Programmierer auf einen solchen Gerätepark zurückgreifen: Der Student Steve Liedtke hat das erste Open-Device-Lab in der Hansestadt gegründet.

Am Anfang stand ein Problem: Zusammen mit Kommilitonen hatte Steve Liedtke eine App entwickelt. Da diese aber nicht nur auf einem bestimmten Handymodell, sondern auf vielen Smartphones fehlerfrei laufen sollte, brauchten die Studenten der Hochschule Bremen geeinigte Geräte, auf denen sie ihr Programm austesten konnten. „Wir mussten uns die Geräte mühselig von Freunden und Bekannten zusammenleihen“, erinnert sich der 25-jährige Steve Liedtke. „Wer gibt schon gerne sein Handy aus der Hand, damit jemand anderes ein neues Programm daraufspielt?“

Nach einem Gespräch mit dem Bremer Webdesigner Andreas Dantz sei er im vergangenen Jahr schließlich auf die Idee gekommen, alte Smartphones und Tablets zu sammeln und diese bei Bedarf an andere Softwareentwickler abzugeben. Zunächst verlieh Steve Liedtke die Geräte zusammen mit anderen Mitgliedern des Vereins Hackerspace, von ihrem Sitz Am Wall aus. Da die Smartphones und Tablets dort aber nur abends oder am Wochenende ausgegeben werden konnten, beschloss Liedtke, das Open-Device-Lab von dem Co-Working-Space der IT-Unternehmensgruppe Team Neusta im Schuppen Eins aus zu betreiben. Nutzer des kostenfreien Angebots können seither vor Ort ihre Programme auf die Smartphones und Tablets spielen und austesten. Sofort nachdem sie die Geräte dann zurückgegeben haben, werden die Programme auch wieder entfernt.

Über eine Website haben Softwareentwickler und Programmierer seit Kurzem nun auch über eine Website Zugriff auf die insgesamt 13 unterschiedlichen Geräte: vom iPhone über das Samsung Galaxy bis hin zum Sony Xperia Tipo. Alle Smartphones und Tablets wurden gespendet oder sind Leihgaben von anderen Unternehmen. Mit allen Geräten kenne er sich aber nicht aus, sagt Steve Liedtke. Das sei kein Problem: Da er das Open-Device-Lab gemeinsam mit anderen Hackerspace-Mitgliedern betreibt, „ist immer jemand da, der weiterhelfen kann“, so der Student.

Die interessantesten Geräte des Verleihs seien seiner Ansicht nach die ganz kleinen, denn für diese müsse sich der Softwareentwickler in seiner Arbeit oft auf ganz andere Formate und Auflösungen einstellen. Auch Steve Liedtke hat bereits Erfahrungen damit gesammelt, was passiert, wenn ein App-Projekt auf dem einen Smartphone läuft, auf einem anderen Modell aber nicht: Die App, die er an der Hochschule entwickelt hatte, funktionierte für das Betriebssystem Android – lief aber längst nicht auf allen Endgeräten, auf denen das System installiert war.

Dieses App-Projekt sollte nicht das letzte sein, mit dem sich der 25-Jährige beschäftigt hat. So hat er etwa ein Programm für seinen Verein Hackerspace entwickelt, das den Mitgliedern zeigt, wann die Vereinsräume geöffnet sind. Zwei bis drei ganze Tage habe er für diese Arbeit gebraucht. Und am Ende nutzte er dann auch die unterschiedlichen Endgeräte des Open-Device-Labs, damit die App auf allen Smartphones der Mitglieder einwandfrei läuft.

Doch welchen Vorteil gibt es überhaupt für Steve Liedtke, wenn er den Gerätepark nun für andere Softwareentwickler betreibt und dafür noch nicht einmal Geld bekommt? „Ich organisiere einfach wahnsinnig gerne“, sagt der junge Mann, der kurz vor dem Abschluss seines Masterstudiums steht. Bereits jetzt ist er in ein Software-Projekt von Team Neusta eingebunden – daher sei der Aufwand, das Open-Device-Lab aus dem Schuppen Eins heraus zu betreiben, überschaubar. Und natürlich, sagt Liedtke, profitiere er auch vom Kontakt zu den anderen Programmierern und bleibe so stets auf dem neuesten Stand beim Thema Softwareentwicklung.

Sein Ziel ist nun, weitere Smartphones und Tablets für das Open-Device-Lab zu sammeln. „Je mehr unterschiedliche Geräte wir haben, desto besser“, sagt der 25-Jährige. Und auch, wenn er sein Studium demnächst beenden wird, will er den mobilen Gerätepark weiter vom Speicher Eins aus betreiben. Die Aussichten dazu sind gut: Nach eigenen Angaben wird Liedtke demnächst als Vollzeit-Softwareentwickler für das Unternehmen Team Neusta tätig sein. Dessen Mitarbeiter greifen schon jetzt für einzelne Projekte auf das Open-Device-Lab zurück. Steve Liedtke: „Es profitieren also alle davon.“

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