Videospiel-Test: „Trüberbrook“

Verschwörung in der Provinz

Zwei Auszeichnungen beim Deutschen Computerspielpreis hat „Trüberbrook“ erhalten. Mit einem ungewöhnlichen Konzept überzeugen die Entwickler. Ganz stimmig ist der Titel allerdings nicht.
18.04.2019, 16:25
Lesedauer: 2 Min
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Von Niklas Golitschek
Verschwörung in der Provinz

"Trüberbrook" ist herrlich inszeniert und auch die Geschichte um Hans Tannhauser (links) ist gut durchdacht.

Headup Games

Eine ungewöhnliche Kombination: Eigentlich ist die bildundtonfabrik (btf) bekannt als Unternehmen für Fernsehproduktionen, vor allem für das „Neo Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann. Als Videospiel-Entwickler ist das Team bislang nur am Rande in Erscheinung getreten.

Mit dem Abenteuer „Trüberbrook“ soll sich das nun ändern; dafür ist btf eine Kooperation mit dem deutschen Videospiel-Vertreiber Headup Games eingegangen. Frischen Wind in das Genre bringt allein die Art der Produktion. Denn die einzelnen Kulissen rund um das fiktive, verschlafene Örtchen Trüberbrook wurden zunächst händisch gebaut und dann mittels Photogrammetrie digitalisiert.

GLeicht eher einem unterhaltsamen Kurzfilm

Das gibt der Spielwelt plastischen und detaillierten optischen Anstrich mit unterschiedlichen Kulissen, wie sie in vergleichbaren Titeln kaum zu finden sind. Mit einem ähnlichen Verfahren wurden die Figuren auch virtuell zum Leben erweckt. Dadurch fühlt sich das Spiel mehr wie ein unterhaltsamer Kurzfilm an, der mit dem Stop-Motion-Verfahren gedreht wurde.

Stoff für die Kinoleinwand bietet auch die Geschichte rund um Trüberbrook: Angesiedelt in den 60er-Jahren gewinnt der amerikanische Physiker Hans Tannhauser unverhofft eine Reise in den abgelegenen Kurort. Viele Menschen lassen sich dort jedoch nicht mehr blicken, seit das örtliche Bergwerk von einer dubiosen Firma übernommen wurde und sich seitdem merkwürdige Dinge abspielen. Übrig sind unter anderem die Hotelbesitzerin und der verbitterte, ehemaliger Besitzer des Bergwerks.

Doch so trist und unscheinbar die Kulisse zunächst wirkt, so viele dunkle Machenschaften spielen sich im Hintergrund ab. Als Hans gleich in der ersten Nacht seine Unterlagen gestohlen werden und er die Paleoanthropologin Gretchen kennenlernt, macht er sich auf die Suche – und wird notgedrungen Teil dieser skurrilen Geschehnisse rund um eine große Verschwörung. Eine Monotonie oder Vorhersehbarkeit lassen die Macher durch kluge Brüche und Wendungen gar nicht erst aufkommen.

Die Entwickler haben sich unter anderem von den Fernsehserien „Twin Peaks“ und „Akte X“ inspirieren lassen. Wie für ein Point-and-Click-Adventure üblich, muss der Protagonist in der Welt immer wieder versteckte Gegenstände finden und sie kombinieren, um das Geschehen voranzubringen.

So kreativ sie mit den Rätseln umgehen, manchmal schießen die Entwickler einfach über das Ziel hinaus. Hinzu kommt, dass Tipps oder Hinweise quasi nicht existent sind, die hätte man klüger beispielsweise in die durchaus unterhaltsamen Dialoge einbringen können. Einen Dosenöffner aus einem See zu fischen, um diesen dann auf eine Ritterrüstung zu werfen – darauf muss man erst einmal kommen.

Titel: "Bestes Deutsches Spiel"

Dabei sind die Dialoge durchaus unterhaltsam, wenn auch manchmal etwas langatmig. Wer sich an denglischen Unterhaltungen erfreut, stellt die Sprache auf Englisch, auch das ist einer der authentischen Ansätze. Mit Jan Böhmermann, Nora Tschirner oder Dirk von Lowzow sind dabei durchaus bekannte Stimmen zu hören. Abstriche macht „Trüberbrook“ dagegen in der Steuerung.

Die einzelnen Kommandos erfüllen ihre Funktion nicht durchgehend, hier und da hakelt es auch noch. In dem Genre ist das jedoch leider keine Seltenheit. Dennoch ist btf und Headup mit Trüberbrook eine aussichtsreiche Zusammenarbeit gelungen, die auf dem Deutschen Computerspielpreis 2019 auch gleich die Titel „Bestes Deutsches Spiel“ und „Beste Inszenierung“ bekommen hat. Der Preis selbst mag umstritten sein, diese Entscheidung geht jedoch in Ordnung.

Weitere Informationen

Bewertung des Computerspiels "Trüberbrook".

Bewertung des Computerspiels "Trüberbrook".

Foto: Weser Kurier Grafik
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