Das Lucerne Festival Fülle des Wohllauts vor Alpenlandschaft

Luzern, das kulturelle Zentrum der Zentralschweiz, bietet betörende Konzerte und spektakuläre Ausblicke
07.01.2020, 15:00
Lesedauer: 6 Min
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Fülle des Wohllauts vor Alpenlandschaft
Von Hendrik Werner

Luzern. So lustig und schön eine Fahrt über den Vierwaldstättersee üblicherweise ist, so existenziell kann sie geraten, wenn abends unvermittelt ein heftiges Gewitter aufzieht, wenn grelle Blitze die umstehenden Berge
illuminieren, von den Steilwänden vielfach gebrochener Donner hallt und Sturzregenfälle über das Gewässer peitschen.

Furchtsame Passagiere des Katamarans MS Bürgenstock, der von Luzern aus in einer halben Stunde die abgeschiedene Kapellgemeinde Kehrsiten erreicht, mögen sich damit trösten, dass sie bei widriger Witterung nicht bloß in Gottes Hand sind, sondern überdies auf einem nachweislich robusten Schiff, zu dessen schneidigem Erscheinungsbild das Bremerhavener Konstruktionsbüro Judel/
Vrolijk & Co beigetragen hat. Und siehe: Ungeachtet der anhängigen Wetterunbilden legt das Boot fahrplangemäß an; um nicht zu sagen: präzise wie ein Schweizer Uhrwerk.

Für die meisten Übergangsreisenden, die mit dem Katamaran aus Luzern, dem kulturellen Zentrum der Zentralschweiz, übersetzen, ist der abenteuerliche Trip in Kehrsiten noch nicht beendet, sondern mündet in eine weitere spektakuläre Fahrt: mit der anno 1888 in Betrieb genommenen Bürgenstock-Standseilbahn, die innerhalb weniger Minuten von 434 auf 874 Höhenmeter aufsteigt – und während ihrer staunenswert steilen Fahrt grandiose Ausblicke auf den See und das erhabene Alpenpanorama eröffnet, das ihn umgibt.

Atemberaubende Perspektiven

Der Bürgenstock, ein ungefähr zehn Kilometer langer Bergrücken, der den pittoresken Vierwaldstädtersee zu drei Seiten umfasst, ist seit dem Jahr 1873 als Kurort und Kongressdestination verbürgt. Mit dem Hammetschwand-Lift beherbergt er überdies den höchsten Freiluftaufzug Europas; der schwindelerregende Aussichtspunkt an seiner Spitze liegt auf 1114 Meter über Normalnull.

Mal abgesehen von atemberaubenden Perspektiven auf mächtige Bergmassive wie Rigi und Pilatus gewährt das Hochplateau eine aparte Aussicht auf eine einzigartige Hotellandschaft, für die auch und gerade betuchte und prominente Gäste seit alters her schwärmen. So suchten unter anderem die Politiker Indira Gandhi, Jimmy Carter und Konrad Adenauer Erholung der luxuriösen Art auf dem Bürgenstock, dessen erste Blütezeit in die auf Glanz und Glamour abonnierten 1950er- und 1960er-Jahre fiel. Auch Schauspielern wie Charlie Chaplin und Sean Connery, der 1964 bei den Dreharbeiten zum James-Bond-Film „Goldfinger“ auf diesem Zauberberg weilte, hatte es der magische Ort angetan. Die italienische Aktrice Sophia Loren und ihr Mann Carlo Ponti wohnten zeitweilig sogar in dem Resort.

Als Pionierin unter den weltberühmten Fans dieser malerischen Gegend muss freilich die Hollywood-Schauspielerin Audrey Hepburn gelten. Sie heiratete im Jahr 1954, als Billy Wilders Drama „Sabrina“ herauskam, in dem sie die Titelrolle spielt, in der lauschigen Bürgenstock-Kapelle ihren ersten Mann, den Mimen, Regisseur und Filmproduzenten Mel Ferrer. Später wohnte die Hepburn in einem benachbarten Landhaus; im Jahr 1960 kam ihr Sohn Sean Hepburn Ferrer auf dem Bürgenstock zur Welt. Von den vielfältigen Umtrieben der Galagäste zeugen auf dem Bürgenstock zwei imposant inszenierte Museumstrakte und ein aus nachvollziehbaren Gründen Hollywood-Pool genannter Nassbereich, der unter Denkmalschutz steht.

Hoteldorf der Superlative

Prominenz indes schützt vor Patina nicht, und so laborierten die einst hochherrschaftlichen Häuser auf dem Bürgenstock gegen Ende des 20. Jahrhunderts zusehends an reichlich Renovierungsstau, defizitärer Repräsentativität und weiteren Alterssymptomen. Katarische Investoren setzten diesem Siechtum ein eindrucksvolles Ende, als sie – nach sage und schreibe neunjähriger Planungs-, Bau- und Umgestaltungszeit – im Herbst 2018 das Grand Opening eines Hoteldorfs der Superlative feiern konnten. Immerhin 30 Gebäude, darunter drei Hotels unterschiedlicher Kategorien, umfasst das für umgerechnet 500 Millionen Euro in luxuriösen Schuss gebrachte Ensemble.

Seit der spektakulären Resort-Neueröffnung hat das Lucerne Festival, eines der bedeutendsten Klassikevents europaweit, eine weitere Adresse, auf die sich eine wohlhabende internationale Klientel einigen kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Begriffe Wellness und Landschaft selten eine derart innige Beziehung eingegangen sind wie im Bürgenstock-Resort: Der Alpine Spa, der hoch über dem Vierwaldstädter See thront, gilt mit Fug und Recht als einer der schönsten Europas – und erntet wegen seiner architektonischen Raffinesse, die vor allem Motive des Himmels und des Wassers aufgreift, gleich reihenweise Designauszeichnungen. Zu seinen Höhepunkten zählt das Außenbecken, ein sogenannter Infinity Edge Pool, der einen spektakulären Blick auf die umliegenden Bergketten gewährt, ein fantastischer Garten, der zum meditativen Lustwandeln lädt, sowie ein abgedunkelter Floating-Raum, in dem sich dümpelnde Besucher der wohligen Illusion der Schwerelosigkeit hingeben können.

Aparte Akustik

Wohlgemerkt bei entspannender Musik. Dazu passt, dass Luzern für Klassikliebhaber ein klangvoller Name ist, der eine Fülle des Wohllauts bereithält. Das Lucerne Festival, das 2003 als Nachfolgeveranstaltungsreigen der „Internationalen Musikfestwochen Luzern“ vom italienischen Dirigenten Claudio Abbado und dem Gründungsintendanten Michael
Haefliger initiiert wurde, punktet und prunkt Sommer für Sommer mit großen Künstlern, betörenden Auftritten und überraschenden Paarungen. So wurden bei der Ausgabe des Jahres 2019, die unter dem beziehungsreichen Leitwort „Macht“ stand, der versierte Chefdirigent Riccardo Chailly und der Ausnahmepianist Denis Matsuev ebenso lautstark umjubelt wie die Musiker von Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra, das gemeinsam mit der deutschen Stargeigerin Anne-Sophie Mutter im Kultur- und Kongresszentrum auftrat, das nur einen Programmheftwurf vom Hafen entfernt liegt. Dessen aparte Akustik setzt seit 1998 Maßstäbe und hat sich entsprechend als Hauptspielstätte des Festivals bewährt, das ab dem Jahr 2020 Bestandteile des bislang eigenständigen Klavierfestivals integrieren soll. Doch keineswegs nur Hoch- und Höchstkultur geben im Spätsommer den Takt an; auch Weltmusik, Kleinkunst und kindgerechte Angebote gibt es zuhauf auf Außenbühnen an den Gestaden des Vierwaldstädter Sees.

Überhaupt darf Luzern als besonders kunstsinnige Stadt gelten. Die eidgenössischen Autoren Peter Bichsel und Rolf Dobelli, der Kabarettist Emil Steinberger und die Rapperin Loredana wurden dort geboren. Die Stadt wirbt offensiv damit, dass sich weitere Berühmtheiten wie der Dichter Leo Tolstoi, der Physiker Albert Einstein und der Komponist Richard Wagner am (oder gar im) Vierwaldstädtersee Inspiration für ihre denkbar unterschiedlichen Disziplinen holten. Das verwundert angesichts der landschaftlich betörenden Gegend nicht, die zu allen Zeiten Maler und Zeichner gelockt hat, die der betörenden Naturkulisse ihre Reverenz erwiesen. Das prächtige Kunstmuseum Sammlung Rosengart verdankt seine üppigen Bestände den innigen Kontakten des Kunsthändlers Siegfried Rosengart (1894–1985) zu exponierten Vertretern der Moderne, darunter Pablo Picasso und Joan Miró, Paul Klee und Marc Chagall.

Die Reise wurde unterstützt von Bürgenstock Hotels & Resorts und Lucerne Festival.

Info

Zur Sache

Das Lucerne Festival

Anreise: Mit dem Zug in etwa acht Stunden von Bremen nach Luzern. Mit dem Flugzeug vom Flughafen Bremen nach Zürich. Swiss Air fliegt mehrmals die Woche nach Zürich.

Übernachtung: Ein Zimmer im Fünf-Sterne-Bergresort Bürgenstock kostet ab 749 Euro. Infos unter www.buergenstock.ch.

Das Lucerne Festival findet in diesem Jahr vom 1. August bis zum 13. September statt. Zu hören sein werden etwa das Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Riccardo Chailly, Geigerin Anne-Sophie Mutter, die Sopranistin Anja Kampe, der Pianist Daniil Trifonov oder das West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim oder das London Symphony Orchestra mit Sir Simon Rattle.

Karten können online ab dem 23. März unter
ticketbox@lucernefestival.ch gebucht werden, telefonischer Kartenvorverkauf ab dem
25. März, montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr unter Telefon 00 41 / 41 / 2 26 44 80.

Weitere Informationen zum Lucerne Festival gibt es unter www.lucernefestival.ch.

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