Oxana Waldheim wird Geschäftsführerin Netzwerk Selbsthilfe bekommt neue Leitung

Oxana Waldheim fängt als Geschäftsführerin an. Sie löst Sabine Bütow ab, die nach 18 Jahren in der Leitung in Rente geht. Fünf neue Gruppen für Long Covid-Betroffene gegründet.
24.01.2022, 15:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus mho

Nach 28 Jahren wollte sie eine Veränderung, aber trotzdem im Gesundheitssektor bleiben. Und jetzt stellt Oxana Waldheim fest, dass ihr Wechsel von der Gesundheit Nord zum Netzwerk Selbsthilfe richtig war: „Auch mal raus zu kommen ist wichtig. Das ist eine ganz tolle Welt für mich", sagt die neue Geschäftsführerin des Netzwerk Selbsthilfe. Waldheim ist die Nachfolgerin von Sabine Bütow an, die seit 2004 als Geschäftsführerin gearbeitet hatte.

Eigentlich hat die gelernte Gesundheits- und Krankenschwester Oxana Waldheim gerne für die Geno gearbeitet. Sie  habe sich dort von der Krankenschwester zur Klinikpflegeleitung für Intensivstation und Unfall- und Allgemeinchirurgie in Bremen-Nord weiterentwickelt, erzählt sie. Die Geno habe sie immer unterstützt, auch als sie ihren Bachelor in Pflegemanagement machte und später ihren Master im Gesundheitsmanagement. Deshalb sei ihr der Wechsel schon "sehr schwer gefallen". 

Vermittlung von Ansprechpartnern

Das Netzwerk Selbsthilfe ist seinem Selbstverständnis nach eine „Kontaktstelle für Menschen, die andere Betroffene mit gleichen Sorgen und Nöten suchen“. Selbsthilfe sei das Kerngeschäft der Kontaktstelle, sagt Oxana Waldheim. „Und dazu gehört, Ratsuchenden, Angehörigen, Therapeuten und Ärzten bei der Suche nach einer Selbsthilfegruppe Unterstützung zu geben oder bei der Gründung einer solchen Gruppe zu helfen.“

In diesen Gruppen gehe es um den Austausch von Erfahrungen, fügt Vorgängerin Sabine Bütow hinzu: „Anhand verschiedener Erfahrungen lernt man unterschiedliche Sachen.“ Sie vergleicht das mit einer Art kaltem Buffet. "Erfahrungen kommen auf den Tisch, und man nimmt hier und da einen Happen. Dann stellt man sich sein eigenes Menü zusammen.“

Das gilt aktuell zum Beispiel auch im Bereich der Long Covid-Problematik. „Wir sind gerade dabei, zwei Long Covid-Gruppen in Lüssum und in Vegesack zu gründen“, berichtet Oxana Waldheim. „Das ist eine dankbare Aufgabe, denn viele Betroffene haben sich gemeldet und waren verzweifelt, weil es fast keine Angebote gibt.“

Alleine für dieses neue Krankheitsbild gibt es in Bremen vier Präsenz- und eine Onlinegruppe. Und das sie wichtig, betont Sabine Bütow. „Das Grundverständnis für diese Krankheit ist nicht da, das ist ein Tabuthema.“ So gebe es mitunter Menschen mit Long Covid-Leiden, die nicht in der Lage gewesen seien, an Präsenzsitzungen teilzunehmen, führt sie aus. "Sie mussten zu Hause auf dem Sofa liegen und online teilnehmen.“

Durch die Hygieneregeln zum Gesundheitsschutz gewinnt die Digitalisierung in der Selbsthilfe zusehends an Bedeutung. „Wir wollen Gruppen die Möglichkeit der digitalen Räume bieten – auf sicheren, deutschen Servern, wo sie sich online kostenlos Räume mieten können“, berichtet Sabine Bütow. „Man muss das anbieten, und da sind wir auf einem guten Weg“, sagt Oxana Waldheim. „Wobei man aber nicht vergessen darf, dass das Digitale das Zwischenmenschliche nicht ersetzen kann", mahnt sie. "Das gibt vielen Menschen Halt.“

Weiterhin engagiert

Für die scheidende Geschäftsführerin Sabine Bütow war die Arbeit ein „großes Geschenk“, wie sie sagt: „Ich bin so dankbar, wie vielfältig die Themen waren.“ Sie gehe nun zwar in Rente. Das heißt jedoch nicht, dass sie sich nicht mehr engagieren wird. „Ich bin nun im Bundesvorstand der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen", erzählt sie. Im Netzwerk Selbsthilfe in Bremen werde sie aber nicht mehr mitmischen: „Es soll Platz sein, damit die neue Geschäftsführerin eigene Akzente setzen kann."

Oxana Waldheim sieht die Selbsthilfe als Hauptaufgabe ihrer zukünftigen Tätigkeit an. „Und die gute Zusammenarbeit mit den Behörden und den Krankenkassen", sagt sie. "Und dass es überhaupt weiter geht und wir weiter Unterstützung erhalten.“

Zur Sache

Verbindungen schaffen

Außer den Long Covid-Gruppen treffen sich noch viele andere Selbsthilfegruppen regelmäßig, zum Beispiel Depressionsgruppen für alte und junge Menschen, Selbsthilfegruppen für Asthmaerkrankte oder für Angehörige bipolar erkrankter Menschen. Wer in den Austausch mit Gleichgesinnten gehen möchte und für die genannten und alle anderen Gruppen des Netzwerks Selbsthilfe ist es wichtig, sich vorher mit der Koordinationsstelle in Verbindung zu setzen, damit darauf aufbauend eine Kontaktaufnahme erfolgen kann. Das ist möglich unter der Telefonnummer 70 45 81 oder per E-Mail an info@netzwerk-selbsthilfe.com. Mehr Infos gibt es auf der Website https://www.netzwerk-selbsthilfe.com. Unter https://www.selbsthilfe-wegweiser.de ist eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zu finden.

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