Die „Weiße Flotte“ bietet Kreuzfahrten auf Hamburgs Binnengewässer − inklusive Möglichkeit zum Yoga

Sonnengruß auf der Alster

Kapitän Jürgen Sawatzki zieht das Querstrahlruder ganz nach links, bevor er beginnt, das hölzerne Steuerrad zu drehen. Vorsichtig manövriert er das frisch gestrichene Alsterschiff „Quarteerslüüd“, Baujahr 1994, aus seiner Parkbucht.
31.03.2018, 00:00
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Von Mona Adams
Sonnengruß auf der Alster

Große Nachfrage: Yoga-Interessierte machen auf dem Schiff erst ihre Entspannungsübungen und genießen danach die Stimmung auf der Alster.

Yoga an der Alster

Kapitän Jürgen Sawatzki zieht das Querstrahlruder ganz nach links, bevor er beginnt, das hölzerne Steuerrad zu drehen. Vorsichtig manövriert er das frisch gestrichene Alsterschiff „Quarteerslüüd“, Baujahr 1994, aus seiner Parkbucht. Das 26 Meter lange und fünf Meter breite Flachschiff setzt sich in Bewegung. Vom Anleger am Jungfernstieg geht es erst quer über die Binnenalster raus auf die Außenalster, vorbei an blühenden Blumenwiesen, dem Hotel „Vier Jahreszeiten“ und den Alsterkanälen. Das Schiff ist eins von 18 Booten der Alsterflotte, die Hamburg von der Wasserseite aus erlebbar macht.

Schon vor Jahrhunderten nahmen Lastkähne auf der Alster gelegentlich Passagiere mit, mit Tisch und Bänken ausgestattete Ruderboote aus Eichenholz boten zudem Lustfahrten mit Musik an. Um 1800 nahm die Alsterschifffahrt mit Fährverbindungen auf Ruderbooten ihren Anfang. Der aus Bremen stammende Gustav Adolph Droege hatte als Erster die Idee, einen regelmäßigen Linienverkehr mit Dampfschiffen auf der Alster einzurichten.

Die Geburt der „Weißen Flotte“

Nach und nach entstanden Linienbetriebe und Fährverbindungen. Anfang des 20. Jahrhunderts fuhren mehr als 30 Dampfer als öffentliche Verkehrsmittel über die Alster. Ihren vollständig weißen Anstrich erhielten die Schiffe 1902 – dem Geburtsjahr der „Weißen Flotte“. Die Alsterdampfer beförderten 1911 fast elf Millionen Fahrgäste im 30-Minuten-Takt. Diese Zeiten sind vorbei. Seit 41 Jahren ist das Angebot der Alstertouristik mit ihren Kanal- und Fleetfahrten, Dämmertörns und Vierlande-Fahrten überwiegend auf touristisch interessante Touren ausgerichtet. Aus dem einstigen Linienverkehr wurde die Alsterkreuzfahrt, die bis heute die alten Anleger miteinander verbindet. Kapitän Jürgen Sawatzki fährt sie alle ab. Es ist sein absoluter Traumberuf. Seit 1988 ist er auf der Alster unterwegs. Von den Schiffsführern der „Weißen Flotte“ wird neben guten Regionalkenntnissen vor allem Freundlichkeit erwartet. Das Schild „Nicht mit dem Schiffsführer sprechen“ sei nicht mehr zeitgemäß. „Das hängt da noch von früher“, meint Jürgen Sawatzki. Gerne kommt er mit seinen Fahrgästen ins Gespräch und zeigt ihnen Hamburg aus seinem Blickwinkel.

Das ganze Jahr über schippern die Barkassen über die Gewässer – zumindest so lange diese befahrbar sind. Anfang dieses Jahres konnten die Schiffe zwei Wochen lang nicht fahren – aufgrund der vereisten Gewässer. Die eigentliche Saison für die Alsterkreuzfahrten startet erst jetzt und geht bis Anfang Oktober. Die Alsterdampfer wurden in den Wintermonaten allesamt aufgehübscht. Einmal im Jahr werden sie in der Werft grundinstandgesetzt und bekommen einen neuen Anstrich. Die Schiffe werden zwar noch als Alsterdampfer bezeichnet, dabei besteht die „Weiße Flotte“ längst schon aus modernen Schiffen.

Seit Kurzem fahren sie nun wieder zwischen 10 und 18 Uhr im Halbstundentakt. Die klassischste Tour schippert in Ufernähe einmal um die Außenalster, vorbei an zahlreichen Brücken sowie den naturnahen Uferzonen mit vielen Wasservögeln und seltenen Pflanzen. Sie löst die „Winterliche Alsterrundfahrt“ ab. Die Alsterkreuzfahrt bietet darüber hinaus an, von neun Anlegern aus auf die Linienschiffe beliebig oft ein- und auszusteigen und zu verkehren. Insgesamt zählten die Alsterdampfer im Jahr 2017 rund 400 000 Besucher und liegen damit auf dem gleichen Niveau wie 2016.

Mit der Eröffnung der Elbphilharmonie im Januar vergangenen Jahres stieg die Nachfrage nach den Fleetfahrten, die dreimal täglich vom Jungfernstieg bis zur Elbphilharmonie und zurück führen. Der größtmögliche architektonische Kontrast der Stadt wird hier deutlich. Die historische Speicherstadt mit ihrem unzähligen Warenlager für Teppiche, Kaffee und Gewürze aus aller Welt steht in direktem Gegensatz zur HafenCity, dem modernen Wohn- und Geschäftsviertel Hamburgs. Durch schmale Fleete, unter zahlreichen alten und neuen Brücken hindurch geht es – teils tideabhängig – kreuz und quer durch das alte Freihafengebiet und eben auch vorbei an der Elbphilharmonie.

Entspannung und Achtsamkeit

Seit dem Jahr 2012 gehört auch die Tour „Yoga auf der Alster“ zum Angebot. Yoga- und Entspannungstrainerin Britta Ibbeken bietet die Fahrten an. Die Idee dazu kam ihr spontan und ließ sie nicht mehr los. „Es geht dabei um Achtsamkeit“, so die Hamburgerin. „Die Sinne für Gerüche, Klänge und Wassergeräusche werden angeregt.“ Neben einem wöchentlichen Abendtermin haben Yoga-Interessierte in diesem Jahr erstmals auch die Möglichkeit, mit Yoga-Übungen ihren Tag auf der Alster zu beginnen. Der Fokus der morgendlichen Entspannungsstunde liegt auf Variationen von Sonnengrüßen sowie einigen stärkenden und regenerierenden Übungen. Nach der Yoga-Stunde bleibt immer noch Zeit, die Alster auf sich wirken zu lassen.

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