Plakate für besseren Tierschutz an Silvester Kritik an Feuerwerk im Bremer Norden nimmt zu

Der Meyenburger Bürgermeister gibt Plakate gegen das private Silvester-Feuerwerk aus. Auch in Bremen-Nord mehren sich kritische Stimmen.
10.12.2019, 21:43
Lesedauer: 4 Min
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Von Rebecca Sawicki

Die Kritik am privaten Silvester-Feuerwerk wird immer lauter. Auch in der Region. Dominik Schmengler, Ortsbürgermeister von Meyenburg, hat sich – mit Sicht auf das Tierwohl – eine Aktion einfallen lassen. Tierbesitzer sollen mit Karten und Plakaten ihre Nachbarn sensibilisieren und so den Stress für ihre Hunde, Katzen und Pferde minimieren. „Ich bin auf diese Idee gekommen, weil mir ein befreundetes Ehepaar erzählt hat, dass im vergangenen Jahr direkt vor ihrem Pferdestall geknallt wurde“, erklärt Schmengler.

Auf den Plakaten wird darum gebeten, beim Zünden von Feuerwerk mindestens 150 Meter Abstand zu halten. Außerdem können die Tierhalter Postkarten mit derselben Botschaft in ihrer Nachbarschaft verteilen. Erhältlich sind Plakate und Karten ab der kommenden Woche im Rathaus der Gemeinde Schwanewede, im Dorfladen in Meyenburg, bei Lillemei in Schwanewede und im Lüttjen Laden in Neuenkirchen. „Das Knallen im Allgemeinen zu verbieten, ist schwierig, weil man ein solches Verbot auch kontrollieren muss, und dafür fehlen uns die Kapazitäten“, sagt Dominik Schmengler. Allerdings hofft er, dass dieser Appell Tieren und Tierbesitzern die Silvesternacht erleichtert.

Die Deutsche Umwelthilfe hat in diesem Jahr 98 Städte per Post aufgefordert, privates Feuerwerk zu verbieten, auch Bremen und Bremerhaven haben einen solchen Brief bekommen. Allein in Deutschland werden laut Deutscher Umwelthilfe, innerhalb von wenigen Stunden bis zu 50.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Das seien 16 Prozent der jährlichen Feinstaubmenge. Aus Gründen des Brand- und Tierschutzes sind Feuerwerke in diesem Jahr auf dem historischen Marktplatz der Hansestadt, sowie im Umkreis von 1,5 Kilometern um den Flughafen Bremen, den Zoo am Meer in Bremerhaven und dem Hafengelände verboten.

Online-Meldungen zufolge werden drei Edeka-Märkte in Schleswig-Holstein in diesem Jahr erstmals kein Feuerwerk verkaufen. „Wir möchten unseren und allen anderen Fellnasen sowie der Umwelt etwas zurückgeben und nicht noch mehr zu der enormen Feinstaubbelastung und massiver Verängstigung der Tiere beitragen. Wir hoffen auf euer Verständnis“, wird ein Marktleiter in Neumünster zitiert. Wir haben stichprobenhaft bei den Einzelhändlern im Norden der Hansestadt nachgefragt. Hier werden zum Beispiel alle Edeka- und Rewe-Märkte wie gewohnt an den letzten drei Werktagen des Jahres Feuerwerkskörper verkaufen.

Beiratssprecher im Bremer Norden mit unterschiedlichen Einschätzungen

Über das Knaller-Verbot, das die Deutsche Umwelthilfe fordert, herrscht bei den drei Beiratssprechern im Bremer Norden eine unterschiedliche Einschätzung. So plädiert Hans-Gerd Thormeier (CDU) aus Blumenthal dafür, die Bürger selbst entscheiden zu lassen. „Ich persönlich finde, dass das Böllern nicht sein muss. Das Geld, das dabei in die Luft gefeuert wird, sollte man lieber spenden“, erklärt Thormeier. Ein Verbot sei ihm zufolge allerdings der falsche Ansatz. Es handele sich beim Silvesterfeuerwerk um eine langjährige Tradition und der mündige Bürger sei in der Lage selbst abzuwägen, was richtig sei.

Ähnlich sieht es auch der Beiratssprecher Burglesums, Martin Hornhues (CDU). „Ich persönlich hätte nichts gegen ein Verbot, aber ich schaue mir trotzdem gerne Feuerwerke an“, sagt Hornhues. Die Tradition solle man nicht einfach so aufgeben. Stattdessen ist er der Ansicht, dass die Bürger angeregt werden sollten, den Jahreswechsel umweltfreundlicher zu planen. So könne man sich in den Nachbarschaften zusammenschließen oder zentrale Veranstaltungen organisieren, um auf das Wohl von Umwelt und Tieren zu achten und nicht auf das Feiern zu verzichten.

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Der Beiratssprecher Vegesacks, Torsten Bullmahn (CDU), spricht sich hingegen ganz klar für ein Verbot aus. „Es geht nicht nur um die Umweltbelastung, sondern auch um den Tierschutz und die öffentlichen Gebäude“, sagt Bullmahn. So habe er selbst miterlebt, dass viel passieren kann, wenn Raketen durch die Gegend gefeuert werden. „Es steht in keinem Verhältnis, wenn eine Rakete für 60 Cent ein historisches Gebäude zerstört oder einem Kind die Finger abreißt“, erklärt er. Gerade Feuerwehr und Polizei seien in dieser einen Nacht im Jahr stark gefordert. „Eine gute Alternative wäre eine Lasershow. Im vergangenen Jahr hatten wir so etwas im Rahmen des Vegesacker Winterspaßes kurz vor Silvester“, erinnert sich Bullmahn. Aber auch ein gemeinschaftliches Feuerwerk hält er für eine gute Alternative.

In Schwanewede hatte sich im Januar eine Gruppe von Schülerinnen um ein Feuerwerksverbot bemüht. Bürgermeister Harald Stehnken war diesem Ansinnen zwar nicht abgeneigt, dennoch sei es ihm gesetzlich nicht möglich, ein solches Verbot durchzusetzen. „Wir werden aber eine amtliche Bekanntmachung abdrucken, die die Bürger darauf aufmerksam machen soll, dass das Zünden von Feuerwerkskörpern nicht gut ist“, erklärt Stehnken. Er setzt ebenfalls auf die Mündigkeit der Bürger. Sie könnten die Botschaft weitertragen und – in Gedanken an Umwelt, Tiere und Brandgefahr – auf das private Feuerwerk verzichten.

Laser- und Lichtershows sowie professionelle Feuerwerke als Alternative

Eine Alternative zum Schwarzpulver sind auch nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe Laser- und Lichtershows sowie professionelle Feuerwerke. Letztere seien besser für die Umwelt als die privaten Feuerwerke, da sie weniger Müll und Feinstaub produzierten. Turin, Paris und Brüssel sind beispielhafte Städte dafür. Auch im niederbayerischen Landshut wird statt eines Feuerwerks eine fünfzehnminütige Lasershow geboten.

Eine solche Alternative biete die Gemeinde Schwanewede laut Stehnken nicht an. „Ich könnte mir vorstellen, dass sich in Zukunft die Vereine um Alternativen kümmern und wir als Gemeinde sie dabei unterstützen, wie auch bei den Osterfeuern“, sagt der Bürgermeister. Noch sei allerdings kein Verein daran interessiert, ein gemeinschaftliches Silvesterprogramm für die Gemeinde anzubieten.

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