Abbrennen verboten

Ostern ohne Traditionsfeuer

Mit dem Verbot der Osterfeuer fällt nicht nur eine beliebte Tradition weg. Vereine leiden unter dem Wegfall von Einnahmen und schließlich stellt sich die Frage: Wohin mit dem Strauchschnitt?
01.04.2021, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Ostern ohne Traditionsfeuer
Von Julia Ladebeck

Bremen-Nord/Landkreise. Keine großen Feiern im Familien- oder Freundeskreis, keine Kirchenbesuche, keine Osterfeuer. Auch in diesem Jahr steht das Osterfest ganz im Schatten der Corona-Pandemie. Soziale Kontakte müssen stark eingeschränkt werden, die Ausrichtung traditioneller Osterfeuer ist untersagt. Das Verbot gilt sowohl in Bremen als auch in den umliegenden Landkreisen nicht nur für öffentliche Veranstaltungen, sondern auch für Osterfeuer in privaten Gärten. Damit fällt nicht nur eine beliebte Tradition weg: Vereine haben Einnahmeausfälle und schließlich stellt sich auch die Frage: Wohin mit dem Strauchschnitt?

Auf dem Areal der Farger Schützengesellschaft lagert der mittlerweile seit einem Jahr. Die Mitglieder hatten ihn wie gewohnt für das geplante große Osterfeuer angeliefert, das alljährlich an der Betonstraße lodert. Doch dann wurden Osterfeuer 2020 untersagt. „In der Hoffnung, dass wir es in diesem Jahr abbrennen können, haben wir alles liegen lassen“, sagt Walter Kallweit, zweiter Vorsitzender der Farger Schützengesellschaft. Doch nun macht die Pandemie dem Verein erneut einen Strich durch die Rechnung. Die aktuellen Bestimmungen führen dazu, dass der Strauchschnitt wohl noch eine Weile länger auf dem Gelände liegen wird.

„Wir haben vom Ordnungsamt die Info bekommen, dass wir den Haufen nicht einmal so abbrennen dürfen. Wir sollen alles abfahren“, erläutert Kallweit. Das Problem ist seinen Worten nach, dass die Mitglieder sich wegen der Kontaktbeschränkungen auch nicht treffen und auf dem Gelände arbeiten dürfen. „Maximal zwei Personen dürfen sich gleichzeitig dort aufhalten. Deshalb können wir den Strauchschnitt nicht abfahren, wir können nicht einmal Rasen mähen.“

Noch viel schwerer wiegt für die Schützen allerdings der Einnahmeausfall durch die Absage der Traditionsveranstaltung, die in Farge sonst groß mit Musik, Bratwurst und Getränken gefeiert wird. „Im Moment liegt einfach alles brach. Wir können die Halle nicht für Feiern vermieten, das Frühjahrsschießen kann nicht stattfinden. Das Osterfeuer fällt aus. Wir haben keine Einnahmen mehr.“ Weil der Verein gute Kontakte zum Schützenverein Neuenkirchen hat und er selbst auch Mitglied im Ritterhuder Schützenverein ist, weiß Kallweit: „Das sieht in den anderen Vereinen nicht anders aus.“

Das bestätigt Torben Reiß, zweiter Vorsitzender des SV Grohn. Der Verein richtet alljährlich ein großes Osterfeuer an der Friedrich-Humbert-Straße aus – ebenfalls mit Musik, Speisen, Getränken und einem kleinen Extra-Feuer für Kinder. Weil es nicht stattfinden kann, hat der SV Grohn finanzielle Einbußen. „Es blieb immer etwas übrig. Mit dem Geld konnte der Verein kleine Anschaffungen finanzieren.“ Der Wegfall der Traditionsveranstaltung wirke sich wie der gesamte Lockdown aber auch massiv auf das Vereinsleben aus. „Das Osterfeuer ist ein wichtiger Teil unseres Vereinslebens, viele Mitglieder helfen mit“, schildert Reiß.

Immerhin bleibt der SV Grohn in diesem Jahr nicht auf bereits angeliefertem Strauchschnitt sitzen. „In diesem Jahr hatten wir noch nichts auf dem Gelände. 2020 hatten die Leute schon etwas hingelegt, leider auch Sperrmüll. Wir mussten den Strauchschnitt zur Recycling-Station bringen. Glücklicherweise hat die Firma Nehlsen uns unterstützt und einen Container zur Entsorgung des Mülls bereitgestellt.“

Weil das Gelände des Sommerbads Grambker See nicht frei zugänglich ist, haben die Verantwortlichen mit wild abgelagertem Strauchschnitt kein Problem. Umso mehr drücken den Verein die fehlenden Einnahmen. Alljährlich ist das Osterfeuer die erste große Veranstaltung noch vor Beginn der Badesaison. „Dass das Osterfeuer erneut ausfallen muss, ist für uns tragisch. Finanziell ist das einer wichtigsten Posten für uns, deshalb tut das sehr weh“, sagt Reimer Kanje. Rund 13.000 Euro muss der Verein seinen Worten nach jährlich an Kosten stemmen. Durch das Osterfeuer werden sonst rund 2000 bis 2500 Euro erwirtschaftet. „Wir haben noch keinen Plan, wie wir damit umgehen.“ Eine Idee ist, stattdessen ein Oktoberfest zu veranstalten, „möglichst auch mit einem Feuer“. Kanje hofft, dass die Infektionszahlen bis dahin deutlich sinken und für das kommende Jahr auf ein Osterfeuer in gewohnter Form.

Info

Zur Sache

Wohin mit dem Strauchschnitt

Auch für Privatgelände gilt sowohl in Bremen als auch in den umliegenden Landkreisen das Verbot, Osterfeuer abzubrennen. Der Landkreis Osterholz und die Gemeinde Lemwerder hatten bereits im Vorfeld geraten, nicht übermäßig Strauchschnitt anzusammeln. Stattdessen sollte er auf dem eigenen Grundstück verwertet oder auf den Recyclinghöfen abgegeben werden. Eine Empfehlung des Landkreis Osterholz lautet außerdem, dass sich Nachbarn für die gemeinsame Miete eines Häckslers zusammentun, um Äste und Zweige in Mulch und Dünger zu verwandeln. Bei kleineren Mengen biete sich, über die Wochen verteilt, die Biotonne an, die alle 14 Tage geleert wird. Die Bremer Stadtreinigung ist nach eigenen Angaben auf ein erhöhtes Aufkommen an den Recycling-Stationen vorbereitet, es könne dennoch zu längeren Wartezeiten kommen.

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