Virus im Landkreis Diepholz Schule schließt nach neuem Corona-Fall

Aufgrund des Coronavirus' werden im Landkreis Diepholz die ersten Schulen und Kitas geschlossen. Diese befinden sich in Stuhr und Weyhe. Fünf Neuerkrankungen wurden gemeldet - jetzt auch in der Stadt Diepholz.
11.03.2020, 19:26
Lesedauer: 4 Min
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Von Maike Plaggenborg, Alexandra Penth und Eike Wienbarg

Landkreis Diepholz. Die Zahl der Corona-Erkrankungen ist weiter gestiegen. Nachdem sich am Dienstag die ersten sechs Fälle im Landkreis Diepholz bestätigt hatten, wurden noch am Nachmittag fünf weitere Neuerkrankungen gemeldet. Damit steigt die Zahl der Corona-Patienten im Landkreis Diepholz auf elf: Sechs Infizierte aus der Gemeinde Weyhe, vier aus der Gemeinde Stuhr und einer aus der Stadt Diepholz. Die meisten der Infizierten haben sich in den bekannten Risikogebieten – vorrangig in Südtirol – aufgehalten, teilt die Kreisverwaltung mit. Darüber hinaus registriert der Landkreis Diepholz auch Verdachtsfälle sowie bestätigte Fälle, die aus Ischgl in Österreich zurückgekehrt sind.

„Alle Infizierten zeigen leichte bis mäßige Symptome und sind in häuslicher Absonderung untergebracht“, sagt Landrat Cord Bockhop. „Darüber hinaus wurden insgesamt zwölf Kontaktpersonen ermittelt. Ein verhältnismäßig kleiner Kreis, der dem besonnenen Verhalten der betroffenen Patienten zu verdanken ist“, so Bockhop. Neben den elf bestätigten Fällen bestehen aktuell auch elf begründete Verdachtsfälle, von denen Abstriche genommen wurden.

Schulen und Kitas geschlossen

Am Mittwoch wurden die Ludwig-Fresenius-Schule in Weyhe sowie in der Gemeinde Stuhr die Grundschule Moordeich und die Kindertagesstätte Stuhr vorsorglich geschlossen. „Aus Stuhr wurde dem Gesundheitsamt am Mittwoch die Erkrankung eines Elternteils gemeldet. Beide Einrichtungen werden zunächst vorsorglich am Donnerstag und Freitag geschlossen. An der Ludwig-Fresenius-Schule in Weyhe besteht bei einer Schülerin ein konkreter, begründeter Verdachtsfall. Das Ergebnis bleibt abzuwarten“, erklärt Daniel Tabeling, Leiter des Gesundheitsamtes. „Die vorübergehende Schließung ist ein weitgehender Schritt, der unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen als angemessen gesehen wird“, ergänzt Landrat Cord Bockhop. Am Wochenende erfolgt eine erneute Prüfung, ob der reguläre Betrieb der Einrichtungen am Montag wieder aufgenommen werden kann.

KVN-Testzentrum geht in Betrieb

Wie berichtet, plante die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) die Einrichtung eines Corona-Testzentrums im ehemaligen Gesundheitsamt in Diepholz. Dieses hat bereits am Mittwoch seine Arbeit aufgenommen. Bürger können sich dort allerdings nicht ohne Weiteres auf das Virus testen lassen. Bei einem begründeten Verdacht kann der Hausarzt diesen beim Gesundheitsamt anzeigen, das dann den Betroffenen kontaktiert und zum KVN-Testzentrum bestellt.

Teils Besuchsverbote

Auf Weisung des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung bereitet der Landkreis Diepholz ein Betretungs- und Besuchsverbot für Gemeinschaftseinrichtungen für all diejenigen Menschen vor, die in den vergangenen 14 Tagen aus einem Risikogebiet oder besonders betroffenen Gebieten zurückgekehrt sind. Dazu zählen unter anderem Kindertageseinrichtungen, Schulen, Kliniken und Pflegeheime.

Um größere Ausbrüche zu vermeiden, hat das Land Niedersachsen am Mittwoch ein Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmenden ausgesprochen. Auch der Landkreis Diepholz folgt den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Bewertung von Großveranstaltungen, nachzulesen im Internet auf www.bmi.bund.de unter dem Stichwort „Handlungsempfehlungen-Corona“. „Da die Risiken nicht bei allen Veranstaltungen gleich groß sind, bitten wir darüber hinaus um eine sorgfältige Abwägung jedes Einzelfalls“, so Kreisrätin Ulrike Tammen. Das Risiko könne anhand der zu erwartenden Teilnehmergruppe, der Veranstaltungsart sowie des Ortes gemessen werden. Beispielsweise rät der Landkreis dazu, Veranstaltungen, an denen vorrangig ältere Menschen oder Menschen mit Grunderkrankungen teilnehmen, abzusagen. „Die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger hat für uns oberste Priorität“, so der Landrat weiter.

Auf die zunehmende Verbreitung der Corona-Infektionen reagierte die Gemeinde Weyhe gestern mit Empfehlungen an Drittveranstalter, also diejenigen, die gemeindliche Räume nutzen und darin öffentliche Veranstaltungen mit unvorhersehbaren Besucherzahlen anbieten, sagte Sprecher Sebastian Kelm auf Nachfrage. Die Empfehlungen beziehen sich zunächst auf Termine, die für das bevorstehende Wochenende vorgesehen waren. Wie die Gemeinde mit eigenen Veranstaltungen umgehe, sei noch unklar. Derzeit liegen keine Verfügungen vom Landkreis vor, kommunale Einrichtungen zu schließen. Kelm weiter: „Wir warten auf Anweisungen von höherer Stelle.“ Unter der E-Mailadresse veranstaltungen@diepholz.de können sich Veranstalter an den Landkreis wenden, um Unterstützung bei der Risikoeinschätzung zu erhalten.

Die Gemeinde Stuhr will über Absagen von Fall zu Fall entscheiden. „Wir werden alle Veranstaltungen im Kulturprogramm intensiv unter die Lupe nehmen“, berichtet Stuhrs Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier. So gebe es unterschiedliche Faktoren, sagt Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte. Die Bewertung hänge von der Zielgruppe und vom Ort der Veranstaltung ab. Dabei gehe es unter anderem darum, ob diese drinnen oder draußen stattfindet, so Korte weiter. „Wir prüfen jeden Einzelfall.“ Die Entscheidung liege bei den Veranstaltern und den Besuchern. Zunächst sagte die Gemeinde den Frühlingsempfang und den Tag der Begegnung ab. Das Konzert mit der finnischen Band Enkel am Donnerstagabend soll aber stattfinden.

Bei Verdacht auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus sollen sich Bürger weiterhin zunächst telefonisch an ihren Hausarzt wenden. Außerhalb der Praxiszeiten ist der ärztliche Notdienst unter der Telefonnummer 116 117 erreichbar. Der Landkreis Diepholz hat ein Bürgertelefon eingerichtet, das zu erreichen ist unter der Nummer 0 54 41 / 9 76 20 20 (montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr).

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