Stefan Bürger und sein Team feiern das Jubiläum / Standort ist derselbe wie zu Napoleons Zeiten 1810 Seit 200 Jahren gibt es eine Apotheke

Achim. Vor 200 Jahren bekam Achim eine selbstständige Apotheke. Bis dahin war es üblich, dass der behandelnde Arzt die Pillen und Tees selber herstellte und verkaufte, mit denen er seine Patienten zu heilen hoffte. An derselben Stelle wie vor 200 Jahren arbeitet heute Stefan Bürger und sein Team in der Alten Apotheke.
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Von Ulrich Tatje

Achim. Vor 200 Jahren bekam Achim eine selbstständige Apotheke. Bis dahin war es üblich, dass der behandelnde Arzt die Pillen und Tees selber herstellte und verkaufte, mit denen er seine Patienten zu heilen hoffte. An derselben Stelle wie vor 200 Jahren arbeitet heute Stefan Bürger und sein Team in der Alten Apotheke.

Das Ansehen des Apothekers hat sich in den vergangenen 200 Jahren drastisch verändert. 'Wir stehen gleich hinter den Feuerwehrleuten auf Platz 2', freut sich Apotheker Stefan Bürger. 1810 hatte Ernst Gottlieb Kayser noch mit dem Vorwurf der Quacksalberei zu kämpfen. Während Kayser viele der für die Arzneien notwendigen Kräuter noch selber auf dem Dachboden trocknete, bevor er sie verarbeitete, sind die meisten der heutigen Medikamente in den Laboren der Pharmaindustrie entwickelt worden. Damals mussten alle Tinkturen und Pillen noch in Handarbeit hergestellt worden, heute steht der Apotheker in der Regel hinter seinem Tresen und verkauft fertig verpackte Medikamente und Hilfsmittel.

Das Pillenbrett hat ausgedient

Mit dem Pillenbrett, das Bürger in der kleinen, sehenswerten Ausstellung in dieser Festwoche im Zelt im Hof zeigt, kann der Apotheker nicht mehr umgehen, es gehörte nicht mehr zu seiner Ausbildung. Eine seiner 20 Mitarbeiterinnen dagegen hat das Herstellen von Pillen mit Hilfe des speziellen Brettes noch gelernt. Nur noch manchmal stehen Bürger und seine Helferinnen im Labor und stellen eine Arznei selber her. Am häufigsten sind das Medikamente für Kinder, die vom Arzt speziell für den kleinen Patienten nach entsprechender Blutspiegelkontrolle verordnet werden.

Stefan Bürger hat die Apotheke an der Obernstraße 5 vor zwölf Jahren von seinem Vater Wolfgang Bürger übernommen. In jenem Jahr kamen auch die Handwerker und bauten die Apotheke um. Dabei wurde die Einrichtung ersetzt, die Stefan Bürgers Großmutter Hildegard Bürger (eine Nichte des früheren Besitzers Julius Thaden, genannt Onkel Julius) 1954 hatte einbauen lassen.

Die Apotheke wurde im Laufe der 200 Jahre mehrfach verändert. Das heutige, stattliche Gebäude stammt aus dem Jahr 1894. Gerhard Heinrich Thaden hat das Haus bauen lassen, nachdem die Apotheke an derselben Stelle im Laufe der Jahre zu klein und eng geworden war.

Heute plagen den Apotheker weniger die Platzprobleme als vielmehr Mangel an qualifiziertem Personal. Nur noch etwa ein Drittel der Pharmaziestudenten wolle anschließend hinter dem Tresen einer Apotheke stehen. Not- und Wochenenddienste schrecken ab, die Verdienstmöglichkeiten sind durch die festgelegten Preise beschränkt. Auf ein Stellenangebot habe er nicht eine Anfrage erhalten, beklagt Stefan Bürger, der in der Alten Apotheke und in der vor wenigen Jahren eröffneten Apotheke im Hufeisen in Uesen 20 Mitarbeiterinnen sowie einen Fahrer für den Arzneimittel-Bringdienst beschäftigt.

Bürger setzt bei seinem Zukunftskonzept voll und ganz auf Beratung. Damit will er Kunden an seine Apotheken binden und neue gewinnen. 'Die Kunden sollen sich bewusst entscheiden, zu uns zu kommen', formuliert er seine Strategie. Zum Kundenservice gehört das passgenaue Anfertigen von Kompressionsstrümpfen, die kostenlose Lieferung von Medikamenten und Pflegeprodukten nach Hause und das Verleihen von Babywaagen, Inhaliergeräten und Milchpumpen. Stefan Bürger und sein Team bieten sich nicht nur als Berater in Fragen von Arzneimitteln und Impfungen an, sondern auch zu Themen wie Heimpflege und künstlicher Ernährung. Das Messen von Blutdruck und Blutzucker gehört heutzutage schon zum Standard in Apotheken.

Rund drei Prozent des Apothekenumsatzes gehen hierzulande auf den Internethandel. Sogenannte Pick-up-Stellen, Abholstellen des Arzneiversandhandels seien ihm in Achim aber nicht bekannt, so Stefan Bürger. Das liege an der mangelnden Akzeptanz für diese Art des Medikamentenkaufs in Deutschland. Dennoch ist sich Bürger sicher, dass die Internet-Konkurrenz nicht aufzuhalten ist: 'Verluste sind nicht zu verhindern'.

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