Kandidaten-Kür in der SPD Unglücklich

Der Umgang der Delmenhorster SPD mit ihrer Fraktionsvorsitzenden im Rat, Bettina Oestermann, ist ein Beispiel dafür, wie man sich politisch dilettantisch verhält, meint unser Redakteur Andreas D. Becker.
10.08.2020, 16:06
Lesedauer: 1 Min
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Unglücklich
Von Andreas D. Becker

Dass Bettina Oestermann nicht die Wunschkandidaten des Unterbezirks für die Oberbürgermeister-Wahl 2021 war, darf als offenes Geheimnis bezeichnet werden. Einen Monat nachdem die Vorsitzende der Ratsfraktion ihren Hut in den Ring geworfen hatte, wurde eine Findungskommission ins Leben gerufen. Das war so etwas ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass sie nicht die geborene Favoritin der Sozialdemokraten für das höchste Amt in der Stadt ist. Natürlich ist es im politischen Wettbewerb legitim, sich nicht nur auf eine Kandidatin zu konzentrieren. Trotzdem war der Umgang mit Bettina Oestermann nicht schön und politisch unklug.

Wenn die Parteispitze Zweifel an der Befähigung der Fraktionschefin für die Führungsrolle im Rathaus hat, wäre es fair gewesen, diese Zweifel auch im direkten Gespräch zu thematisieren. Bettina Oestermann hätte dann gut überlegen können, ob sie ihre Kandidatur aufrecht erhalten möchte. Sie ein gutes halbes Jahr im Ungewissen zu lassen, ist kein guter Stil.

Dass sie schließlich die Flucht nach vorn antrat und ihren Wunsch, kandidieren zu wollen, selbst öffentlich machte, war taktisch aber alles andere als clever. Sie hat die Parteispitze unter Druck gesetzt, wollte die Entscheidung für sich erzwingen. Das könnte bei der Wahl der neuen, noch unbekannten Kandidatin auch gegen sie gesprochen haben. Auf jeden Fall ist sie durch die jetzige Entscheidung beschädigt, ihre Autorität in der Fraktion angekratzt, weil sie laut Partei diejenige ist, die trotz ihrer Ambitionen zu höheren Aufgaben nicht befähigt ist. Und auch die Zusammenarbeit mit dem kommissarischen Parteivorsitzenden Lars Konukiewitz in der Fraktion dürfte nach den neuesten Entwicklungen alles andere als unproblematisch werden.

Andreas Neugebauer kann man durchaus verstehen, dass er auf das Miteinander in der SPD keine Lust mehr verspürt. Politisch erweist er damit Bettina Oestermann allerdings einen Bärendienst. Es ist bekannt, dass die beiden eng und gut zusammengearbeitet haben. Er wäre einer gewesen, der ihr nun den Rücken in den zu erwartenden weiteren partei- und fraktionsinternen Konflikten hätte stärken können.

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