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Die Deutschlehrerin ist schuld

Micha Bustian 18.09.2019 0 Kommentare

Offene Ohren, wacher Verstand und viel Fantasie: Die Bücher von Bärbel Rädisch haben allesamt einen wahren Kern.
Offene Ohren, wacher Verstand und viel Fantasie: Die Bücher von Bärbel Rädisch haben allesamt einen wahren Kern. (Vasil Dinev)

Asendorf-Hohenmoor. Der Weg zum nächsten Nachbarn ist für heutige Verhältnisse lang. Vor allem, wenn man ihn zu Fuß zurücklegt. Asendorf-Hohenmoor. Hier sind die Abstände groß. So, wie die Grundstücke. Auch das von Bärbel und Eberhard Rädisch. Fernab städtischen Trubels genießen sie hier die Ruhe. Und die Zeit, die in der städtischen Hektik häufig knapp wird. Zeit, um den Garten zu pflegen. Zeit, um am Oldtimer herumzuschrauben. Und Zeit zum Schreiben. Bärbel Rädisch, auch als Autorin für den SYKER KURIER tätig, hat jetzt ihren vierten Roman veröffentlicht. Der Titel: „Kein Wort – Nie“.

Die gebürtige Wuppertalerin hat die Idee für die Geschichte aufgeschnappt in der NDR-Talkshow „3nach9“. Da habe eine junge Frau „erzählt, dass sie nur zufällig erfahren hat, dass ihre Mutter nicht ihre leibliche Mutter war“. Bärbel Rädisch war angefixt, schmiss die Recherchemaschine an. Über eine Agentur machte sie die Dame, eine Musikmanagerin aus München, ausfindig. Die war durchaus bereit, über diese traumaartige Erfahrung zu reden. Ihre Bedingung: „Sie wollte ihren Namen nicht im Buch lesen.“ Für Rädisch kein Problem.

Den Draht zum Schreiben entwickelte die 77-Jährige bereits in ihrer Kindheit. „Meine Deutschlehrerin war schuld“, erinnert sich Bärbel Rädisch. Bei Inge Brück hätte sie im Unterricht immer ihre Aufsätze vorlesen müssen. „Das war mir wirklich peinlich.“ Heute übrigens nicht mehr. Sie ist als Lesepatin an Grundschulen aktiv und bringt einem pakistanischen Kind bei sich zu Hause die deutsche Sprache bei. Vielleicht motiviert sie dadurch ja den Nachwuchs, selbst Neugier zu entwickeln, zu recherchieren und zu schreiben.

Sie selbst machte sich nach dem Gespräch mit der Münchener Musikmanagerin auf den Weg, das Drumherum zu gestalten. Bärbel Rädisch ließ ihre Hauptfigur in Berlin studieren, eine Stadt zu der sie selbst eine Beziehung hat. Sie schickte ihre Protagonistin literarisch nach Baltimore, weil sie die Stadt durch einen Urlaub kannte. Und sie verortete deren Großeltern nach Bonn, „dort habe ich mir während eines Besuchs eine schöne Straße ausgesucht, wo ihre Großeltern wohnen sollte“. Der Rest der Geschichte spielt in Bremen.

Bremen. Dort verbrachte auch Bärbel Rädisch einen guten Teil ihres Lebens. Geboren in Wuppertal machte sie sich als 20-Jährige auf nach Berlin. „Dort wurden über Zeitungsannoncen Arbeitskräfte gesucht“, erklärt sie. Als gelernte Drogistin war sie gefragt in der gerade geteilten Stadt. Als Frau offensichtlich auch. Denn in der heutigen Hauptstadt lernte sie ihren Liebsten kennen, Eberhard, mit dem sie heute noch zusammen in Hohenmoor lebt. Seinetwegen und mit ihm verließ sie Berlin, zog nach Wilhelmshaven, wo seine Eltern lebten. Dort wurde geheiratet, anschließend ging es nach Bremen, wo er seinen Beruf als Polizist besser ausüben konnte.

Wilde Zeiten, in der Bärbel Rädisch kaum Zeit fand, dem Schreibdrang nachzugeben. „In Bremen fand ich erst wieder Kontakt zu Schreibgruppen“, sagt sie und nennt da vor allem die Villa Ichon. Sie begann ein Studium der Belletristik an der Axel-Anderson-Akademie, führte Touristen durchs Rathaus und die Böttcherstraße. Und kaufte gemeinsam mit Eberhard ein Haus in Asendorf. 1975 war das. Damals nutzte das Paar, inzwischen mit einem Sohn gesegnet, den Resthof als Wochenendlaube. Erst 1999 zogen die beiden nach Hohenmoor, bauten das Anwesen aus und genießen dort ihren Ruhestand.

Im Fall von Bärbel Rädisch ist es allerdings eher ein Unruhestand. Neben Lesepatin, Deutschlehrerin und Zeitungs-Autorin arbeitet sie mit in der Zukunftsvision Asendorf, im Forsthaus Heiligenberg und im Heimatmuseum Hoya. Dazu packt sie mit einer Freundin den Asendorfer Schlemmerkorb, sammelt Hüte. Und schreibt. „Wer um alle Rosen wüsste“ (1998), „Schwimm, Benno“ (2008) und „Mohrenkopf“ (2010). Allesamt Geschichten mit wahrem Kern und einer großen Portion Fantasie.

So, wie auch „Kein Wort – Nie“. Dafür hat Bärbel Rädisch über zweieinhalb Jahre versucht, einen Verlag zu finden. „Das ist schwierig, erst recht bei den großen“, weiß die 77-Jährige. Im Februar schickte sie dann ein Exposé an den Kellner-Verlag. Erste Reaktion: keine. Bis sie nachhakte. Dann ging alles furchtbar schnell. Gespräch mit dem Verleger, Klappentext erstellen, Cover entwerfen, „innerhalb von 14 Tagen war es auf dem Markt.“ Und nun? Wie geht's weiter? „Ich hab' da schon was im Hinterkopf.“


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Leserkommentare
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
europaweit jetzt ...
suziwolf am 21.10.2019 12:01
Warum dieser einfache Hinweis
auf www.spiegel.de
[ ,auf Erweiterung der Information‘ ]
mit „👎“ bewertet wird,
erklärt sich ...