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Saukomisch bis zum Schluss

Peter Cordes 15.10.2017 0 Kommentare

Wassermühle Barrien Martin Herrmann
Ein-Mann-Programm: Bei seinem Auftritt in der Barrier Wassermühle wurde Martin Herrmann neben dem Applaus der Besucher nur noch von den Klängen seiner Gitarre begleitet. (UDO MEISSNER)

Syke-Barrien. Wo in Barrien bis 1971 der letzte Müller die Mahlwerke und die gesamte alte Mühlentechnik der Barrier Wassermühle genutzt hatte, gastierte am Sonnabend der aus Heidelberg kommende Kabarettist Martin Herrmann. Ein kabarettistischer Stapellauf mit Humor und Hintersinn, einer Fahrt durchs ironische Meer mittels Wort und Song hatte er mit seinem Programm „Kreuzfahrt für Seekranke“ angekündigt.

Vor ausverkauftem Haus durchpflügte er in der bekannt angenehmen Atmosphäre der Wassermühle die Wellentäler des Alltags mit bissigem Witz und viel Humor. Nach einleitenden Begrüßungsworten der Vorstandsvorsitzenden der Kulturinitiative Rüttelschuh und Inhaberin der Wassermühle Barrien, Christiane Palm-Hoffmeister, nahm Herrmann die Beschreibung seiner Person selbst in die Hand. Sein Nachname, geschrieben mit doppeltem „r“ und doppeltem „n“ sei schon "eine Herausforderung für jede Gleichstellungsbeauftragte“, so der Künstler. „Auch der Vorname ist etwas Besonderes, wo doch der Martin um 334 in Frankreich seinen Mantel geteilt und einem frierenden Bettler eine Hälfte überreicht hatte. Ergebnis: Der Martin wurde heilig gesprochen, und um den Bettler hat sich niemand mehr gekümmert. Erfroren sind sie wahrscheinliche beide – mit nur einem halben Mantel“, so Herrmann, seinen Namen erklärend.

Martin Herrmann bereitete sein Publikum auf eine Kreuz- und Querfahrt, eine satirische Reise vor und versuchte dem Publikum zunächst zu erklären, was eine Satire überhaupt ist. Seit Jan Böhmermann und Recep Tayyip Erdoğan einen Konflikt heraufbeschworen haben, den es gerichtlich zu klären gilt, ist es ihm wichtig, das Wort Satire zu erklären. Er hofft, dass sein Publikum immer das denkt, was er nicht sagt, so Herrmann.

Mit einem Test des Publikums und dem Versuch der Festlegung des Intelligenzquotienten des selbigen sowie der Beschreibung der Streikkultur und dem Lied „Lass mal Fünfe gerade sein“ begann der kurzweilige und lustige Abend. Mit seinen Beiträgen wanderte der Kabarettist Martin Herrmann quer durch unseren Alltag und nahm die Wechselfälle des täglichen Lebens auf die Schippe. Dabei war er höchst aktuell. Die gerade erst veröffentlichten Bildungsstandergebnisse hatte er, bezogen auf die Streikkultur, bereits in seine Erzählungen eingearbeitet. Bei den Ergebnissen konnte er nicht glauben, dass sich die Lehrer an ihr Streikverbot gehalten haben. In der Politik halte er sich aber lieber etwas zurück, weil seiner Meinung nach die Politiker die besseren Kabarettisten sind.

Während der vielen Liedbeiträge begleitete Herrmann sich fast ausschließlich auf seiner Gitarre. Lediglich beim „Wiedergeburtssong“ bediente er sich einer „tibetischen Harfe“, so bezeichnete Herrmann seinen mitgebrachten Eierschneider. Zum Text hörten die Gäste Musik in den Klängen Durakkord, Dissonanz und Harmonie.

Mit vielen Liedern wie zum Beispiel dem „Joghurtbechersong“, in dem die Müllsortierung im Land kritisch beobachtet wurde, oder „Die Zeit verrinnt“, der Versuch die Sommerzeit zu erklären, und seinen zwischenzeitlichen Textbeiträgen, begeisterte er sein Publikum in der Wassermühle – saukomisch bis zum Schluss. Natürlich gab es auch noch zwei Zugaben. Mit den drei Liedern „Tollwutsong“, „Macht nichts, das Leben geht weiter“ und dem „Kleinen grünen Kaktus“ verabschiedete er sein Publikum endgültig.

Die Eheleute Dorothea und Detlef Wolk aus Hoya waren begeistert. Detlef Wolk hatte die Eintrittskarten von seiner Frau zum Geburtstag geschenkt bekommen. „Ich wollte mal was Besonderes verschenken“, so Dorothea Wolk. Auch Petra und Rüdiger Menke aus Lahausen fanden den Abend sehr amüsant. Dem Künstler selbst hat es in Barrien, trotz der räumlichen Nähe zum Publikum, sehr große Freude bereitet, sein Programm vorstellen zu dürfen.


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Leserkommentare
bremenkenner am 21.10.2019 18:08
Leider sehen das hier sehr viele genau anders herum und sind im festen Glauben dass Afrika zig mal in Europa reinpasst. Und viele Afrikaner glauben ...
peteris am 21.10.2019 17:36
Der Erdteil Afrika ist so groß, da passt Europa zig mal rein.

Es fallen dort nicht überall den Menschen Bomben auf den Kopf. ...