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Tennisverband Nordwest
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Kleiner Verband, großer Name

Ruth Gerbracht 20.12.2017 0 Kommentare

Tennismeisterschaften
Er hat die Bremer Tennisszene inspiriert: Der Engländer Mike Cole, hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2005, kam 1976 als 20-Jähriger in die Hansestadt. (Andreas Kalka)

Bremen. Hanns-Gerd Fischer wurde während seiner Amtszeit unzählige Male auf die Bezeichnung „Tennisverband Nordwest“ angesprochen. „Man könnte tatsächlich meinen, ganz Nordwest-Deutschland sei unter diesem Dach vertreten“, sagt der ehemalige Präsident und jetzige Ehrenpräsident des TV Nordwest. Aber wie kamen die Bremer zu einem solch großen Namen? Etikettenschwindel? Bewusste Täuschung? Nicht wirklich, wie ein Blick in die Geschichte verrät.

Die Tennisanlagen in Bremen waren wie so vieles nach dem Krieg 1945 völlig zerbombt. Dabei hatte gerade der Tennissport in den 20er- und 30er-Jahren in Norddeutschland einen starken Aufschwung erlebt. So verfügte Bremen beim Bremer Tennisverein von 1896 seit dem Jahr 1910 über die erste Tennishalle in Deutschland. Internationale Meisterschaften wurden dort durchgeführt – 1942 aber lag auch sie in Schutt und Asche. Das politische System des Dritten Reiches sowie der Krieg hatten den Tennissport und seine Organisation völlig zum Erliegen gebracht.

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Der erfolgreichste Bremer Tennisspieler: Axel Finnberg, hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2002, wurde 2007 sogar Weltmeister im Doppel der Herren 35. (Frank Thomas Koch)

Doch bereits 1947 ging es für die Tennisfreunde wieder aufwärts. Das Nachkriegstennis im Norden begann in Bremen. Wilhelm Person hatte die wieder erstarkten Vereine aus Bremen und dem Oldenburger Gebiet eingeladen, um den bremischen Landesverband zu gründen, dessen Präsident er dann von 1947 bis 1974 wurde. Im September 1947 schließlich erhielt der Verband den Namen „Tennisverband Nordwest“, wobei sich weitere Vereine aus Emden, Leer, Oldenburg, Wilhelmshaven, Delmenhorst, Vechta, Cloppenburg und Verden anschlossen.

In den darauffolgenden Jahren veränderte sich die Struktur des Verbandes zwar massiv, die niedersächsischen Vereine verließen den Zusammenschluss, doch der Name blieb den Bremern. „Wir waren ab dann der kleinste Verband mit dem größten Namen“, erzählt Fischer.

Das ist ab dem 1. Januar 2018 endgültig vorbei. Dann gibt es den TV Nordwest nach 70 Jahren nicht mehr. Nach der Fusion mit den Niedersachsen heißt es dann „TV Niedersachsen-Bremen“. „Und das ist eine richtige Entscheidung“, erklärt Hartmut Riggers, Noch-Vorsitzender des TV Nordwest. Als Nachfolger von Hanns-Gerd Fischer hat er diesen Zusammenschluss forciert und auf den Weg gebracht. Vornehmliches Ziel: den Wunsch nach einem gemeinsamen Spielbetrieb für die Bremer Mitglieder zu erfüllen.

Das ist nun geschafft, der TV Nordwest bald Geschichte. Doch bevor es so weit ist und der Trennungsschmerz zu heftig werden könnte, blicken Fischer und Riggers gerne noch mal zurück auf eine erfolgreiche 70-jährige Verbandszeit. So erinnern die beiden an die Tennislegenden des TV Nordwest der 50er-, 60er- oder auch 70er-Jahre. Peter Rode, Ulrich Schamberger oder auch Brigitte Förstendorf begeisterten auf der roten Asche in Bremen mit unzähligen Verbandsmeistertiteln. In den 80er-Jahren war es neben Zoltan Illin, seit 1984 Trainer beim TV Rot-Weiß und sechsfacher Verbandsmeister, vor allem Mike Cole, der die Bremer Tennisszene inspirierte. Der Engländer, der seit 1976 Trainer in Bremen ist, kam als 20-Jähriger in die Hansestadt. „Das war ein echter Kracher“, sagt Hanns-Gerd Fischer, „eine großartige Belebung im damaligen Tennissport.“

Es war eine Menge los im Bremer Tennis. Bekannte Namen trugen sich in die Siegerlisten ein. So gewann beispielsweise 1977 der Jugoslawe und spätere Daviscup-Chef Niki Pilic mit 37 die internationalen deutschen Hallenmeisterschaften beim BTV von 1896 gegen den Deutschen Ulli Pinner. Pilic spielte übrigens zusammen mit Zoltan Illin im Daviscup für Jugoslawien.

Der wohl erfolgreichste Bremer Tennisspieler aber heißt Axel Finnberg. Der mittlerweile 46-Jährige vom BTC von 1912 begann seine Karriere in Bremerhaven, um dann als 16-Jähriger die Regionalligamannschaft beim Bremer TV von 1896 zu verstärken. Finnberg spielte schließlich Bundesliga in Berlin, ging auf die große Tennistour, trainierte mit Patrick Rafter in Australien und kämpfte sich auf Platz 400 der ATP-Weltrangliste vor. Mit 35 wurde er Deutscher Meister und Europameister in dieser Altersklasse.

„Wie man an diesen vielen erfolgreichen Namen erkennen kann, hat Tennis bei uns nicht mit Boris Becker begonnen“, sagt Fischer. Auch bei den Mitgliederzahlen erkennt der Ehrenpräsident keine Zusammenhänge mit der Becker/Graf-Ära. Allerdings zeigen die Zahlen doch, dass die Zwei-Millionen-Mitglieder-Marke im deutschen Tennis just in den Jahren geknackt wurde, in dem die beiden deutschen Tennis-Wunderkinder besonders erfolgreich waren. Im Jahr 2015 waren es dann rund 600 000 Mitglieder weniger. „Das hat aber auch damit zu tun, dass es viel mehr Freizeitangebote gibt als früher“, sagt Fischer. Jede andere Sportart außer Fußball vermelde rückläufige Zahlen in den Vereinen. Die Bedeutung der Vereine für die Kinder und Jugendlichen habe abgenommen. „Wir haben unsere ganze Freizeit im Tennisverein verbracht“, sagt Hanns-Gerd Fischer. Heute kommen die Kinder und Jugendlichen, spielen und fahren sofort wieder nach Hause.

Das soll nicht heißen, früher sei alles besser gewesen, „heute ist die ganze Lebenssituation der Menschen vielfach anders“, sagt Hartmut Riggers, der auch gar nicht länger zurückschauen will. Der ehemalige Schulleiter setzt lieber auf die Zukunft. Es seien sicherlich 70 erfolgreiche Jahre im Tennisverband Nordwest gewesen, aber „nun kann es auch im Zusammenschluss mit Niedersachsen erfolgreich werden. Die Bedingungen dafür sind auf jeden Fall gegeben“, glaubt Riggers. Und auch, wenn es den kleinsten Verband mit dem größten Namen bald nicht mehr geben wird, bedeutende Persönlichkeiten kommen noch immer aus Bremen. So hat vor wenigen Wochen gerade erst der Schatzmeister des TV Nordwest, Peter Göken, die Leitung Haushalt und Finanzen beim Deutschen Tennisbund übernommen. Ein Vize-Präsident beim Deutschen Tennis-Bund – an Einfluss hat Bremen also nicht verloren.


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Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...