Kritik von CDU-Ratsherr Waßer Den Bürger als Kunden betrachten

CDU-Ratsherr Jürgen Waßer will seine Kritik an der Kfz-Anmeldestelle und am Bürgerbüro vor allem als Kritik an der Verwaltungsspitze verstanden wissen. Im gespräch erläutert er seine Beweggründe.
07.08.2020, 15:51
Lesedauer: 2 Min
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Den Bürger als Kunden betrachten
Von Andreas D. Becker
Herr Waßer, haben Sie mit Ihrer Kritik an der Kfz-Zulassung und am Bürgerservice nicht überzogen?

Jürgen Waßer: Nein. Im Gegenteil finde ich es sehr befremdlich, wenn die Verwaltungsspitze berechtigte Kritik, initiiert von unseren Bürgerinnen und Bürgern, als Wahlkampf abtut. Denn es ist eine Tatsache, dass es in Delmenhorst sowohl bei der Kfz-Zulassung als auch im Bürgerbüro erhebliche Probleme mit der Abwicklung trivialster Aufträge gibt.

Aber meinen Sie nicht, dass die Mitarbeiter dort gute Arbeit leisten?

Die Ursache liegt hierbei nicht bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern in der Führung. Keinesfalls wollte ich die Arbeit einzelner dort arbeitender Personen kritisieren. Vielmehr beschrieb ich die Organisation des Ganzen. Jetzt kommt dann wieder die von Ihnen zitierte Verwaltungsspitze ins Spiel. Wenn es in einzelnen Servicebereichen größeren Zulauf gibt, muss kurzfristig nachgesteuert werden, sonst liegt ein Versagen dieser Verwaltungsspitze vor. Wie es besser gehen kann, zeigt nicht nur der Landkreis Oldenburg, sondern auch beispielsweise die Stadt Oldenburg.

Sie kritisieren, dass einzelne Stellen nicht gut telefonisch erreichbar sind.

Wenn in einer Behörde die Telefone klingeln, droht – ich sage das mal bewusst überspitzt – ein Kunde mit einem Auftrag. Aber auch für die Verwaltung gilt: Diese Kunden gilt es zu organisieren. Vielleicht wäre dem Kunden geholfen, wenn man die Sprechzeiten drastisch entzerrt und dies auch öffentlich kundtut. Wenn ein Freiberufler seinen Umsatz um knapp 40 Prozent steigern kann – ich beziehe mich hier auf die Steigerung bei der Kfz-Zulassungsstelle im Publikumsverkehr –, dann organisiert er das ja auch. Und: Die Gesamtzahl der zugelassenen Autos ist im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr sogar leicht zurückgegangen. Was tun die Leute, die sonst die Aufträge der Autohändler bearbeiten und jetzt offensichtlich weniger Aufträge haben? Warum unterstützen diese Kollegen nicht den Publikumsverkehr?

Das Problem mit zu vielen Menschen in schlecht belüftbaren Räume in Corona-Zeiten ist aber nachvollziehbar für Sie?

Auch da gilt: Mit ausgedehnten Sprechzeiten hätte die Verwaltung auch länger die Möglichkeit, ihren Laden durchzulüften. Wobei ich mich frage, wie dies die zahlreichen Einzelhändler in der Stadt machen. Dort ist auch nur eine Türe vorne im Laden, sonst selten eine Belüftungsmöglichkeit.

Sie vermissen also bei der Verwaltung einen Servicegedanken, wie ihn beispielsweise der Einzelhandel lebt?

Das möchte ich auch ausdrücklich betonen: Die Verwaltung ist für die Bürger da. Diese rufen oftmals sehr teure Dienstleistungen ab, und haben ein Recht darauf, für ihr Geld wie Kunden behandelt zu werden. Und nur am Rande: Die Telefonanlage war am Donnerstag dieser Woche offenbar schon wieder defekt. Ein guter Freund von mir brauchte fast zwei Stunden, um jemanden im Bürgerbüro zu erreichen, weil er einen Termin haben wollte, um seinen Ausweis abzuholen. Er kam sich dabei vor, auch wenn die Verwaltungsspitze das nicht hören möchte, wie ein Bittsteller. Vielleicht sollte Delmenhorst, bevor es Klimamusterstadt wird, überlegen, vorher erst einmal Musterstadt der Bürgerfreundlichkeit und der kurzen Wege zu werden.

Das Gespräch führte Andreas D. Becker.

Info

Zur Person

Jürgen Waßer

sitzt seit 2016 für die CDU im Stadtrat. Der selbstständige Kaufmann ist Vorsitzender des Stadtbezirksverbandes Ost der Union und stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes.

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