Hohe Nachfrage der Kunden

Haargenaue Regelungen für Friseure

Nach zehnwöchiger Schließzeit dürfen Friseure aus Delmenhorst seit diesem Montag öffnen. Eine Mindestfläche von zehn Quadratmetern pro Person darf nicht unterschritten werden.
28.02.2021, 14:00
Lesedauer: 3 Min
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Haargenaue Regelungen für Friseure
Von Desiree Bertram

Salons putzen, Termine vereinbaren und Desinfektionsmittel bereit halten: Die Vorbereitungen in Delmenhorster Friseursalons liefen zuletzt auf Hochtouren. Denn seit diesem Montag dürfen die Haarkünstler ihre Kunden wieder in Empfang nehmen – nach etwa zehnwöchiger Schließzeit wegen der Pandemie. Die Freude darüber scheint nicht nur bei den Mitarbeitern groß, sondern auch bei den Kunden. Nach wie vor ist ein Besuch nur nach einer vorherigen Terminabsprache möglich.

„Es ist einfach richtig klasse, dass wir wieder arbeiten dürfen“, sagt Friseurmeisterin Jacqueline Fröhlich-Lohse. Die Salonleiterin des Friseurteams Lohse an der Brauenkamper Straße berichtet, dass sich nicht nur ihr ganzes Team sehr darüber freue, sondern auch die Kundschaft: „Die Termine sind im ersten Monat komplett ausgebucht.“ So habe das Friseurteam bereits gut 300 Termine vergeben, schätzt sie.

Um der hohen Nachfrage gerecht werden zu können, öffnen sie ihre Türen direkt am Montag. Normalerweise hat Fröhlich-Lohses Salon an diesem Tag der Woche geschlossen: „Das ist der Friseur-Sonntag.“ Insgesamt besteht das Team aus sieben Friseuren, von denen aber nur fünf gleichzeitig da sein werden. Das liege unter anderem daran, dass eine Mindestfläche von zehn Quadratmetern pro Person nicht unterschritten werden darf, erklärt die Friseurmeisterin.

Zudem dürfe jede Mitarbeiterin nur einen Kunden zurzeit bedienen. Das bedeutet beispielsweise, dass eine Friseurin während bei ihrem Kunden die Haarfarbe einwirkt, keinen anderen bedienen darf, sagt Fröhlich-Lohse. Derzeit sei die Nachfrage gerade bei Haarfärbungen oder Verlängerungen besonders hoch. Auch Gesichtsbehandlungen dürfen Delmenhorster Friseure anbieten, sagt die Salonleiterin. Dabei müsse zusätzlich zur Maske ein Visier getragen werden.

Trotz der Einbußen durch die pandemiebedingten Schließungen, versuche der Salon die Preise nicht erneut anzuheben. Im vergangenen Jahr erhöhte Fröhlich-Lohse die Preise, um Mehrkosten abzudecken: „Es gibt zum Beispiel keine Trockenhaarschnitte mehr, sondern nur mit vorigem Waschen.“

Ümit Akbulut, Friseurmeister und Barbier der Haarwerkstatt an der Grünen Straße plant ebenfalls keine höheren Kosten für seine Kunden: „Die Preise bleiben gleich.“ Er halte es für ein falsches Signal, wenn die Preise jetzt angezogen würden. „Viele Mitmenschen müssen ihre eigenen Einbußen ausgleichen und sind selbst in Kurzarbeit“, sagt Akbulut. Auch die Haarwerkstatt öffnet direkt an diesem Montag. Bis April soll die Montagsöffnung fortgeführt werden. Danach wünscht sich Akbulut, dass das Team wieder in einen normalen Arbeitsrhythmus kommt: „Mehr als arbeiten können wir nicht.“

Die Termine seien bis Mai größtenteils ausgebucht. Vor rund einem halben Jahr hat der Friseurmeister ein digitales Buchungssystem eingerichtet. Dort können die Kunden ihren gewünschten Mitarbeiter und die entsprechende Dienstleistung eintragen. Das Programm wertet die Eingaben aus und zeigt eine Preis- sowie Zeiteinschätzung an. Für Kunden die nicht technikaffin sind, hat der Salon Telefontage für die Terminreservierung angeboten. Laut Akbulut seien die Leitungen bereits nach kurzer Zeit überlastet gewesen.

Er wünscht sich, dass seine Kunden ein gutes Gefühl in der Haarwerkstatt haben: „Sie sollen Corona für einen Moment vergessen, es belastet ja jeden.“ Dass die Salons in Delmenhorst wieder öffnen dürfen, freut Akbulut: „In Anbetracht dessen, dass die Friseure in den einzelnen Bundesländern geklagt haben, ist das auch angebracht.“ In Deutschland gibt es über 80.000 Friseursalons, die täglich etwa 700.000 Kunden bedienten – laut Akbulut stehen dabei die Infektionszahlen in keiner Relation zu den Gesamtzahlen. „Außerdem weiß man nicht, ob sie sich beim Friseur infiziert haben oder auf dem Weg dorthin“, sagt der Friseurmeister.

In der Haarfabrik werden vorläufig keine Gesichtsbehandlungen, wie etwa Bart schneiden, angeboten. Getränke dürfen nicht mehr angeboten werden. Zudem gibt es keine Wartebereiche, und Begleitpersonen dürfen nicht mitgebracht werden. Für den Kunden selbst ändere sich nichts, außer das durchgängig eine FFP2- oder OP-Maske getragen werden muss. Die Hygiene- und Abstandsregelungen sowie Nachverfolgungslisten bleiben ebenfalls bestehen. „Zusätzlich gibt es in dem Salon einen Luftreiniger“, erzählt Akbulut.

Somit bleiben die Bedingungen im Vergleich zu jenen vor der Schließzeit so gut wie gleich. Neu sei für die Haarkünstler die Zehn-Quadratmeter-Regelung, sagt Sven Jochims, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft: „Der Salon kann also nicht maximal genutzt werden.“ Anpassungen der Öffnungszeiten und Preise sind individuelle Entscheidungen der Salons. Er vermute, dass einige die Öffnungszeiten verlängern, um der Nachfrage gerecht zu werden. Grundsätzlich können die Friseure aber froh sein, dass sie nun wieder öffnen dürfen und das Friseurhandwerk gehört wurde, sagt Jochims: „Das ist ein großer Gewinn für uns.“

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