Baugebiet in Delmenhorst Die Problemwand

Eigentlich sollte seit dem Frühjahr am Bremer Postweg gebaut werden. Doch noch ist nicht einmal eine Baustraße entstanden. Was an der Lärmschutzwand liegt, die noch keinen behördlichen Segen bekommen hat.
29.07.2019, 18:17
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Die Problemwand
Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Im Frühling sollte es am Bremer Postweg eigentlich losgegangen sein, da schon sollten die Baukolonnen anrücken. So sahen es die Pläne der Projektgesellschaft Del-Mare vor. Und so sahen auch die Pläne der zukünftigen Bauherren aus. Doch auch Ende Juli ist noch nichts geschehen – außer dass die Lärmschutzwand steht, die laut Ratsbeschluss Bedingung ist, damit der Bebauungsplan rechtskräftig wird und gebaut werden kann. Vor allem für die 20 Grundstücksbesitzer wird diese unendliche Geschichte zu einem Problem, denn so langsam wollen die Banken Geld sehen. Was ist da also los?


Die Chronologie: „Der Bebauungsplan Nr. 295 ‚Bremer Postweg‘ ist erst in Kraft zu setzen, wenn die im städtebaulichen Vertrag vereinbarte Leistung – die plangemäße Herstellung der im Bebauungsplan festgesetzten Lärmschutzanlage – vollständig erbracht und beanstandungslos abgenommen worden ist.“ So beschloss es der Rat der Stadt vor gut einem Jahr, am 28. Juni 2018. Noch im Juni will der Projektträger auch den Bauantrag für die Lärmschutzwand gestellt haben. Bis die erteilt war, verging ganz offensichtlich mehr Zeit, als seitens des Investors eingeplant wurde. Im Oktober 2018 ging Thorald Fiefeck, Geschäftsführer der Del-Mare, noch davon aus, dass ab Frühjahr 2019 gebaut werden könne. Doch auch das sollte sich zerschlagen. Erst Ende Januar stand die Lärmschutzwand. Doch offensichtlich nicht an allen Stellen hoch genug. Also musste nachgebessert werden, wieder verstrich wertvolle Zeit. Die Projektgesellschaft ging im Frühjahr davon aus, dass die Wand bis Ostern fertig ist.

Am 11. April hat dann ein Ortstermin der Del-Mare mit der Bauordnung stattgefunden. Doch offensichtlich war die Wand nicht zur Zufriedenheit der Verwaltung errichtet worden. Es mussten noch Dokumente nachgereicht werden. Bis Ende Juni sollte aber alles erledigt sein. Am 11. Juni sollen die fehlenden Unterlagen laut Informationen des DELMENHORSTER KURIER nachgereicht worden sein, wobei die Verwaltung wohl unmittelbar danach bereits darauf hinwies, dass noch Mängel vorliegen. Fertig geprüft waren die Unterlagen aber erst Anfang Juli. Dass es weiterer Nachbesserungen bedarf, wurde der Projektgesellschaft ebenfalls in der 27. Kalenderwoche geschrieben.

Zudem fehlt noch ein weiterer Punkt, den die Stadt vorgegeben hat: die Bepflanzung. Nach Informationen unserer Zeitung wurde mit der Stadt erst im Juni ein entsprechendes Bepflanzungskonzept abgesprochen. Die Stadt hatte auch keine Einwände. Allerdings erst wenn die Pflanzen gesetzt sind und auch alle Unterlagen voll umfänglich vorliegen, kann der nächste Schritt erfolgen: eine erneute Begehung zur Abnahme der Wand. Wenn dann nichts mehr beanstandet wird, erlangt der Bebauungsplan Rechtskraft.


Das sagt Del-Mare:
„Es liegt in unserem ureigensten Interesse, das Projekt fertigzustellen“, betont Thorald Fiefeck, der Geschäftsführer der Projektgesellschaft – denn sein Unternehmen hat noch Pläne für ein unmittelbar benachbartes Folgeprojekt, das aber erst im Anschluss an das Neubaugebiet am Bremer Postweg umgesetzt werden kann, sprich: die Beplanung des ehemaligen Delmare-Geländes am Reinersweg. Details hierzu werden allerdings noch nicht bekannt gegeben. Im Grunde sind es laut Fiefeck drei Punkte, an denen es beim Thema Lärmschutzwand hakt: „Das ist erstens die Bepflanzung, aber die soll in den nächsten Tagen erfolgen. Dann sind wir gerade dabei, die geforderte Prüfstatik erstellen zu lassen. Und zu guter Letzt fehlt noch ein Materialnachweis des Errichters der Lärmschutzanlage.“ Fiefeck rechnet damit, dass spätestens Ende August alles bei der Bauordnung vorliegt und dann schnellstmöglich eine Nachbegehung erfolgt. Dann kann auch der Bebauungsplan rechtskräftig werden.

Das bedeutet aber noch nicht, dass die Bauarbeiten an den 20 Einfamilienbungalows dann sofort beginnen können. Im Anschluss muss das Gebiet erschlossen werden, sprich zwei Straßen, die einmal die Namen von Anne Frank und Georg Elser tragen werden, müssen angelegt und die Versorgungsleitungen zu den Grundstücken verlegt werden. Entsprechende Planungen mit den ausführenden Firmen existieren bereits. „Wenn der B-Plan Rechtskraft erlangt, vergeben wir sofort die Aufträge für die Erschließung“, sagt Fiefeck. Aber drei Monate werden diese Arbeiten schon benötigen. Im besten Fall wird also im Dezember mit dem Hausbau gestartet werden können. „Wir hatten auch eine ganz andere Zeitprognose. Aber wie das so ist – manchmal holt einen die Realität ein.“


Das sagen Grundstückskäufer: „Wir haben es in diesem Fall jetzt mit acht Monaten Verzögerung zu tun“, sagt ein Grundstückskäufer, der gern – wie auch andere Betroffene – seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dabei hatten seine Bank und er bereits ein bisschen Puffer eingeplant, weil es ja gut sein konnte, dass es zu einem Vierteljahr Verzögerungen kommen würde. Doch nun melden sich die Finanzinstitute langsam. „Die Bank hat uns gegenüber angedeutet, dass sie ab kommendem Monat Bereitstellungszinsen berechnen will“, sagt ein Grundstückskäufer. „Unsere Bank möchte, dass wir jetzt bereits mit der Tilgung anfangen“, erzählt ein anderer. Zumal er nicht nur Geld für den Grundstückskauf aufgenommen hat – an der Stelle wurden übrigens rund 200 Euro pro Quadratmeter für die gut 500 bis 830 Qaudratmeter großen Grundstücke aufgerufen –, sondern auch schon die Finanzierung des Hausbaus mit enthalten ist. Da jetzt schon mit der Tilgung zu beginnen, stellt natürlich eine nicht unerhebliche Mehrbelastung neben der aktuell noch zu zahlenden Miete dar, schließlich werden die zukünftigen Bauherren wahrscheinlich erst in rund einem Jahr in ihre neuen Häuser einziehen können. Ein Käufer sagt, dass er aktuell mit seiner Lebensgefährtin in einer 40-Quadratmeter-Wohnung lebt. Was als kurzer Übergang bis zum Einzug ins eigene Haus gedacht war, entpuppt sich nun als unkomfortable Interimslösung.

Wegen der Forderung der Banken überlegen einige der Grundstückskäufer, einen Anwalt einzuschalten, um prüfen zu lassen, ob sie die Del-Mare an den ihnen nun drohenden finanziellen Belastungen beteiligen können. Was dabei helfen könnte: Die Del-Mare hat selbst immer wieder Fristen genannt, wann sie was in der Realisierung fertiggestellt haben möchte. „So können wir vielleicht den Schaden wenigstens minimieren“, erklärt ein Käufer. Aber wahrscheinlich wird auch juristischer Druck wenig bringen, um das Verfahren zu beschleunigen.

Die Betroffenen können indes nicht im Geringsten verstehen, was beim Bau einer Lärmschutzwand so kompliziert sein soll. „Im Moment scheint es so, als wenn sich die Erschließungsgesellschaft und die Stadt einfach nur gegenseitig den Schwarzen Peter hin und her schieben“, sagt ein Grundstücksbesitzer. Wobei es den Betroffenen durchaus bekannt sei, dass die Delmenhorster Bauverwaltung in der jüngeren Vergangenheit wegen chronischer Überlastung nicht gerade durch ihre schnelle Fallbearbeitung Bekanntheit erlangt hat. Was die Grundstückskäufer aber wirklich nerve, sagt einer, sei die „katastrophale Informationspolitik. Wir haben im Abstand mehrer Monate immer nur spärliche Informationen erhalten. Das ist einfach frustrierend.“

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