Bildungseinrichtung in Delmenhorst „Eine sehr praxisorientierte Ausbildung“

Ab 2020 werden die bisherigen Berufsausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammengelegt. Die Geschäftsführerin des Bildungsanbieters IWK sieht den Veränderungen gespannt entgegen.
21.08.2019, 07:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Ilias Subjanto

Frau Watzke, in der Ausbildung von Pflegeberufen stehen Veränderungen an: Im kommenden Jahr werden die bisherigen Berufsausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammengelegt. Künftig absolvieren die Azubis in den ersten zwei Jahren eine gemeinsame Ausbildung. Im dritten Jahr können sie diese generalistische Ausbildung fortsetzen und Pflegefachmann werden, oder sie können ihren Schwerpunkt auf die Pflege alter Menschen beziehungsweise die Versorgung von Kindern legen und einen Abschluss als Altenpfleger oder Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger erwerben. Wie sehen Sie diese Veränderungen?

Silke Watzke: Wir stehen den Veränderungen sehr positiv gegenüber. Als vor drei Jahren der Fachkräftemangel im Pflegebereich immer deutlicher wurde, wurde politischerseits mit der „Ausbildungsoffensive Pflege“ gegengelenkt, um die Rahmenbedingungen für die Ausbildung zu verbessern. Diese „Ausbildungsoffensive“ hat damals schon zu einem Zuwachs der Interessenten für die Altenpflegeausbildung geführt. Die Rahmenbedingungen für die Ausbildung und hinterher im Arbeitsfeld sind ein ganz wichtiges Kriterium für die Berufsentscheidung. Die generalistische Ausbildung verstärkt das Ganze noch einmal. Sie stellt eine moderne, qualifizierte und zukunftsorientierte Pflegeausbildung mit vielfältigen Möglichkeiten und besseren Rahmenbedingungen dar. Für junge Menschen genau das Richtige.

Die Entscheidung, eine generalistische Ausbildung aus den Pflegeberufen zu machen, ist aus ihrer Sicht die richtige?

Ja. Wir müssen für Jugendliche Ausbildungsmöglichkeiten schaffen, in denen sie sich sehr breit aufstellen können und eine langfristige berufliche Perspektive sehen. Bei der generalistischen Pflegeausbildung kann man als Absolvent in allen drei Bereichen arbeiten: In der Gesundheits- und Krankenpflege, in der Altenpflege und in der Kinderkrankenpflege – ambulant wie stationär.

Es gibt eine Spezialisierung im dritten Lehrjahr.

Der Auszubildende hat die Wahl, sich zu spezialisieren. Ohne Spezialisierung erhält man den Abschluss Pflegefachmann oder Pflegefachfrau – eine generalistisch ausgebildete Pflegekraft, die in allen Bereichen gleichermaßen arbeiten kann. Bei den Pflegefachleuten findet zwar keine Spezialisierung mehr innerhalb der Ausbildung statt, aber dafür haben sie eine gute Basis. Wenn man sich dann nach Abschluss der Ausbildung in einem Bereich spezialisieren möchte, kann man immer noch zusätzliche Fachqualifikationen draufsetzen. Wir sind gespannt, wie die Wahl der zukünftigen Auszubildenden ausfällt und glauben, dass die Tendenz eher dahin gehen wird, sich für den breit aufgestellten generalistischen Abschluss zu entscheiden. Die universelle Einsetzbarkeit in allen Bereichen der Pflege sowie die EU-weite Anerkennung sind dabei sicherlich wichtige Faktoren.

In den meisten Ländern gibt es keine berufliche Ausbildung, dort ist Pflege dann ein Studienberuf.

Richtig. Dennoch gucken viele mit Neid auf uns in Deutschland. Bei uns gibt es Beides. Diese Durchlässigkeit des Systems von der Ausbildung bis zum Studium ist unsere Stärke. Wir haben eine sehr praxisorientierte Ausbildung, und danach geht es in den wissenschaftlichen, pädagogischen oder in den Managementbereich. Und das sind gute Karrieremöglichkeiten im Anschluss an die Ausbildung.

Welche Aufgaben stehen für Sie als Bildungseinrichtung mit der anstehenden Umstellung zur generalistischen Pflegeausbildung an?

Bei uns geht es jetzt darum, gemeinsam mit unseren langjährigen Kooperationspartner – also den Krankenhäusern sowie den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen – Ausbildungsverbünde zu gestalten. Um generalistisch und breit aufgestellt zu sein, müssen die Auszubildenden verschiedene Fachbereiche durchlaufen. Dafür ist es wichtig, dass sich alle Ausbildungsakteure zusammentun. Wir sind da auf einem guten Weg und freuen uns auf den Start der neuen Ausbildung ab 2020. Außerdem würden wir es sehr begrüßen, wenn es in der ambulanten Pflege leichter möglich wäre, durch veränderte Rahmenbedingungen verstärkt auszubilden, weil auch dort ein großer Fachkräftebedarf besteht.

Gibt es da im Moment Schwierigkeiten?

Wenn man sich die neuen Ausbildungsrahmenrichtlinien anguckt, dann ist der Bereich der ambulanten Pflege innerhalb der praktischen Ausbildung niedriger bemessen als andere. Das heißt, die Auszubildenden sind nicht so oft im eigenen Betrieb, was sich ungünstig für den Betrieb und die Auszubildenden auswirkt. Es gibt beispielsweise Befürchtungen, dass sich die Azubis der Pflegeeinrichtung nicht so stark an ihren Betrieb binden und nach der Ausbildung diesen gegebenenfalls schneller wieder verlassen. Außerdem haben wir von Ausbildungshäusern gehört, dass sie nächstes Jahr nicht ausbilden würden, weil ihnen die Umstellung der Ausbildung zu unsicher erscheint. Aber durch die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit, die wir seit Jahren mit den Kooperationspartnern haben, können wir das zusammen sicherlich gut schaffen. Ausbildungsplätze dürfen nicht wegfallen, dafür setzen wir uns als IWK ein. Bei dem Fachkräftebedarf, den wir haben, wäre ein Verlust von Ausbildungsplätzen völlig kontraproduktiv.

Das Interview führte Ilias Subjanto.

Info

Zur Person

Silke Watzke

ist Geschäftsführerin des Instituts für Weiterbildung in der Kranken- und Altenpflege (IWK). Als eigenständige gemeinnützige GmbH mit Hauptsitz auf dem historischen Nordwollegelände in Delmenhorst und 16 Standorten im Bundesgebiet ist das IWK einer der größten Bildungsanbieter im Gesundheits- und Sozialwesen in Deutschland.

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